Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Erster Weltkrieg aus Belgershainer Sicht
Region Grimma Erster Weltkrieg aus Belgershainer Sicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 19.05.2015
Ausstellung in Vorbereitung: Bernd Weisbrich mit Tafeln, die am 5. Juli im Schloss zu sehen sein werden. Quelle: Andreas Röse

Aus diesem Anlass stellt er momentan eine Ausstellung zusammen, die sich mit dem 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs befasst. Sie soll nur an diesem einen Tag zu sehen sein.

Im Amtsblatt der Gemeinde hatte Bernd Weisbrich aufgerufen, Erinnerungsstücke von der großen Schlacht für die Schau zur Verfügung zu stellen. Allzu viel Rücklauf bekam der Vorsitzende des Heimatvereins zwar nicht. Aber es reichte, um das Geschehen zumindest ansatzweise aus dem Belgershainer Blickwinkel zu beleuchten. "Vieles haben die Leute leider schon weggeworfen", sagt er bedauernd. Unwiederbringliche Geschichte(n).

Wenigstens an einige Belgershainer Einwohner, die in den Krieg gezogen waren, kann erinnert werden - für Männer der anderen Ortsteile kam nicht das nötige Material zusammen. Bei einem der Soldaten handelt es sich um Weisbrichs Opa, Paul Franz Joseph, der von 1878 bis 1966 lebte. "Ich habe ihn noch persönlich erlebt, kenne ihn nur hinkend", sagt der 68-jährige Vereinschef. Der Großvater, den es an die Ostfront verschlagen hatte, war am Bein verwundet worden. Fotos zeigen ihn in Ausgehuniform und im Feld. Überliefert sind sein Militärpass, sein Soldbuch und Postkarten, die er nach Hause schrieb, unter anderem aus dem Lazarett. "Wirklich viel weiß ich aber nicht von ihm. Er hat - wie so viele andere - nie über seine Erlebnisse geredet", sagt Weisbrich.

Ihn fasziniert die Vielfalt der Feldpostbriefe, die für die Ausstellung zusammenkam. Sie reichte in einer Zeit, als es noch keine Din-Normen dafür gab, vom kleinen Puppenstuben-Format bis hin zu recht großen quadratischen Umschlägen. Versehen sind sie teilweise mit Siegelmarken, die damals weithin den Siegellack abgelöst hatten. Einige tragen Sprüche, die den herrschenden Zeitgeist ausdrücken. "Gott strafe England", heißt es da zum Beispiel.

Postkarten mit Bildern von Kindern in Uniform, die sich aus Stühlen einen Schützengraben gebaut haben oder mit Spielzeuggewehren marschieren, Landkarten mit den Frontverläufen, das russische Friedensdekret von 1917, die ersten Zeilen des Friedensvertrags von Brest-Litowsk - die Exposition wird viele Facetten des gewaltigen Gemetzels veranschaulichen. Für den Tag der Ausstellung wollen einige Einwohner zudem Leihgaben zur Verfügung stellen. Weisbrich: "Zeigen können wir dann ein Album mit Zigarettenbildern, eine Feldflasche und eine Holzschachtel mit Spiegel und Lederriemen, in der die Soldaten ihr Rasierzeug aufbewahrten."

Nicht bis zum 5. Juli wird ein weiteres Ziel des Heimatvereins zu erreichen sein. Auf dem Gedenkstein an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, der auf dem Belgershainer Friedhof steht, lassen sich die Namen kaum noch lesen. Vier Monate, so Weisbrich, habe es gedauert, die denkmalrechtliche Genehmigung für die Schrifterneuerung einzuholen. "Nun können wir die Arbeit an einen Steinmetzbetrieb vergeben", so der Heimatgeschichtler. "Wir hoffen, dass unsere Spendenmittel für das Vorhaben reichen und dass es wenigstens noch in diesem Jubiläumsjahr umgesetzt werden kann."

Nicht ändern lassen wird sich eine Diskrepanz. Von den 24 Namen auf dem Stein sind nicht alle im Standesamt erfasst. Im Gegenzug wurden in den Unterlagen gefallene Soldaten aufgeführt, die nicht auf dem Stein verewigt sind. "Diese Ungereimtheit können wir nicht aufklären", konstatiert Weisbrich.

In den anderen Belgershainer Ortsteilen besteht kein Handlungsbedarf an den Gedenksteinen. Der Threnaer Stein mit elf Namen befindet sich in einem guten Zustand, der Rohrbacher mit sechs Namen ist neu, und der Köhraer mit 22 Namen wurde 2011 aus Spendenmitteln restauriert.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.06.2014
Pfeifer, Frank

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die polizeilichen Ermittlungen im Fall des Internet-Betrugs, dem Lutz Kadyk aus Ammelshain zum Opfer gefallen ist, werden sich voraussichtlich schwer gestalten. Wie Andreas Loepki, Leiter des Direktionsbüros der Polizeidirektion Leipzig, auf Anfrage mitteilte, verschleiern die Täter normalerweise ihr Agieren im Internet, die Überweisungen der Geldbeträge laufe zumeist über mehrere Konten.

19.05.2015

Der Jetlag ist passé, der (deutsche) Schulalltag hat die 14 Bildungsreisenden der Colditzer Sophienschule eingeholt. Nachdem sich alle wieder mit dem mitteleuropäischen Klima angefreundet haben, zieht Russischlehrerin Monika Guhlmann ein erstes, überwiegend positives Fazit über die zweiwöchige Bildungsreise nach Kasachstan.

19.05.2015

Selbst wenn er wöllte, könnte er nicht. "Ich habe keine Chance mehr, mich aus der Nummer zu stehlen", sagt augenzwinkernd der Otterwischer Landwirt Christian Hahn, der für Sonnabend zur mittlerweile zehnten Auflage seines Hoffestes eingeladen hatte.

19.05.2015
Anzeige