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Grimma Ex-Anona-Chef Eismann für Lebenswerk geehrt
Region Grimma Ex-Anona-Chef Eismann für Lebenswerk geehrt
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21:03 04.12.2018
Die Leipziger Gründernacht ehrte den langjährigen Anona-Geschäftsführer Wolfram Eismann (65) für sein Lebenswerk. Quelle: Andreas Döring
Colditz

Anona sucht „Woller“ – Menschen, die wollen. Woller, ein Begriff, den Ralf Wiedenbeck, der Technische Leiter, prägte. Ob er dabei an Wolfram Eismann gedacht hat, den langjährigen Geschäftsführer? Wohl ja. Denn der ist seit einer halben Ewigkeit genau so ein Woller – nicht nur in Anspielung auf seinen Vornamen. Wolfram Eismann wollte gestalten, wollte zuhören, wollte querdenken. Er wollte den Erfolg und hat ihn nun. Die Leipziger Gründernacht ehrte den Colditzer Wirtschaftskapitän dieser Tage für sein unternehmerisches Lebenswerk.

Und das zur richtigen Zeit. Anders als der etwa gleichaltrige FC Bayern-Übervater Uli Hoeneß hat Eismann seine Nachfolge längst geregelt. Seit Sommer ist der 65-Jährige planmäßig kein Geschäftsführer mehr, weiß den Betrieb bei seinen jungen Nachfolgern Matthias Dietzsch und Wolfram Strauch in besten Händen. Ein Woller bleibt er dennoch. Zur Stadtratswahl im Mai will er für die in Gründung befindliche Freie Wählervereinigung „Bündnis Zukunft“ antreten. Mit vor allem jungen Mitstreitern möchte er Colditz zur „kinderfreundlichsten Stadt Sachsens“ machen.

Innovationsgeist und soziales Engagement

Was sich der Woller in den Kopf setzte, das wurde auch. Den Aufschwung von Anona vom einstigen DDR-Hersteller für Instant-Pudding und Softeispulver zum weltweiten Player für diätetische Lebensmittel nennt Markus Maier rasant. Maier, einer der Macher der Leipziger Gründernacht, attestiert dem Colditzer Unternehmen mit mehr als 440 Beschäftigten nicht nur Innovationsgeist im Bereich der Sport- und Fitnessnahrung, sondern auch soziales Engagement in der Region. Ein Markenzeichen, das untrennbar mit Wolfram Eismann verbunden ist.

Für ihn, den gelernten Ossi, zählen nicht nur rund 50 Millionen Euro, die seit 1992 in den Standort Colditz flossen. Für ihn zählen vor allem die Menschen. „Alles macht der Mensch, nicht die Maschine“, sagt der heutige Berater von Anona. Als Antwort auf die einstige Einführung in die Sozialistische Produktion (ESP) entwickelte er für Colditz das Unterrichtsfach EMW (Einführung in die Marktwirtschaft). Er holte 15 weitere Betriebe ins Boot und verhalf der Colditzer Schule zu einem inzwischen preisgekrönten Alleinstellungsmerkmal. Eismann: „Als die Resignation am größten war, wollte ich den Kindern vermitteln, dass es sich lohnt, die Ärmel hochzukrempeln.“

Die Preisträger der Leipziger Gründernacht 2018. Mit dem weinroten Schlips gehört auch der Colditzer Unternehmer Wolfram Eismann dazu. Quelle: Alex Fritsch

Anona-Abstieg nach der Wende überwunden

Und das, obwohl der eigene Betrieb vor dem Aus stand. Nach der Wende sank die Mitarbeiterzahl im Stammhaus auf nur noch 34. Es mussten dringend neue Märkte her. Eismann setzte auf diätetische Lebensmittel – und sich ins Auto. Jährlich schruppte er bis zu 60.000 Kilometer – immer auf der Suche nach Kunden. Inzwischen gehen die Riegel in 30 Länder. Eismann ist überzeugt davon, dass die kreativen Köpfe, die kürzlich ihre für zwei Millionen Euro aufgestockte gläserne Forschungsetage beziehen konnten, Colditz als idealen Wohnstandort entdecken werden: „Bezahlbares Bauland, frische Luft, Arbeit direkt vor der Nase – alles, was die Familie braucht!“

Eismann freut es, dass die Personalabteilung im September ein reichliches Dutzend an Azubis und Studenten gewinnen konnte. Woller sind eben nicht nur gefragt, sie werden in aller Regel auch eingestellt. Personalchef Andreas Paul: „Verwaltung war gestern, heute ist Gestaltung für morgen.“ Im Zeitalter von Sparzwängen, geringfügiger Beschäftigung und Leiharbeit biete das Unternehmen bei Betriebszugehörigkeit von mindestens sechs Monaten einen Leistungsbonus.

Ehrenpreis als Ansporn

Ein Führungsstil, der auch der Gründerszene nicht entgangen ist. Zum dritten Mal feierten Sparkasse Leipzig, Smile (Selbstmanagement-Initiative Leipzig) und ihre Partner junge, aber auch alte Hasen des Wirtschaftslebens der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen. Die Veranstaltung auf dem Mediencampus Villa Ida ist Treffpunkt der regionalen Gründerszene und versteht sich als wichtiges Forum für innovative Geschäftsideen und erfolgreiche Start-ups.

Den Ehrenpreis „Lebenswerk“ sieht Wolfram Eismann als Ansporn, nicht locker zu lassen. Er, der auf Bitten des damaligen Landrats Gerhard Gey am Kreisentwicklungskonzept mitgearbeitet hatte, will die Region auch weiter für Visionen begeistern. So trägt das Hausdorfer Stadion inzwischen den Namen Anona-Arena. Es soll genauso finanziell unterstützt werden wie künftig die Sporthalle der Schule. Womöglich erst der Anfang auf dem Weg zur kinderfreundlichsten Stadt Sachsens.

Von Haig Latchinian

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