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Ex-Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft Colditz gehen leer aus

Gläubigerversammlung Ex-Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft Colditz gehen leer aus

Leer gehen aus heutiger Sicht die Mitglieder der sich in Insolvenz befindlichen Wohnungsgenossenschaft Colditz aus. Zur Gläubigerversammlung am Dienstagnachmittag im Amtsgericht Leipzig wurde bekannt, dass sich nur noch ein Guthaben von 29 634 Euro verteilen lässt. Dieses Geld reicht nicht einmal aus, um allen anderen Ansprüchen gerecht zu werden.

Wohnblöcke am Wettiner Ring. Sie gehörten zur Wohnungsgenossenschaft Colditz.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Leer gehen aus heutiger Sicht die Mitglieder der sich in Insolvenz befindlichen Wohnungsgenossenschaft Colditz aus. Zur Gläubigerversammlung am Dienstagnachmittag im Amtsgericht Leipzig wurde bekannt, dass sich nur noch ein Guthaben von 29 634 Euro verteilen lässt. Dieses Geld reicht nicht einmal aus, um allen anderen Ansprüchen gerecht zu werden.

Im Bericht zur Gläubigerversammlung, der der LVZ vorliegt, fallen geschätzte Kosten für das Gerichtsverfahren, die Verwaltung, die Anfertigung von Auseinandersetzungsbilanzen und Steuererklärungen an, zusammen genommen rund 33 000 Euro. Doch damit nicht genug. Rechtsanwalt Stefan Kahnt von der Leipziger Kanzlei Pluta erkannte als Insolvenzverwalter außerdem 8951 Euro als Forderungen an. Für ein Gespräch war er am Mittwoch allerdings nicht erreichbar.

Werner Winkler besuchte als Vertreter seiner Mutter, die Mitglied der Genossenschaft war, den nichtöffentlichen Gerichtstermin und weiß Näheres. „Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften und die WTS Wohnungswirtschaftliche Treuhand in Sachsen GmbH haben die Rechnung über die knapp 9000 Euro aufgemacht“, informiert er. Damit wären schon insgesamt 42 000 Euro zu zahlen – bei vorhandenen 29 634 Euro.

Von den 430 ehemaligen Mitgliedern der Genossenschaft haben sich knapp 200 gemeldet, die ebenfalls ein Stück vom Kuchen abhaben wollten. Schließlich mussten sie beim Eintritt Anteile kaufen, ob nun zu DDR-Zeiten, als es um die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft „Neues Leben“ ging, oder beim Nachfolger, der Colditzer Wohnungsgenossenschaft, die ab 1992 existierte. Sie wollen nun 347 900 Euro zurück. Diesen Zahn zog ihnen jedoch Insolvenzverwalter Kahnt. In seinem Bericht zur Gläubigerversammlung heißt es, jene Forderungen habe er „bestritten“. Werner Winkler dazu: „Als Grund wurde genannt, wir hätten schließlich selbst die Auflösung der Genossenschaft beschlossen.“

Das stimmt vom Fakt her. Am 28. August 2007 kam es in Colditz zu einer denkwürdigen Versammlung, in der 220 Genossenschaftler das Aus besiegelten. Allerdings hegten sie die Hoffnung, mit diesem Schritt wenigstens noch ein wenig Geld für sich selbst zu sichern, bevor das gesamte Vermögen verloren gehen sollte. Seinerzeit betrug der Wert der Genossenschaft, die rund 520 Wohnungen vornehmlich am Wettiner Ring und in Thumirnicht, dazu Garagen, Stellplätze und das Freizeitzentrum Fema besaß, noch gut neun Millionen Euro.

„Ich frage mich, wo dieses Geld alles hin ist, zumal später sogar in einigen Jahren Gewinne erwirtschaftet wurden“, sagt Winkler. Aus dem Bericht zur Gläubigerversammlung geht hervor, dass die Bilanzsummen von 2008 zu 2009 um 7,57 Millionen Euro auf reichlich anderthalb Millionen Euro abstürzte. Die Kreditforderungen hatten zuvor rund sieben Millionen Euro betragen. Wurden also schnell mal die Banken bedient? Ein Frage, die noch niemand beantwortet.

Mit der Auflösung der Genossenschaft waren die Mitglieder zu Mietern geworden. Ein Unternehmen nach dem anderen kaufte die Häuser. Das schlagzeilenträchtigste unter ihnen die Saks GmbH, die zwar die Nebenkosten von den Bewohnern einzog, sie aber nicht komplett an die Dienstleister weiterleitete. So drohte der Versorgungsverband Grimma-Geithain mehrfach damit, den Wasserhahn in den Gebäuden abzudrehen.

Dass das Insolvenzverfahren erst jetzt anlief, liegt daran, dass es nicht gelungen war, alle Immobilien an den Mann zu bringen. Erst mit der Veräußerung der Fema war der Weg frei, den Schlussstrich zu ziehen. Mit dieser Immobilie verbindet sich auch ein Hauptgrund, warum die Genossenschaft 2007 in die Knie ging. Sie hatte das einstige Sozialgebäude in den 1990er-Jahren erworben und zum Kulturzentrum ausgebaut, obwohl sich laut dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Bertram H. Pausch schon seinerzeit abzeichnete, „dass sich das nicht rentiert.“

Von Frank Pfeifer

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