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Grimma Ex-Technikchef: „Ich musste Seehofer die ältesten Zimmer zeigen“
Region Grimma Ex-Technikchef: „Ich musste Seehofer die ältesten Zimmer zeigen“
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00:16 17.10.2017
Steffen Grimm an seiner einstigen Wirkungsstätte. 25 Jahre war er Technischer Leiter der Muldentalkliniken. Quelle: Foto: Frank Prenzel
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Grimma

42 Jahre war er Teil des Grimmaer Krankenhauses, 25 Jahre dieser Zeit schulterte er als Technischer Leiter des Klinikums Verantwortung. Nunmehr hat Steffen Grimm seinem Nachfolger bei der Muldentalkliniken GmbH endgültig Platz gemacht. Seit August genießt der 65-Jährige den Ruhestand und kann sich so noch mehr auf seine kommunalpolitische Arbeit als CDU-Stadtrat konzentrieren.

Grimm hat in den vier Jahrzehnten das Wachsen und Werden des Krankenhauses und die ständigen, auch strukturellen Veränderung hautnah erlebt. Der gelernte Klempner und Installateur wechselte 1975 vom Rohrleitungsbau Grimma ins Kreiskrankenhaus seiner Heimatstadt und verdiente sich fortan als Betriebshandwerker – auch für die Kreispoliklinik – sein Brot. Grimm arbeitete sich hoch, wurde noch vor der Wende Chef des Meisterbereichs Gewerke und avancierte schließlich 1992 zum Technischen Leiter. Als die Krankenhäuser Grimma und Wurzen nach dem Kreistagsbeschluss von 1997 zunächst zum Eigenbetrieb „Kliniken des Muldentalkreises“ fusionierten und er ab 2000 auch das technische Dasein der Wurzener Einrichtung zu verantworten hatte, stand Steffen Grimm auf der obersten Stufe seiner Karriereleiter.

Es waren aufregende und intensive Jahre. Grimm ist besonders die Begegnung mit dem heutigen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) im Gedächtnis geblieben. Es war 1993, als er als frisch gebackener Technikchef den damaligen Bundesgesundheitsminister durchs Grimmaer Krankenhaus führen sollte. „Ich musste ihm die ältesten Zimmer zeigen“, schmunzelt Grimm noch immer. Der Trick saß offenbar. Seehofer habe sich für einen Neubau in Grimma ausgesprochen, erzählt Grimm. Und der kam dann ja auch. 1996 wurde er erste und 2004 der zweite Bauabschnitt beendet. In der Zwischenzeit begrüßte Grimm an seinem Arbeitsort einen weiteren prominenten Politiker. Bei der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002 ging Gerhard Schröder (SPD) mit dem Hubschrauber auf dem Klinik-Landeplatz runter. Grimm nahm den Bundeskanzler mit in Empfang, ehe der sich die zerstörte Stadt ansah.

Grimm erinnert sich auch noch lebhaft an seine Aufgabe im Schloss Colditz, das als Krankenhaus und Altenpflegeheim in den 1990er Jahren zur Grimmaer Klinik gehörte. Hier oblag ihm auch das Kohleheizwerk. Das habe Schloss und Wohnungen mit Wärme versorgt, berichtet der 65-Jährige, der in Spitzenzeiten bis zu 60 Leute unter sich hatte. Colditz sei eine Herausforderung gewesen. Eine Netzersatzanlage etwa, also ein Notstromaggregat, habe hier nicht funktioniert. Im alten Grimmaer Haus diente derweil im Ernstfall ein Schiffsmotor als Stromlieferant. „Der wurde mit Druckluft angelassen“, plaudert der Grimmaer aus dem Nähkästchen.

Grimm drückte quer durch Deutschland eine Schulbank nach der anderen, um sich die Befähigungsnachweise für alles, was mit einem Krankenhaus zu tun hat, zu holen. Ob An- und Umbauten, Telefonanlage, Küche, Aufzüge, Raumluft, OP-Leuchten oder Außenanlagen – „ich war für alles zuständig, was mit dem Baukörper verbunden ist“. Sogar für medizinische Gase. Lediglich die medizinische Technik, die EDV und die Neubauten fielen nicht in sein Verantwortungsbereich.

Kompliziert sei die Zeit gewesen, als in Grimma von 1996 bis 2004 Alt- und Neubau gleichzeitig versorgt werden mussten, erinnert sich Grimm. Hüben wie drüben gab es etwa Operationssäle, die rund um die Uhr funktionieren mussten. Auch in Wurzen begleitete er zahlreiche Baumaßnahmen, darunter die neu errichtete Kinder- und Jugendmedizin und der Anbau.

„Ich konnte mich immer auf meine Leute verlassen“, blickt der einstige Chef Grimm auf bewegte Jahre zurück. Seine Aufgaben seien stets beherrschbar gewesen, „ich hatte aber auch viele schlaflose Nächte“, gesteht der 65-Jährige. Und er legt noch Wert auf eine weitere Feststellung: „In der Zeit, als Verwaltungsdirektorin Frederike Hochmuth meine Vorgesetzte war, „hat sie mich gefordert und gefördert.“

Ein Mann mit viel Erfahrung

Matthias Schröter (53) ist der Mann, der bei der Muldentalkliniken GmbH die Nachfolge von Steffen Grimm angetreten hat. Der Leipziger bewarb sich auf die Ausschreibung und wurde vor einem Jahr als Leiter Technik und Innovation eingestellt. Bis zum Ausscheiden Grimms gab es parallele Strukturen, krankheitsbedingte Ausfälle seines Vorgängers forderten Schröter aber vom ersten Tag an, wie er berichtet.

Schröter ist gelernter Elektriker, absolvierte ein Fernstudium zum Ingenieur für Industrieelektronik und machte an der Hochschule Wismar den Master of Science Facility Management. Der Familienvater, der einen Sohn hat, arbeitete vor seinem Wechsel zu den Muldentalkliniken als Niederlassungsleiter Mitteldeutschland der SPIE GmbH und verantwortete hier mit 180 Mitarbeitern den technischen Betrieb zahlreicher Gebäude, darunter auch die SRH-Kliniken in Suhl und Gera. „Ich hatte drei Schreibtische, in Leipzig, Erfurt und Dresden“, berichtet der 53-Jährige, der an der Hochschule Anhalt in Dessau zudem einer Lehrtätigkeit für Facility Services nachgeht.

In Grimma und Wurzen arbeitet Schröter bereits an dringenden Aufgaben. Beim Brandschutz etwa gebe es einiges aufzuarbeiten, sagt er. So würden aus dem Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“ 860 000 Euro ins Grimmaer Krankenhaus gesteckt. „Jedes Zimmer erhält einen Brandmelder“, erklärt Schröter, der nicht verstehen kann, dass so etwas beim Neubau unberücksichtigt blieb. Die Telefonanlage sei 22 Jahre alt und damit über ihrer Lebensdauer. „Wir müssen auch überlegen, was wir mit dem Patienten-Entertainment machen“, so der neue Technik-Chef. Dafür müssten jetzt die Weichen gestellt werden. Derzeit hängen in den Krankenzimmern noch Röhren-Fernsehgeräte, der Ton wird über die Telefonanlage eingespeist. Froh ist Schröter, dass beide Häuser seit Frühjahr über freies WLAN verfügen.

„Wir müssen den sicheren Krankenhausbetrieb gewährleisten“, bringt Schröter seine und die Arbeit seiner Mannschaft auf den Punkt. „Im Grunde sind wir die Heinzelmännchen. Keiner darf uns sehen“, so der 53-Jährige.

Von Frank Prenzel

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