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Grimma Experten im Landkreis Leipzig verteidigen hohe Hürden bei Stiefkindern
Region Grimma Experten im Landkreis Leipzig verteidigen hohe Hürden bei Stiefkindern
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00:18 04.02.2017
In der Patchworkfamilie sollte die Adoption der Stiefkinder gut überlegt sein. Quelle: Frank Leonhardt
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Landkreis Leipzig

Etwa fünfzig Prozent aller in Deutschland geschlossenen Ehen werden innerhalb der ersten sieben Jahre wieder geschieden. Danach suchen sich Frau und Mann häufig neue Partner, Patchworkfamilien sind weit verbreitet. Es gibt Stiefkinder sowie Stiefväter und Stiefmütter. „Wir wollen eine richtige Familie sein.“ Diesen Satz hören die Mitarbeiterinnen der Adoptionsvermittlungsstelle des Landkreises Leipzig häufig, wenn es um die Stiefkindadoption geht. Sohn oder Tochter sollen „fest“ im neuen Familienverband mit einem gemeinsamen Familiennamen integriert werden, so der Wunsch.

„Samstag heiraten und am liebsten gleich Montag soll das Stiefkind adoptiert werden“, kritisiert Daniela Malke, Sachgebietsleiterin für besondere soziale Dienste im Jugendamt. Sie warnt: „Dies kann große Auswirkungen für das Kind haben. Wer so etwas plant, sollte gründlich darüber nachdenken und sich vorher bei uns beraten lassen.“

Immerhin seien die Rechtsfolgen erheblich. So erlöschen die verwandtschaftlichen Beziehungen zum leiblichen Elternteil, der nicht mit dem Kind zusammenlebt, „unwiederbringlich“. Vater oder Mutter werden auf der Geburtsurkunde des Kindes gestrichen. Dafür wird der neue Ehepartner eingetragen, der damit die elterliche Sorge übernimmt. „Mit der Adoption wird in der Regel eine unabänderliche Entscheidung getroffen, die das Kind nicht nur bis zum 18. Lebensjahr begleitet, sondern die bis zu seinem Lebensende bestehen bleibt“, sagt Malke. Das betrifft auch Unterhalts- und Erbansprüche.

Deshalb sollten Eltern und Stiefeltern nichts überstürzen. „Sich selbst und dem Kind Zeit zu geben, nach einer Eheschließung zusammenzuleben, den Alltag zu meistern, gemeinsam Höhen und Tiefen zu erleben, all das kann Bindungen schaffen“, meint die Fachfrau. Wenn das Kind erlebt, dass Stiefvater oder Stiefmutter über einen längeren Zeitraum fürsorglich, zuverlässig und verantwortungsvoll die Elternrolle ausüben, könne es eine innige Bindung entwickeln. Auch die neue Ehe könne sich dabei bewähren.

Besonders bitter sei es nämlich für adoptierte Stiefkinder, wenn auch diese Beziehung mit einer Trennung endet. Ein junger Mann beschrieb dies einmal so: „Meine Mutter konnte sich scheiden lassen und hat auch wieder ihren Mädchennamen angenommen, aber ich bin an den Adoptivvater für immer gebunden. Das Verhältnis ist mehr als getrübt. Da hätte ich auch bei meinem leiblichen Vater bleiben können, der ist zwar auch nicht für mich da, aber wenigstens mein biologischer Erzeuger.“

Beratung und Unterstützung

Beratung und Unterstützung bei der Stiefkindadoption bietet die Adoptionsvermittlungsstelle des Landkreises kostenlos und vertraulich an – mit Hinweisen zu Verfahrensablauf, erforderlichen Unterlagen, finanziellen Konsequenzen oder auch zu der Frage, wie mit dem Kind darüber gesprochen werden kann.

Ab dem 14. Lebensjahr muss das Kind selbst in die Adoption einwilligen. Und auch der Vater oder die Mutter, die sich von ihrem Sohn oder ihrer Tochter durch die Stiefkindadoption lösen, müssen damit einverstanden sein und dies notariell bestätigen.

Ein Informations-und Beratungsgespräch wird empfohlen und kann vereinbart werden mit der Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes in Grimma, Karl-Marx-Straße 22, Haus 2. Ansprechpartner sind:

– Berit Walenszus für den Raum Borna und Umgebung, Telefon 03437/9842334, Mail Berit.walenszus@lk-l.de

– Andrea Strehl für den Raum Grimma und Umgebung, Telefon 03437/9842332, Mail: andrea.strehl@lk-l.de

Daniela Malke empfiehlt, unbedingt mit dem Kind über die Adoption zu sprechen. Ein bestimmtes Alter lasse sich dafür nicht sagen, „das kommt auf den Entwicklungsstand an“. Die Mitarbeiterinnen des Jugendamtes seien nicht berechtigt, dieses wichtige Gespräch zu führen. Das sei Aufgabe der Eltern, die jedoch häufig Angst davor haben würden.

Auch Menschen im höheren Lebensalter – manchmal sind sie über 60 Jahre alt – wissen mitunter nichts von ihrer Adoption. Sie haben zwar „so ein Gefühl“, aber mit ihnen wurde nie gesprochen. Ein Verschweigen dieser Tatsache komme spätestens bei einer vorgesehenen Eheschließung ans Licht. Dazu wird ein Auszug aus dem Geburtenregister erforderlich, auf dem auch Eintragungen über den Zeitpunkt einer Adoption und der Name des anderen biologischen Elternteils vermerkt ist.

„Grundsätzlich müssen Eltern damit rechnen, dass ihr Kind von seiner Adoption erfährt, sei es durch Behörden, Verwandte, Nachbarn oder einfach nur durch Zufall“, so die Sachgebietsleiterin. Dies könne zu erheblichen emotionalen Belastungen und Verstimmungen in der Familie führen. Deshalb sei ein offener Umgang mit der Thematik und vorab das altersentsprechende Gespräch so wichtig. Aus Sicht des Kindes sei dies ein Vertrauensbeweis und es spürt, „dass es in einer ganz wesentlichen eigenen Angelegenheit ein Mitspracherecht hat“.

Von Claudia Carell

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