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Fachtag gibt Hilfestellungen bei häuslicher Gewalt

Netzwerk Kinderschutz Fachtag gibt Hilfestellungen bei häuslicher Gewalt

Wie kann man Kinder vor häuslicher Gewalt schützen? Beim Fachtag des Netzwerkes für Kinderschutz des Landkreises Leipzig gab es darauf am Donnerstag im Soziokulturellen Zenturm in Grimma Antworten.

Gewalt an Kindern spielt sich hinter verschlossenen Türen ab. Rund 40 Prozent der Mütter und Väter gaben in einer repräsentativen Forsa-Umfrage zu, ihre Kinder mit einem Klaps auf den Po zu strafen, 10 Prozent verteilen Ohrfeigen.

Quelle: Jens Wolf

Landkreis Leipzig/Grimma. Das Zuhause ist ein Platz, an dem man sich sicher, geborgen, im besten Fall geliebt fühlt. Wo einem nichts passieren kann. In einem Viertel der Familien, so belegen Studien, ist dies anders. Dort beginnt hinter der Wohnungstür ein angstbesetzter Raum. Ein Ort, an dem sich Konflikte und Aggressionen Bahn brechen, dem man besonders als Kind nicht entfliehen kann. Wie aber Heranwachsende schützen? Wie sind Anzeichen für die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen zu erkennen?

Beim 8. Fachtag des Netzwerkes für Kinderschutz und frühe Hilfen im Landkreis Leipzig gab es am Donnerstag auf diese Fragen Antworten. Dazu hatten sich rund 200 Pädagogen und Erzieher aus Kitas, Horten, Schulen, von Vereinen und Freizeiteinrichtungen im Soziokulturellen Zentrum eingefunden. „Sie sind als Erzieher, Lehrer oder Sozialpädagogen am nächsten dran an den Kindern“, meinte Landrat Henry Graichen (CDU), der sich die Eröffnung der ganztägigen Veranstaltung nicht nehmen ließ. „Kinder sind Gewalt schutzlos ausgeliefert.“ Deshalb sei es wichtig, das soziale Umfeld zu sensibilisieren.

Unter dem Motto „...der Schrank ist mein Versteck“ ging es in Vorträgen, Diskussionen und Gesprächen um die vermeintliche Ohnmacht der Kinder. „Wir freuen uns sehr, dass unser Angebot wieder auf so viel Resonanz gestoßen ist“, begrüßte Anke Thomas, Koordinatorin des Netzwerkes für Kinderschutz, die Teilnehmer. „Gewalt spielt sich hinter verschlossenen Türen ab“, beschrieb sie die Herausforderungen. Die Gesellschaft brauche feine Antennen, um Symptome zu erkennen. Der Fachtag sollte unter anderem konkrete Hilfestellungen geben, wie Erzieher reagieren können, wenn der Verdacht auf seelische oder körperliche Misshandlung besteht. „Wie fange ich so ein Gespräch an, wie überwinde ich die innere Barriere, über meinen Verdacht mit den Erziehungsberechtigten zu sprechen“, umriss Graichen das Anliegen. Dass auch Kinder nicht ohnmächtig sein müssen, zeigte der einfühlsame norwegische Animationsfilm „Der Wutmann“, mit dem der Fachtag eröffnet wurde. Der sechsjährige Boy muss miterleben, wie der Vater ausrastet und die Mutter schlägt. Das Kind muss zusehen, kann der Situation nicht entfliehen. Als die Mutter das Verhalten des Papas auch noch entschuldigt, ängstigt sich der Junge noch mehr. Was auch ein nach dem Gewaltausbrauch nachträglich geschenkter bunter Drache nicht zu ändern vermag. „Der Film macht Mut, weil er ein Happy End hat, weil der Junge es schafft, anderen davon zu erzählen.“, so Graichen. „In der Praxis wissen wir: Nicht immer enden Konflikte so glimpflich.“

Auf die vielfältigen Formen von Gewalt ging Uta Strewe ein. Als Verfahrensbeistand vertritt sie vor Gericht die Interessen von Kindern oder vermittelt im Auftrag von Familiengerichten in Konflikten. Ihre Empfehlung; „Je früher etwas aufgeklärt wird, desto besser.“ Zwar sei es gesellschaftlicher Konsens, dass Erziehung ohne Gewalt auskommen muss. Aber oft werde darüber hinweggesehen, wenn Kinder Aggressionen oder schlechter Laune von Erwachsenen ausgesetzt sind, so nach dem Motto ,Da ist mir eben die Hand ausgerutscht’. „Ungleich schwerer ist psychische Gewalt zu erkennen.“ Strewe schilderte das Beispiel eines Jungen: „Die Mutter hat ihr Kind als Partner missbraucht, es gezwungen, mit ihm im Bett zu liegen.“ Sie habe ihm keine körperliche Gewalt angetan. Aber ein bedrohlicher Zustand sei es für den Achtjährigen dennoch gewesen. Auch Konflikte der Eltern untereinander würden Kinder stark belasten. „Sie entwickeln dann Schutzmechanismen, vermeiden alles, was zu Streit führen könnte.“ Auch hier sei es wichtig, solche Belastungssituationen für die kindliche Psyche richtig zu deuten. Ein Vortrag zum Thema „Ich habe nur Kopfschmerzen - Kindliche Warnsignale erkennen“ diente unter anderem diesem Zweck. Ebenso gab es Hilfestellungen für lösungsorientierte Gesprächsführung in Konfliktsituationen.

Ines Lüpfert, Jugendamtsleiterin des Landkreises, kündigte an, dass das Netzwerk demnächst auch mit einer rollenden Kampagne auf sich aufmerksam machen wird. „Ab Dezember werden Busse mit dem Motiv des Netzwerkes unterwegs sein und so auf die Hilfsangebote hinweisen.“

Von Simone Prenzel

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