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Grimma Falsche Polizisten überrumpeln Senioren
Region Grimma Falsche Polizisten überrumpeln Senioren
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07:00 24.07.2018
Kriminalhauptkommissarin Nicole Salomon vom Fachbereich Prävention der Polizeidirektion Leipzig beriet im Stadtgut Naunhof Senioren, wie man sich vor Einbruch und anderen Kriminalitätsdelikten besser schützen kann. Quelle: Thomas Kube
Naunhof

Die Masche häuft sich momentan in und um Naunhof. Unbekannte rufen bei Senioren an, geben sich als Vertreter einer Behörde, Firma oder gar der Polizei aus. Ihr Ziel: Sie wollen das Geld der Rentner ergaunern. Um vor den Tricks der Betrüger zu warnen, initiierten die beiden Bürgerpolizisten Kathleen Heller und Michael Klaus eine Präventionsveranstaltung im Bürgersaal der Stadt.

Falsche Polizisten an Telefon und Tür

Die Dreistigkeit kennt offenbar keine Grenzen. „Da rufen Täter an, und im Display des Telefons steht sogar die 110“, schildert Heller. „Die vermeintlichen Polizisten wollen überprüfen, wie viel Geld im Haus liegt. Oder sie behaupten, in der Gegend sei Falschgeld im Umlauf und sie müssten nachschauen, ob der Angerufene auch welches hat.“ Hinter den Lügen steht immer, irgendwie in die Wohnung des Betreffenden zu gelangen, um dort Bares oder Wertgegenstände zu stehlen. Entweder allein, häufiger aber mit einem Komplizen, der unbemerkt durch die Tür schlüpft.

Eingeladen war für die Aufklärungsveranstaltung Kriminalhauptmeisterin Nicole Salomon von der Außenstelle Grimma der Polizeidirektion Leipzig. Ihr Job beinhaltet, über Gefahren aufzuklären und Tipps zu geben, wie sie minimiert werden können. Zumeist ist sie in Schulen unterwegs, spricht dort mit Kindern, Eltern und Lehrern über Drogenprobleme. Sie berät aber auch kostenlos zu Trickbetrügereien und sogar individuell zum vorbeugenden Einbruchsschutz.

Unbekannte nicht hereinlassen

Ihr wichtigster Rat in Naunhof: Keine Unbekannten hereinlassen! Eine Distanzsperre sei das Nonplusultra, sie gebe es im Handel zum Nachrüsten zu kaufen. Durch die Kette lässt sich die Tür nur einen Spalt weit öffnen, niemand vermag sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. „So kann ich mich in Ruhe mit dem Fremden unterhalten und bin in meinen eigenen vier Wänden geschützt“, erläutert Salomon.

Ohne Gefahr bleibe Zeit, sich den Ausweis des Fremden zeigen zu lassen. „Aber auch selbst, wenn sich derjenige ausweisen kann, muss ich ihn nicht hereinlassen“, betont die Kriminalistin. Denn Dokumente könnten recht einfach gefälscht werden. Handwerker und Behördenvertreter würden sich vorher anmelden und stünden nicht unerwartet vor der Tür.

Täter suchen sich Senioren aus

Speziell Senioren, so Salomon, suchen Gauner auf, weil sie vertrauensselig, hilfsbereit, den ganzen Tag zu Hause und zumeist relativ gut situiert seien. „Sie lassen sich schnell einschüchtern, wenn jemand von einer Behörde, einer Versicherung oder der Kirche um Einlass bittet“, sagt die 50-Jährige. „Sollten sie sich weigern, die Tür zu öffnen, wird Druck aufgebaut, sie müssten beispielsweise zur Zentrale nach Magdeburg fahren, um bestimmte Formulare auszufüllen. Das erzeugt Angst, und manche geben nach, zumal alles in Sekundenschnelle abläuft“

Auch wenn fast alle vom sogenannten Enkeltrick erfahren haben, fallen immer wieder Senioren darauf rein. Fremde täuschen am Telefon vor, ein Verwandter, eine Urlaubsbekanntschaft oder ein ehemaliger Arbeitskollege zu sein, bauen im Gespräch Vertrauen auf und kommen dann zur Sache, nämlich dass sie Geld brauchen. Am Abholtag seien sie verhindert und müssten jemand anderes schicken. In Medien war schon oft die Rede davon. „Doch es ist ein Unterschied, so etwas im Fernsehen zu schauen oder selbst betroffen zu sein“, erklärt Salomon. „Deshalb ist es wichtig, am Telefon grundsätzlich keine persönlichen und finanziellen Aussagen zu treffen und niemand Fremdes Geld zu geben.“

Senioren stellen Anzeige bei Polizei

Wie leicht es ist, trotz aller Vorsicht hereinzufallen, gestehen zwei Besucherinnen der Aufklärungsveranstaltung. „Jemand klingelte bei mir und forderte die Stromrechnung zu sehen“, schildert Ilse Seifert (79). „Ich wollte sie ihm nicht zeigen, machte aber trotzdem die Tür auf und kriegte ihn dann nicht mehr los. Er fotografierte schließlich die Rechnung, auf der meine Kontonummer stand.“ Einen Handwerker ließ Christa Piasta (75) ins Haus, der die Dachrinne wechselte und, wie sie sagt, zu viel Geld verlangte. Beide Naunhoferinnen reagierten im Anschluss richtig und stellten umgehend Anzeige bei der Polizei.

„Wenn sich jemand unsicher fühlt, sollte er lieber einmal mehr als einmal zu wenig zu uns kommen“, ermuntert Kriminalhauptmeisterin Salomon. Direkte Ansprechpartner vor Ort seinen die beiden Bürgerpolizisten im Stadtgut am Marktplatz.

Thema geht alle Senioren an

Dass nur ein paar Handvoll Interessierte den Ausführungen lauschen, kommentieren manche Besucher mit Bedauern, denn das Thema geht aus ihrer Sicht deutlich mehr Senioren etwas an. Im Gepäck hat Salomon eine Reihe weiterer Ratschläge. „Handtaschen bitte nicht unbeaufsichtigt ablegen! In sie gehört nichts Wertvolles, denn manche Diebe sind so fingerfertig, dass sie sogar innen angebrachte Reißverschlüsse unbemerkt öffnen. Dokumente, Geld und Schlüssel sollten am Körper getragen werden. Das Portmonee hat im Einkaufswagen nichts zu suchen“, zählt sie auf. „Das alles sind Einladungen für Trickbetrüger. Durch das eigene Verhalten lässt sich das Risiko minimieren, Opfer einer Straftat zu werden.“

Einrichtungen, Vereine und Selbsthilfegruppen, die Interesse an ähnlichen Präventionsveranstaltungen haben, können sich an Nicole Salomon wenden. Erreichbar ist sie unter Telefon 03437/7 08 95 22 31.

Von Frank Pfeifer

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