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Grimma Fehler im System: Telekom schaltet Rentnerpaar aus Kleinbothen ab
Region Grimma Fehler im System: Telekom schaltet Rentnerpaar aus Kleinbothen ab
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05:00 29.09.2017
Rosmarie Angermann ist aufgebracht. Die Telekom hat ihren Festnetzanschluss nach einem eigenen Fehler abgeschaltet. Seit Tagen kann sie nicht telefonieren. Quelle: Frank Prenzel
Grimma/Kleinbothen

Seit über einer Woche sind Rosmarie und Roland Angermann von der Außenwelt praktisch abgekoppelt. Denn die Deutsche Telekom hat ihren Festnetzanschluss abgeschaltet, nach einer „typischen Falschberatung“, wie ihr Pressesprecher Georg von Wagner einräumt.

Das Rentnerpaar aus dem Grimmaer Ortsteil Kleinbothen lebt von einer sehr kleinen Rente, leistet sich beim Telefonieren neben dem Festnetz lediglich ein einfaches Handy für den Notfall, ohne Vertrag mit einer 20-Euro-Karte. „Die reicht sonst ein ganzes Jahr“, erzählt die 69-Jährige. Jetzt ist das Guthaben aufgebraucht. Dass sie nicht telefonieren können, bereitet beiden große Sorgen, denn der 74-Jährige ist an den Rollstuhl gefesselt, seit ihm im vorigen Jahr ein Bein amputiert werden musste. Der frühere Maurer hat oft Schmerzen, „und da müssen wir schnell die Ärztin anrufen“, berichtet seine Frau.

Mit dem, was passiert ist, ist das Paar eigentlich überfordert. Es geht um die Umstellung der Telekom vom analogen Netz auf digitale IP-Übertragungstechnik. Mitte August habe sie einen Anruf von einer Telekom-Mitarbeiterin erhalten, erzählt Rosmarie Angermann. Die Botschaft: Ihr Telefon werde auf digitale Technik umgestellt, es käme ein Monteur mit einem Router, danach könne sie via Internet telefonieren. Indes: Angermanns haben keinen Internetanschluss und wollen ihn in ihrem Alter auch gar nicht mehr. Das teilte die 69-Jährige auch am Telefon mit. Am 19. September stand dennoch der Monteur auf der Matte, zuvor hatte die Rentnerin den ihr zugesandten IP-fähigen Router in Großbothen abholen müssen. Indes musste der Monteur unverrichteter Dinge abziehen – da er ja keinen Internetzugang vorfand. Seitdem ist Angermanns Analogtelefon tot, da es für die vermeintliche Umstellung abgeschaltet worden war. Damit ist das Rentnerpaar auch nicht per Festnetz erreichbar, ein Nachbar habe sich schon Sorgen gemacht, erzählt die 69-Jährige, die einst bei der Reichsbahn arbeitete und sich nach der Wende mit verschiedenen Jobs über Wasser hielt.

Den „Kasten“ wollte Rosmarie Angermann dann im Telekom-Laden im Grimmaer Pep abgeben, wurde ihren Worten zufolge aber so unfreundlich behandelt, dass sie ihn via Post zurück schickte. Jetzt bangt sie mit ihrem pflegebedürftigen Mann, auch noch eine Rechnung für alles zu bekommen. Mit ihrem Handy kontaktierte sie in ihrer Not eine Telekom-Servicenummer. Die Auskunft: Das Zurückschalten könne sich bis Ende des Monats hinziehen. „Ich möchte, dass es anderen nicht auch so ergeht“, wandte sich Rosmarie Angermann warnend und hilfesuchend an die LVZ. Das ganze Vorgehen sei eine „bodenlose Frechheit“, empört sie sich. Zumal der Festnetzanschluss 35 Euro im Monat koste.

Telekom-Pressesprecher von Wagner nahm sich nach dem LVZ-Anruf der Sache umgehend an. „Wir sind mit der Familie im Kontakt“, er gehe davon aus, dass das Telefon Ende dieser, Anfang nächster Woche wieder funktioniert. Zudem erhalte das Paar eine Gutschrift für die Ausfallzeit. Von Wagner spricht von einer Beratung, die „völlig überflüssig“ war. Wer nur telefoniert, brauche keinen Router. Er werde eines Tages auf die IP-Technik umgestellt, ohne das zu merken. Abhängig sei der Zeitpunkt vom Vertrag, die Umstellung erfolge nicht ortsbezogen.

Allerdings waren Angermanns schon auf den vermeintlichen Router aufgeschaltet. Es sei „relativ kompliziert“ und „technologisch anspruchsvoll“, das wieder rückgängig zu machen, erklärt von Wagner. Ein Mitarbeiter müsse im Verteiler die Familie zurück schalten. „Da muss also jemand Hand anlegen“, so der Pressesprecher.

Von Frank Prenzel

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