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Grimma Feine Masche - Colditzer Strickclub umgarnt Laternenmasten
Region Grimma Feine Masche - Colditzer Strickclub umgarnt Laternenmasten
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14:12 19.05.2015
Mit Begeisterung bei der Sache: Der Colditzer Strickclub auf dem Markt, im Hintergrund die rot-weiß verzierten Laternenmasten. Quelle: Andreas Doering

Wer gegenwärtig über den Markt läuft, kann die vier Laternenmasten an der Platane kaum übersehen, die jetzt in den städtischen Farben rot und weiß leuchten. Der Colditzer Strickclub steckt hinter dieser pfiffigen Idee, die ein wenig mehr Farbe ins Zentrum bringen soll. "Unser Geschenk für das Jubiläum", sagt dessen Leiterin Christine Schülert (70).

Ihre Gruppe zeigt Sinn für Humor; wer sich zu lange bei ihr aufhält, läuft Gefahr, umgarnt zu werden. "Sie können sich gleich ein paar Nadeln nehmen und mitmachen", heißt es aus der Runde, als der Reporter eintrifft. Das wäre nun doch zu schade um die schöne Wolle, die vergeudet würde. Wenngleich durchaus auch Männer ein Fingerchen fürs Stricken haben können.

Martin Baumgart beispielsweise, der Hahn im Korb der 18 Frauen. Mit seinen 79 Lenzen steht er früh auf und setzt sich als erstes an seine Stickmaschine. Das Hobby ist für ihn mittlerweile zur Sucht geworden. Farbenprächtig sind die kleinen Deko-Schmetterlinge, praktisch hingegen die Lehnen und Sitzflächen von Stühlen, die er fertigt. "Zu Hause kann bei ihm übers Stricken geredet werden", merkt Ramona Börner mit einem Lächeln. "Beneidenswert. Das geht mit unseren Männern nicht."

Ein Zufall war es, wie der Senior zu Nadel und Faden fand. "Katja Wasner und Isolde Dennerlein hatten ursprünglich in ihrem Kurzwarengeschäft dazu aufgerufen, in der Freizeit Socken zu stricken", erklärt Gisela Zander. Am 15. November 2006 kamen die ersten acht Frauen dort zusammen. Später zog der Club ins Türen- und Fensterwerk um, wo Baumgart mit seiner Lebenspartnerin Veronika Rolletschka wohnte, die dem Club angehörte. "Sie fragte mich das eine Mal, ob ich Nadeln anspitzen könnte, ein anderes Mal, ob ich Scheren schleifen oder die Strickmaschine reparieren würde." Irgendwann reizte es Baumgart, sich selbst auszuprobieren, das Fieber sprang zu ihm über.

Inzwischen ist auch das alte Fensterwerk Geschichte, es zog nach der Flut von 2013 an den sicheren Stadtrand um. Der Strickclub trifft sich seitdem in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt, jeden Montagnachmittag. Der Enthusiasmus blieb. "Stricken macht süchtig. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht die Nadeln in die Hand nehme", sagt Ramona Börner. Und Christine Schülert meint: "Wolle ist für uns Leidenschaft."

Eine Leidenschaft auch für den guten Zweck. Allein in diesem Jahr übergab der Club schon 175 Paar Babyschuhe und -söckchen an das Leipziger Familieninformationsbüro, an die Volkssolidarität Borna und an Colditzer Neugeborene. Woll-Spenden nimmt die Gruppe deshalb gerne an, egal ob in der Awo oder bei kleinen und großen Veranstaltungen in und um Colditz, auf denen sie öffentlich strickt. Zum Tag der Sachsen in Wurzen wird sie auch vertreten sein.

Garn mag die Strickenden und Häkelnden thematisch zusammenführen, doch ohne die Geselligkeit würde es wohl reißen. "Uns ist es wichtig, auch miteinander zu quatschen", gesteht Christine Schülert. "Über neue Aktionen, über das, was in Colditz passiert, und eben auch über die 750-Jahrfeier." So entstand die Idee, die Laternenmasten auf dem Markt zu verzieren. Mit der Engel-Apotheke gestalteten die Strickerinnen die vier Schaufenster des Geschäfts unter anderem mit Baby-Garnituren, Taufkleidchen und österlichen Accessoires. Nicht zuletzt stellten sie lustige Sparstrümpfe ins Schaufenster der ehemaligen Drogerie an der Badergasse, kombiniert mit einer Malerei von Rolf Heinicke, der Colditz als Klein-Venedig verewigte. So ist die Stadt ein bissel schöner, wenn sie ihre Gäste zum Jubiläum empfängt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2015
Pfeifer, Frank

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