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Grimma Fernzüge rollen über Bad Lausick
Region Grimma Fernzüge rollen über Bad Lausick
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17:20 19.05.2015
Gerhard Gey Quelle: Guenther Hunger

So lautet die Vorentscheidung von sächsischem Wirtschaftsministerium und Deutscher Bahn AG. Rund 40 Kilometer Strecke müssten dafür neu unter den Fahrdraht kommen. Der Regional-Express führe nur noch zweistündlich - im Wechsel mit Fernzügen.

"Die Elektrifizierung stellt eine Ergänzung des bisherigen Streckenausbaus dar", sagte Kathleen Brühl, Referentin im sächsischen Wirtschaftsministerium, der LVZ. Sie sei Voraussetzung dafür, dass Fernzüge, die bisher in Leipzig endeten, bis Chemnitz weiterrollen könnten. Darüber hinaus ermögliche der Fahrdraht den Einsatz moderner, elektrisch angetriebener Fahrzeuge. Deshalb hätten sich das Ministerium und die Deutsche Bahn AG "aus fachlichen Gründen einvernehmlich" dafür entschieden, für die Route über Bad Lausick - und nicht die über Borna - eine Vorplanung zu erarbeiten. "Diese Linienführung ist einerseits deutlich schneller als die über Borna. Andererseits ermöglicht sie ein fahrgastfreundliches Umsteigen zu den übrigen Fernverkehrslinien im Leipziger Hauptbahnhof", informierte Brühl.

"Eine gute Bahnanbindung ist wesentlich für unser Heilbad. Wenn künftig auch Fernzüge in Bad Lausick hielten, wäre das sogar noch eine Aufwertung", zeigte sich Henry Heibutzki, der Geschäftsführer der Kur GmbH, mit den Plänen durchaus zufrieden. Für die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) ist dagegen klar, dass bei dieser Variante die Kreisstadt ins Hintertreffen geriete. "Wirtschaftsminister Morlok im fernen Dresden vergisst bei seinen Plänen, dass zwischen Bad Lausick und Borna keine Bahnanbindung besteht", grollte sie. Bei der Kreisfusion 2008 hatte der damalige Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) noch genau gewusst, dass nur Borna als Kreisstadt den Nabel des Landkreises bilden kann. Ihn dürften die jetzigen Pläne sehr irritieren.

Wie teuer die Elektrifizierung der Trasse über Bad Lausick wird, ist offen. Ebenso, in welchem Jahr der Fahrdraht installiert werden soll und die Züge unter Strom rollen können. Eine Vorplanung einschließlich Kostenschätzung für das Ausbauvorhaben soll im Sommer 2014 vorliegen. Bekannt ist, was die Komplett-Erneuerung der Strecke Leipzig-Bad Lausick-Geithain kostete, die 2003/04 unter Vollsperrung erfolgte: rund 85 Millionen Euro. Zwar wurde eine angekündigte Reduzierung der Reisezeit auf 53 Minuten zwischen Leipzig und Chemnitz bis heute nicht erreicht, doch ist diese Millionen-Investition Verpflichtung, diese Trasse auch künftig intensiv zu nutzen - selbst wenn jetzt noch einmal Millionen Euro für rund 40 Kilometer Fahrdraht bis Geithain aufgewendet werden müssen. Die Ausdehnung des im Dezember in Betrieb gehenden Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes über Borna und Geithain bis Chemnitz sei "nicht durchgefallen", erklärte Referentin Kathleen Brühl. Über Quantität und Qualität des Nahverkehrsangebotes entschieden allein die zuständigen Zweckverbände. Landrat Gerhard Gey (CDU), auch Vorsitzender des Zweckverbandes für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), war von der Nachricht in der LVZ überrascht worden. Seine Enttäuschung sitzt tief, wie die Entscheidung für den Ausbau der Strecke von Leipzig nach Chemnitz über Bad Lausick gefallen ist. "Weder ZVNL noch das Landratsamt waren in die Entscheidung eingebunden", kritisiert er. Das sei ein Affront gegenüber der Region, die für die Organisation des Nahverkehrs mit zuständig ist, richtet er deutliche Worte an die schwarz-gelbe Koalition in Dresden. Solche Entscheidungen sollten mit den regionalen Akteuren, mit den Fachgremien vor Ort, getroffen werden. Sie könnten die Erfordernisse besser einschätzen als die Vertreter am grünen Tisch. "Ich bedauere, dass man so mit der Region verfährt."

Bis Dezember sei der ZVNL noch in die Variantendiskussion einbezogen gewesen, danach aber nicht mehr informiert worden, sagt Gey und fühlt sich nun vor vollendete Tatsachen gestellt. Denn Verband wie Landkreis favorisieren den Ausbau der Strecke über die Kreisstadt Borna. "Bahnstrecken sollten dort entlang führen, wo Ballungsräume sind", nennt Gey einen Grund. Er hat nicht den Eindruck, dass regional- und raumplanerische Gründe berücksichtigt wurden. "Es mag vielleicht gute Gründe für Bad Lausick geben, aber wir kennen sie nicht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.04.2013

Ekkehard Schulreich u.a.

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