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Festival der Reformation - Staubfreie Geschichtsstunde mit viel Humor bildet Auftakt

Festival der Reformation - Staubfreie Geschichtsstunde mit viel Humor bildet Auftakt

"Dem Volke aufs Maul schauen" oder "Was rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket"-Luther-Zitate, die gestern beim Auftakt des 12. Festivals der Reformation in Grimma nicht fehlen durften.

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Theaterstück Play Luther: Lukas Ullrich (l.) und Till Florian Beyerbach spielen szenische Momente aus Luthers Leben nach.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. "Luther ist eine vielseitige Figur, der die Welt verändert hat und auch den Grundstein für das Gymnasium St. Augustin in Grimma gelegt hat", würdigt Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) den Reformator. "In der Erinnerung an das 500-jährige Jubiläum der Einführung der Reformation in Deutschland und Europa bietet Grimma in diesem Jahr die Möglichkeit, sich auf verschiedenste Weise und oft sehr unterhaltsam mit dem Thema auseinanderzusetzen", äußert sich die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange. Sie sei sich sicher, dass die Besucher die Erfahrung machen werden, dass ein wichtiges historisches Ereignis auch Anlass für Fröhlichkeit, Freude und spielerischen Umgang mit den großen Fragen des Lebens sein kann. Letzteres gelang schon gestern gegen 8 Uhr zwei Schauspielern in der Aula des Gymnasiums St. Augustin. Kein Platz blieb frei. Vielmehr mussten einige Schüler der Oberschulen Grimma und Böhlen auf dem Fußboden sitzen, da die Stühle nicht reichten. Doch die zwei Schauspieler des musikalischen Theaterstückes "Play Luther", Lukas Ullrich (35) und Till Florian Beyerbach (34) meisterten gemeinsam mit den Lehrern die Situation, und das 90-minütige Spiel über das Leben und Werk Martin Luthers konnte beginnen. Während der abwechslungsreichen und unterhaltsamen Moderation über die Evangelische und Katholische Kirche unter mittelalterlichen und gegenwärtigen Aspekten hörten die Jugendlichen noch interessiert zu. Doch in der zweiten Hälfte des Theaterstückes ließ die Aufmerksamkeit merklich nach, obwohl die Schauspieler mit unterschiedlichen Ebenen immer wieder Spannung erzeugten. Denn neben dem Spiel bauten die Mitglieder des Theaters "Eure Formation" eine musikalische Brücke mit ausgewählten Lutherliedern, die sie in unterschiedlichen Stilrichtungen - Elektropop, Ragga oder als Volkslied vertont vortrugen. Kreativität zeigte der Autor und Dramaturg des Stückes, Uwe Hoppe, beim Bühnenbild, das aus Dreiecken bestand und die Dreifaltigkeit symbolisierte. "Wir waren auf der Suche nach einem spannenden Thema, das in der Vergangenheit wurzelt und die Welt nachhaltig verändert hat", erzählt Till Florian Beyerbach, wie sie auf Luther kamen. "Wir beschäftigten uns als Schauspieler mit Goethe und Schiller an Theatern, aber wer weiß, dass die eigentliche Wurzel, der Erfinder der allgemeinen deutschen Sprache Martin Luther war", fügt er hinzu. Das war für Lia Daum (14) und Sophie Biegel (13) von der Oberschule Grimma kein Neuland, da sie sich mit Luther im Unterricht befasst hatten. "Ich war beim Osterspektakel im Kloster Nimbschen", sagt die 13-Jährige. Dort hätte sie von der Flucht von Katharina von Bora gehört. Die Mittelschüler wirken auch beim Festival der Reformation mit. So standen sie am Nachmittag an der Station Baderplan. "Mit Hilfe von GPS können Besucher Stationen in Grimma ablaufen und sich über die Stadtgeschichte informieren", erzählt Lia Daum. Besonders gefielen Tessi Wirth (15) von der Oberschule Grimma die musikalischen Einlagen im Theaterstück, als das E-Schlagzeug und das E-Piano auf die 500 Jahre alte Sprache Luthers trafen. "Wir freuen uns, dass das Stück noch heute (15 Uhr) und morgen (14 Uhr) im Rathaussaal zu sehen ist", wirbt der Organisator des Festivals, Thorsten Bolte, für die staubfreie Geschichtsstunde mit Humor, die jedoch auch anspruchsvoll ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.08.2015
Cornelia Braun

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