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Festsaal des Schlosses Trebsen entfaltet neue Pracht in atemberaubendem Tempo

Sanierung Festsaal des Schlosses Trebsen entfaltet neue Pracht in atemberaubendem Tempo

Atemberaubend schnell verwandelt sich momentan der Festsaal des Schlosses Trebsen in ein Schmuckstück. Verschwunden die alten Ziegelwände, an denen nur noch Reste des ursprünglichen Putzes hafteten. Der Fußboden erhält neue Fliesen. Rittmeister Georg von Zimmermann würde Augen machen.

Damit der Staub im Freien bleibt: Maik Reiche (r.) und Kai Wagner von der Trebsener Restaurierungsfirma Bernd Bubnick schneiden die Bodenfliesen für den Festsaal draußen vorm Schloss zu.

Quelle: Thomas Kube

Trebsen. Atemberaubend schnell verwandelt sich momentan der Festsaal des Schlosses Trebsen in ein Schmuckstück. Verschwunden die alten Ziegelwände, an denen nur noch Reste des ursprünglichen Putzes hafteten. Der Fußboden erhält neue Fliesen. Rittmeister Georg von Zimmermann, so er noch unter den Lebenden weilte, würde Augen machen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, da trug er hinterm Namen schon das Kürzel a. D., also außer Dienst, war er der letzte private Eigentümer des Schlosses und konnte sich dessen Unterhalt längst nicht mehr leisten. Das Ensemble an der Mulde machte einen heruntergekommenen Eindruck. Kein Mensch kann sagen, wann die letzte Party im Festsaal lief, der das Obergeschoss des Westflügels einnimmt.

Als Großgrundbesitzer wurde der Rittmeister nach der Zeitenwende enteignet, wofür er in Westdeutschland eine Entschädigung erhielt; das Schloss fiel in die Hände der Stadt Trebsen. Bürgermeister Paul Bleyer entschied 1946, die marode Decke des Festsaals abzureißen. Das dabei anfallende Material ließ er verwenden, um das Dach des Ostflügels zu stabilisieren. Dort wie auch im Südflügel kamen daraufhin 16 Flüchtlingsfamilien aus Schlesien und Ostpreußen unter.

Ein paar Handbreit über dem Fußboden des Festsaals wurde eine Zwischendecke eingezogen, um das Erdgeschoss zu sichern, in dem unter anderem Feuerwehr und Volkssolidarität ihre Heimat fanden. Erst mit der nächsten Zeitenwende im Jahre 1989 sollte sich wieder alles ändern.

Der ins Leben gerufene Förderverein des benachbarten Ritterguts akquirierte staatliche Gelder, mit denen neue Dächer auf den West- und Nordflügel gesetzt wurden. Das Schloss erhielt einen gläsernen Giebel, der Festsaal einen Betonboden mit Fußbodenheizung und eine Betondecke. 18 Jahr lang bildete der Verein dort Stuckateure aus. Später nutzte der Trebsener Kindergarten interimsweise die Räumlichkeit, bis Jochen Rockstroh das Schloss 2009 per Erbpacht für 99 Jahre von der Stadt übernahm.

Seitdem bringt er es Schritt für Schritt auf Vordermann. Neben der Außensanierung entstanden unter anderem eine urige Kapelle sowie ein Damen- und ein Herrenzimmer. Nun also ist der Festsaal an der Reihe, dessen Wände noch vor wenigen Wochen im Wesentlichen aus rohen Back- und Natursteinen bestanden.

Eiltempo

Eiltempo: So hatte der Festsaal noch im April ausgesehen.

Quelle: Thomas Kube

„Wir haben einen historisch nachempfundenen Kellenputz aufgebracht“, erklärt der 56-jährige Schlossherr. „Das heißt, er ist nicht perfekt glatt, sondern weißt Unebenheiten auf.“ Die Denkmalbehörde hatte darauf gedrungen, einen Zustand herstellen, wie er um 1500 gang und gäbe in solchen Sälen war.

Das betrifft auch den Fußboden. Es durfte kein barocker aus Holz sein, sondern die in der Renaissance üblichen Tonfliesen mussten her. Allein 35 000 Euro bezahlte Rockstroh aus seiner Tasche, um sie in der Lommatzscher Ziegelei Huber nach altem Vorbild fertigen zu lassen. Dreiviertel der vier- und sechseckigen Stücke sind verlegt und lassen erahnen, welche Pracht der Saal ausstrahlen wird.

In einem Monat will ihn Rockstroh bespielbar haben. Bis zur endgültigen Fertigstellung wird nach seinen Worten wohl ein weiterer Monat vergehen. „Mein Schmied Jacob Wendt baut noch eine Bar und einen Windfang, außerdem die Lampen für Decken und Nischen sowie die Kronleuchter. Und es kommen Türen mit schmiedeeisernen Beschlägen von ihm rein“, kündigt Rockstroh an.

Über die Summen, die er investiert, schweigt er sich aus. Nur soviel: „Die Erfüllung der Brandschutzauflagen kostet viel mehr.“ Am Treppenaufgang zum Saal muss er ein Rollo aus Spezialmaterial anbringen, das rauchdicht schließt und kein Feuer in den Saal übergreifen lässt. Als Fluchtwege schuf er eine Außentreppe und eine im Inneren des Gebäudes, was einen massiven Eingriff in die alte Substanz bedeutete – alles abgesichert durch zwölf Brandschutztüren. Gewaltige Kabelstränge liegen im aufgehackten Putz und versorgen unter anderem die Notbeleuchtung vom Festsaal zum Innenhof und von dort weiter vors Schloss.

„Besucher, die hier ihr Geld für Eintrittspreise und einen Kaffee lassen, können sicher sein, dass sie die Restaurierung und damit den Erhalt eines wichtigen Kulturguts des Muldentals fördern“, betont Rockstroh. „Alle Einnahmen refinanziere ich hier. Dabei weiß ich, dass ich jeden Euro, den ich reinstecke, in meinem Leben nicht wiedersehe. Damit sich das Schloss überhaupt rechnet, brauche ich sowieso erst die Hotelzimmer.“ 25 barocke Räume, die zurzeit leerstehen, will er entsprechend ausbauen.

Von Frank Pfeifer

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