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Feuerwerk treibt Störche in die Flucht

Feuerwerk treibt Störche in die Flucht


Muldental. Tage und Nächte hatte die Störchin dem nasskalten Wetter getrotzt und die kostbaren Eier beschützt.

. Doch dann wurden die Störche in der Dunkelheit derart aufgeschreckt, dass sie in Panik den Horst verließen. Die Eier kühlten aus, die Brut war verloren. Mit diesen Worten schilderte Uwe Seidel aus Großbothen das Schicksal des Storchenpaares in Sermuth. Und er nannte auch die Ursache: Ein Feuerwerk hatte die streng geschützten Vögel in die Flucht getrieben.

Der Vorfall ist den Behörden bekannt. Seidel und weiteren LVZ-Lesern war eine Böllerei in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai aufgefallen. Die Raketen seien den Störchen fast ins Nest geflogen, hieß es in einer Zuschrift. Die Gemeinde Großbothen gehe zudem zwei weiteren Feuerwerken nach, die am 5. Juni gezündet wurden, erklärte Helga Ickert vom Ordnungsamt des Landkreises auf Nachfrage. Alle seien illegal gewesen. „Es werden leider immer mehr", sagt sie, Kritik komme aus vielen Orten des Kreises. Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger hat sich inzwischen schon an Landtagsparteien gewandt. „Dabei gibt es offiziell in Deutschland außer zu Silvester gar nichts zu kaufen", so Ickert.

Im Fall Sermuth recherchiert jetzt das Umweltamt des Landkreises, sucht nach dem Verursacher. Dem droht mindestens die Ahndung einer Ordnungswidrigkeit, gegebenenfalls kann das Amt auch die Einleitung eines Strafverfahrens beantragen. Doch die Suche nach den Tätern fällt meist schwer. Die Behörden seien auf brauchbare Zeugenaussagen angewiesen, sagt Ickert. „Bei uns gibt es den Willen, diese Dinge zu ahnden. Es kann schließlich nicht jeder machen, was er will." Doch ohne Unterstützung aufmerksamer Bürger gehe es nicht.

Das illegale Zündeln in Sermuth ist besonders verwerflich, gilt doch der Weißstorch als stark gefährdet. Jede Brut ist wichtig für den Erhalt der Art, in ganz Sachsen existieren nach Auskunft des Landratsamtes nur noch etwa 440 Horstpaare. Und Sermuth ist kein Einzelfall. Auch im Vorjahr wurde ein Horst mit Jungvögeln von den Altvögeln verlassen, weil in unmittelbarer Nähe ein Feuerwerk stattfand, teilte die Pressestelle des Landkreises mit. Zurückgekehrt sei lediglich ein Altstorch, der Nachwuchs fiel Greifvögeln zum Opfer.

Laut Gesetz ist der Einsatz von Pyrotechnik nicht verboten, zu Hochzeiten darf geböllert werden. Allerdings ist er anzeigepflichtig. Kleinstfeuerwerke, die auch von Laien gezündet werden dürfen, analog zu Silvesterböl-

lern und Raketen, müssen bei Stadt- oder Gemeindeverwaltung angemeldet werden. Gewerbliche Feuerwerker müssen ihre Aktionen mindestens zwei Wochen vorher beim Ordnungsamt des Landkreises anzeigen. Und sogar vier Wochen vorher, wenn das Umfeld besonders sensibel ist. Die Angaben gehen weiter ans Umweltamt, in dem dann geprüft wird, ob an dem geplanten Standort geschützte Tierarten zu finden sind. Ist das der Fall, sind Maßnahmen von Einschränkung der eingesetzten Pyrotechnik über Standortverlegung bis hin zu Verbot möglich.

Doch das gilt nur für legale Feuerwerke. Und bei illegaler Knallerei folgen die Strafen – wenn überhaupt – erst dann, wenn der Schaden nicht mehr reparabel ist. „Jammerschade, dass es aus lauter Spaß an Knallerei in Sermuth und auch anderen Orten zu vermeidbaren Brutausfällen gekommen ist", schrieb Seidel. Er sieht auch für andere Horste im Muldental Gefahren: „Bis zum erfolgreichen Ausfliegen stehen noch bange Wochen bevor. Ich denke nur an die Fußball-WM, wo sogar nach dem Spiel England gegen USA in unserem kleinen Dorf mindestens zwei nächtliche Feuerwerke zu vernehmen waren."

Heinrich Lillie

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