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Feuerzangenbowle mit Zeitsprüchen im Naunhofer Turmuhrenmuseum

Feuerzangenbowle mit Zeitsprüchen im Naunhofer Turmuhrenmuseum

Geheimnisvoll lodert die Flamme der Feuerzangenbowle, geheimnisvoll gibt sich Peter Schnabel, wird er nach dem Rezept für seine aromatische Mischung gefragt.Darüber lässt sich im Schein der Feuerzangenbowle trefflich sinnieren und philosophieren – zudem könnte auch das Wetter kaum besser zum Getränk passen: Drinnen ist es warm und gemütlich, draußen kalt und glatt.

Naunhof. und philosophieren – zudem könnte auch das Wetter kaum besser zum Getränk passen: Drinnen ist es warm und gemütlich, draußen kalt und glatt. Der Zeremonienmeister übergießt noch einmal den Zuckerhut und hält dann bedeutungsvoll eine Sanduhr in die Höhe. Ist sie nicht ein Symbol für das Vergehen der Zeit, fragen sich einige Besucher. Andere interessiert eher, ob sie halbvoll oder halbleer ist. Doch zum Glück lässt sich das Gefäß drehen und wenden – ganz wie man will. Was sich mit der Zeit nicht so einfach machen lässt, wer wüsste das besser als die beiden Naunhofer Zeitforscher Gisela Lüttke-Buddrus und Dietrich Lüttke.

Wie schon all die Jahre zuvor haben der Techniker und die Psychologin Sprüche zum wohl unerschöpflichen Thema gesammelt. „Es gibt Kalender und Uhren, um die Zeit zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen, mitunter aber auch wie ein Augenblick vergehen kann – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen“, schreibt Michael Ende in seinem beliebten Buch Momo.

Zeit ist eine physikalische Größe, sagt der Naturwissenschaftler. Und Albert Einstein meinte: „Unser subjektives Empfinden, zwei Ereignisse, die Prädikate vorher und nachher zuzuordnen, ist die Grundlage unserer Fähigkeit, den Begriff Zeit zu definieren.“ Doch wie gelang es, die Zeit sichtbar zu machen, um sie schließlich zu messen? Früh habe man damit begonnen, weiß Lüttke und erinnert an die Sonnenuhren, die Bewegungen des Sternenhimmels, die Zählungen der Tage, mit Sonnenauf- und untergang, nennt Räder-, astronomische Großuhren oder die zahlreichen Wunderwerke der Uhrmacherkunst, wie man viele von ihnen im Naunhofer Turmuhrenmuseum bestaunen kann. Schließlich beschreibt der Experte das Ringen um ein einheitliche Zeit, welches durch die schnellen Verkehrsmittel, wie etwa die Eisenbahn, immer dringlicher wurde. Bekanntlich wurde das Problem gelöst und mittlerweile gibt es schon über ein halbes Jahrhundert die Atomuhren. Sind damit alle Rätsel über die Zeit gelöst? Natürlich nicht, ahnen die Besucher und die beiden „Zeitwissenschaftler“ sprechen nur einige Phänomene an: die Umkehrbarkeit der Zeit, Reisen in die Zukunft und Vergangenheit – sie sind und bleiben wohl rästelhaft. Zeitreisen sind nur in der Literatur – und unserere Fantasie möglich. Doch Zeit wird zum Glück auch subjektiv erfahren: „Sie hat immer eine Richtung, wir können die selbe Situation nicht zweimal erleben“, macht die Psychologin deutlich. Ein Augenblick sei bereits Vergangenheit, wenn wir ihn registriert haben. Unser Hirn verarbeitet gerade mal drei Sekunden Gegenwart, der Rest ist Vergangenheit oder Zukunft. Daher sollten wir uns folgenden Rat annehmen: „Genieß den Augenblick – er war gerade noch deine Zukunft.“

Ingrid Hildebrandt

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