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Fische als Vogelfutter

Fische als Vogelfutter

Die Idylle rund um die Teiche bei Kleinbeucha trügt. Denn den Herren dieser Teichlandschaft, Fischer Udo Wolf, der neben den Gewässern vor seiner Haustür auch die Rohrbacher Teiche bewirtschaftet, drücken finanzielle Sorgen.

Kleinbeucha. Rückblick. 2007 reagiert die sächsische Politik auf die starke Vermehrung des Kormorans und gibt den Vogel auch im Zeitraum zwischen April und August zum Abschuss frei. Udo Wolf kommt mit der Verordnung im Vorjahr wirtschaftlich gut über die Runden, ja das Landratsamt bescheinigt ihm sogar, dass an seinen Gewässern trotz des Schießens Rekordzahlen bei so genannten „wertgebenden Vogelarten“ wie der Schwarzkopfmöwe registriert wurden. Im Vertrauen auf die Gültigkeit der politischen Rahmenbedingungen setzt der Fischer Ende März Satzfische im Wert von rund 5000 Euro unter anderem in Rohrbach aus – und erhält keine zwei Wochen später vom Landratsamt eine Versagung hinsichtlich seiner Schießgenehmigung, weil in Rohrbach ein Seeadler-Pärchen nisten würde.

„Abgesehen davon, dass die beiden Tiere nicht direkt am See brüten, wusste ich von ihrer Existenz auch schon Anfang März“, so Wolf, der in Widerspruch gegen die Versagung ging, stellen doch für ihn die Rohrbacher Teiche ein wichtiges unternehmerisches Standbein dar. Während jedoch der Widerspruch unbearbeitet im Rechtsamt liegt, plündert der Kormoran in Rohrbach rund 80 Prozent des Fischbesatzes und hinterlässt hier und an den Eschefelder Teichen bei Frohburg einen Gesamtschaden von rund 35 000 Euro.

Von einem 100-prozentigen Schadensausgleich, wie er etwa Schäfern in der Lausitz zugestanden wird, deren Tiere vom Wolf gerissen werden, kann der Kleinbeuchaer Fischer nur träumen. Die Härteregelung für seinen Fall sieht eine maximal 60-prozentige Kompensierung der Schäden vor, und dies zu Preisen, die bei gut 50 Prozent des Marktpreises liegen. „Außerdem ist dies eine Kann-Bestimmung, die abhängig von der Haushaltslage des Freistaates ist“, sieht Wolf seine Chancen im Zeitalter der Weltwirtschaftskrise realistisch.

Da es für den Kleinunternehmer mit drei Vollzeit- und einer Halbtagsstelle jedoch wirtschaftlich weiter gehen muss, änderte er seine Pläne für 2010 dahingehend, in den Teichen entsprechend „guter fachlicher Praxis“ im Frühjahr so genannte K0-Karpfenbrut einzusetzen, die für den Kormoran erst zu einem Zeitpunkt eine interessante Beute werden, wenn ab August Abschüsse wieder ungehindert möglich sein würden. Allein das Landratsamt untersagte ihm auch dies und legte ihm zur Begründung eine Behandlungsrichtlinie auf der Basis eines Beschlusses des Rates des Bezirkes Leipzig aus dem Jahr 1976 vor. Fischer Udo Wolf versteht die Welt nicht mehr und fühlt sich von der Behörde im Stich gelassen. „Ich habe den Eindruck, dass meine Fische zu nicht viel mehr als zu Vogelfutter taugen. Dass mit der Fischzucht jedoch auch Arbeitsplätze und in der Konsequenz eine Existenz verbunden ist, scheint in den Amtsstuben niemanden zu interessieren.“

Offensichtlich doch. „Landrat Gey hat Mitte November ein Schreiben an den sächsischen Landwirtschaftsminister abgeschickt, in dem er diesen noch einmal eindringlich auf die Probleme der Fischzucht mit dem Kormoran hinweist und um Unterstützung bittet“, so Umweltamtsleiter Lutz Bergmann. Seine Behörde sei sich zum einen durchaus bewusst, dass das Abschießen keine Lösung darstelle, da man die Vögel lediglich von Teich zu Teich jage. Zum anderen wisse man um den maßgeblichen Anteil der Fischzucht an der Ansiedlung vieler Vogelarten an den relevanten Teichen. „Abgesehen davon sind Herrn Wolfs Pläne für 2010 noch nic ht negativ beschieden, sondern werden noch geprüft“, so Bergmann.

Roger Dietze

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