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Grimma Fluch oder Segen? Moderne Landwirtschaft in Machern kritisch debattiert
Region Grimma Fluch oder Segen? Moderne Landwirtschaft in Machern kritisch debattiert
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12:44 22.06.2016
Nahaufnahme eines Gerstenfeldes mit einzelnen Mondblumen am Pleißeradweg bei Regis-Breitingen. Quelle: Udo Zagrodnik
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Machern

Wird für eine ertragreiche Landwirtschaft die Vielfalt der Tierwelt geopfert? Wird es überhaupt möglich sein, angesichts der explodierenden Bevölkerungszahlen weltweit einigermaßen ausreichende Nahrungsmittel zu erzeugen? Und ist jeder Aufreger im Bereich Lebensmittel gleich ein Skandal? Um derlei Fragen drehte sich eine Diskussion, zu der die Macherner CDU ins Schloss eingeladen hatte. Mit Klaus Puttkammer sprach ein Vertriebsberater der Firma Bayer – dem Pharma- und Pflanzenschutzkonzern aus Leverkusen – zum Thema. „Verfahren der modernen Landwirtschaft werden in der öffentlichen Diskussion mitunter sehr kritisch wahrgenommen“, hatte CDU-Ortsvorsitzende Petra Puttkammer eingangs der rund anderthalbstündigen Runde erklärt. „Wir wollen den Versuch unternehmen, die Debatte zu versachlichen.

Wenige Themen sind emotional so besetzt wie das rund um die Landwirtschaft und die Ernährung. „Viele verwechseln Landwirtschaft mit idyllischen Bildern der Feldarbeit in früheren Jahrhunderten“, so der Macherner Klaus Puttkammer. „Heute ist Landwirtschaft aber ein hartes Geschäft. Träumereien zwischen Pippi Langstrumpf und Ponyhof entsprechen leider nicht der Realität.“ Vielmehr müssten sich die Landwirte immer wieder neuen Herausforderungen stellen, um überhaupt bestehen zu können. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln würde dabei nicht unkontrolliert oder übermäßig erfolgen. „Die Landwirte überlegen sich sehr genau, wann sie einschreiten“, berichtete er aus seiner täglichen Praxis.

Die Kernaufgabe der Landwirtschaft sei nach wie vor die Produktion von Nahrungsmitteln in ausreichender Menge mit hoher Qualität, verdeutlichte der Agraringenieur. Nur durch Ertragssteigerung werde man global in der Lage sein, voraussichtlich zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050 zu ernähren. Da die Ackerflächen nicht mehr werden, führe der Weg auch über eine wirksame Bekämpfung von Schadinsekten und Pflanzenkrankheiten. „Die Regulierung von Pflanzenschutzmitteln in Europa gehört dabei zu den strengsten Zulassungsverfahren, die man sich überhaupt vorstellen kann. Es gibt Verfahren, da füllen die nötigen Unterlagen, die zur Prüfbehörde gefahren werden, einen ganzen Lkw.“ Um überhaupt ein neues Mittel auf den Markt zu bringen, seien zehn Jahre Forschung und Aufwendungen von 200 Millionen Euro nötig. „Für ein einziges Produkt wohlgemerkt.“ Von 100.000 Substanzen werde am Ende im Durchschnitt nur eine marktfähig.

Redner, die auf die Dezimierung der Artenvielfalt um den Preis hoher Erträge hinwiesen, beschwichtigte CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf in der Diskussion. „Die Bergbaufolgelandschaften sind das beste Beispiel, dass sich die Natur auch selbst hilft.“ Wolfgang Vogel, Präsident des Sächsischen Bauernverbandes, warf zudem in die Debatte, dass Landwirte oft zu Unrecht die Prügelknaben sind. „Wir haben zum Beispiel mehr Waschbären als je zuvor, und auch die Marderhunde nehmen zu. Die – nicht die Bauern – machen das gesamte Niederwild kaputt.“

Vogel erklärte zudem, dass die Landwirte schon aus eigenem Interesse moderne Fruchtfolgen einhalten würden. „Wenn wir selbst nicht dafür Sorge tragen, dass unsere Böden fruchtbar bleiben, würden wir doch unsere eigene Existenzgrundlage vernichten.“ Einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur müssten sich die Landwirte nicht absprechen lassen, so der Tenor der gut besuchten Veranstaltung.

Von Simone Prenzel

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