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Fotograf Gerhard Weber führt in Grimma durch seine Open-air-Ausstellung

Fotograf Gerhard Weber führt in Grimma durch seine Open-air-Ausstellung


Grimma. „Lebenszeiten – Mitten im Land". Das Motto von Gerhard Webers einzigartiger Open-air-Ausstellung in Grimma, Höfgen und Nimbschen konnten am Sonntag rund 30 Muldentaler nachvollziehen, als sie sich gemeinsam mit dem Grimmaer Fotografen auf eine geführte Wanderung zu den fünf Standorten begaben, an denen mit insgesamt 300 großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos das Leben der Menschen in der Region in den vergangenen zwanzig Jahren widergespiegelt wird.

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„Ich laufe die gesamte Runde heute auch zum ersten Mal ab"; sagte Weber, als er die fotointeressierte Gruppe am Floßplatz begrüßte. Die Zeit, bis für sie das Muldenschiff nach Höfgen startete, reichte nicht aus für all die interessanten Geschichten, die Gerhard Weber zum ersten Foto-Standort am Zaun der Polizeidirektion zu erzählen hatte. Hier heißt das Motto „Landfrauen und Landmänner". Der Fotograf macht keinen Hehl draus, dass er durchaus extra durch kleine Dörfer fährt, dort von der Hauptstraße abbiegt und das sehen und im Bild festhalten will, was im Hinterteil des Hofes passiert. „Da ist es meist unaufgeräumter, aber spannender", weiß er. „Und dort bin dann auch auf der Suche nach Typen und Originalen." Und so entstehen dabei faszinierende Porträts, wie das von Armin Locker in Döben, der älteren Frau im Schlafanzug an einem abgeernteten Rhabarberfeld in Reichenbach, Frank R. aus Zschetzsch mit der ihm eigenen Zipfelmütze… Übrigens habe sich dieser Foto-Standort mit den großen Bildern am Zaun zu einer Art „Autokino" gemausert, weiß Jürgen Wörpel, der hier an Wochenenden an einem Tisch Webers Buch „Lebenszeit" an den Mann bringt. Denn die Fahrzeuge würden hier ganz langsam vorbeifahren, und die Insassen steckten die Köpfe in Richtung Fotos heraus.

Auch am zweiten Standort in Höfgen an der Schiffsmühle, wo die Bilder zum Motto „Feld, Hof und Garten" an landwirtschaftlichen Geräten und Fahrzeugen befestigt sind, ist Webers Vorliebe für „die angehaltene Zeit" auf dem Lande nicht zu übersehen. Die alte Frau mit den Enten in Kattnitz, die Kaninchen im Trabi auf einem Altenhainer Hof, die fröhliche Familie in Pyrna, der Weber den Titel „Generationen" gab. „Ist das auf dem Schoß denn nun der jüngste Spross oder eine Babypuppe?", fragten die meisten Foto-Wanderer. Der Fotograf klärte auf: Ja, es wirklich eine Puppe.

Schon an der Galerie der fast lebensgroßen Porträts am Polizeizaun in Grimma, spätestens aber bei den dörflichen Bildern in Höfgen kamen bei einigen Teilnehmern des Rundgangs Fragen und Diskussionen auf. Gisela Krause, die mit ihrer Bekannten Martina Herber eigens von Machern nach Grimma gekommen war, meinte: „Wir haben erst gedacht, die Bilder seien nach dem Krieg entstanden." Die Grimmaerin Angelika Kien sagte am Rande des Rundgangs: „Ich weiß nicht, aber die Leute auf den Dörfern müssen sich doch verhohnepipelt vorkommen. Es sieht doch nicht überall so vermüllt aus, wie das auf den Fotos gezeigt wird, es gibt doch auf dem Land auch wunderschöne Häuser und junge Familien." Auch Arwed Hlubek aus Colditz äußerte die Meinung, dass das Leben in der hiesigen Region doch vielschichtiger sei, dies jedoch in Webers Fotos nicht genügend zum Ausdruck käme. „Wenn die Fotoausstellung mal in Amerika oder einem anderen fernen Land gezeigt würde, hätte man dort einen einseitigen Eindruck von unserem Land."

Gerhard Weber verteidigte strikt die Absicht, die er mit seinen Bildern und seiner Ausstellung verfolge: „Wovor haben wir denn Angst, warum sollten wir uns für etwas rechtfertigen? Das hier ist echt. Ich bin glücklich, wenn sich die Menschen wahrhaftig und ehrlich geben, nicht geschminkt, gespritzt und überheblich – das ist unnatürlich, und das haben wir täglich in den Medien." Und an den Standorten im Ort Höfgen, an der Wassermühle und an der Fähre mit den Landschaftsbildern seien keinesfalls nur Typen oder dörfliche Hinterhöfe zu sehen, sondern er gewähre mit seinen Bildern einen Einblick ins bunte Leben der Menschen mit all seinen Facetten.

Die Fotos an den Obstkisten in Nimbschen, die als Abschluss des Rundgangs betrachtet wurden, bezeichnet Gerhard Weber selbst als seine wohl problematischsten Bilder. Immerhin dringe er mit dem Thema „Zuhause – ganz privat" auch ein Stück in die Intimsphäre der Menschen ein, ganz besonders, wenn es sich um Aufnahmen von kranken Menschen im Pflegeheim handele. – Nach dem Foto-Spaziergang stimmten alle dem Grimmaer Christian Rebner zu, der sagte: „Es war und ist ein tolles Erlebnis, diese beeindruckende Ausstellung mitten in der Natur erleben zu dürfen."

Silke Hoffmann

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