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Fremdiswalde – schlechte Straßen, lahmes Internet, voller Bach

Grimma Fremdiswalde – schlechte Straßen, lahmes Internet, voller Bach

Der Unternehmer Gerth Winkler wohnt von Kindesbein an in Fremdiswalde, das mittlerweile zur Stadt Grimma gehört. Doch seiner Ansicht nach ist das Dorf von der Entwicklung abgekoppelt. Und so schreibt er an Verantwortliche und telefoniert sich die Finger wund. Ohne Erfolg. Straßen, Internet und Gewässer sind die Probleme, die den 59-Jährigen beschäftigen.

Die Burkartshainer Straße hat kleinere Schlaglöcher und Dellen, in denen sich an Regentagen das Wasser staut.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma/Fremdiswalde. Gerth Winkler lebt von Kindesbeinen an in Fremdiswalde. Ein ehemaliges Bauerngut, gleich am Rande des Dorfes, gehört seiner Familie. Zum Gehöft zählt die Kfz-Werkstatt, die er im Wendejahr 1989 gründete und mit der er seinen Lebensunterhalt verdient. Aus einem Umkreis von etwa zehn Kilometern bringen die Kunden ihre Autos zu dem 59-jährigen Kfz-Mechaniker. Zufrieden ist Gerth Winkler dennoch nicht. Denn er findet, dass Fremdiswalde von der Entwicklung abgekoppelt ist. Mahnende Schriftstücke an Landrat Henry Graichen (CDU) und Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) wurden zwar, teils nach drängenden Anrufen, beantwortet. Befriedigt haben Winkler die Antworten aber nicht. Denn es passiert nichts. Auch die Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf (CDU) und den Landtagsabgeordneten Svend-Gunnar Kirmes (CDU) schaltete er ein. Umsonst. Genau genommen sind es vier Punkte, die Gerth Winkler beschäftigen: Straßen, Internet, Teich und Bach sowie Radtourismus.

Kritikpunkt Straßen

Wer mit dem Auto in und um Fremdiswalde unterwegs ist, braucht gute Nerven, eine intakte Federung und ein waches Auge für den Gegenverkehr. „Die Straßen sind in einem katastrophalen Zustand“, beklagt Winkler. Und damit meint er nicht nur den Belag, sondern auch die Breite. Die wichtige Verkehrsader nach Burkartshain sei 1974 das letzte Mal ausgebaut worden, weiß er. Seitdem haben sich der Lkw-Verkehr und die Tonnage vervielfacht. Innerorts sei höchstens mal eine Flickkolonne zu sehen. Und die Straße nach Neichen sei zwar mal ausgebaut worden, aber schmal geblieben. Winkler weiß, dass auf den Straßen rund um das Dorf schon zwei normale Autos nicht aneinander vorbei kommen, ohne die geteerte Fahrbahn zu verlassen. Er würde gern Landrat Graichen zu einer Probefahrt einladen und lässt nicht locker: „Ich will die Zusage, dass in nächster Zeit wenigstens eine Straße gemacht wird!“

Die Burkartshainer Straße hat kleinere Schlaglöcher und Dellen, in denen sich an Regentagen das Wasser staut

Die Burkartshainer Straße hat kleinere Schlaglöcher und Dellen, in denen sich an Regentagen das Wasser staut.

Quelle: Thomas Kube

Landratsamt-Sprecherin Brigitte Laux verweist darauf, dass in den letzten Jahren im Bereich von Fremdiswalde mehrere Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt wurden: eine Fahrbahnerneuerung an der K 8324 zwischen Roda und Cannewitz im Jahr 2006 und 2011 sowie an der K 8324 zwischen Cannewitz und Denkwitz. Der Landkreis Leipzig werde versuchen, den grundhaften Ausbau der Kreisstraße 8313 zwischen Cannewitz und Fremdiswalde im Rahmen des Investitionsstärkungsgesetzes fördern zu lassen, so Laux weiter. Die Planung sei beauftragt, die Fördermittel würden spätestens bis Ende Februar beantragt. Insofern könnte Winklers Wunsch in Erfüllung gehen. Laut Laux sollen die Kreisstraßen 8323, 8324 und 8313 um Fremdiswalde mittel- beziehungsweise langfristig saniert werden. Voraussetzung sei die Förderung durch den Freistaat Sachsen und die Eigenmittelbereitstellung durch den Landkreis. Die Kreisstraßenkonzeption zeige einen Instandsetzungsbedarf von 68 Millionen Euro, gießt sie den Sanierungsstau in Zahlen.

Kritikpunkt Internet

Wenn Winkler das Internet hochfährt, kann er 15 Minuten erst mal was anderes tun. „Bilder gehen gar nicht“, klagt der Kfz-Mechaniker. Seine bohrenden Anfragen liefen bislang ins Leere, für Winkler sind die Antworten Ausflüchte. Gemeinsam mit Jana Mundus und Frank Patzsch, beide Unternehmer wie er, initiierte er im vorigen Jahr eine Unterschriftenaktion. 20 Firmen aus Fremdiswalde signierten das Schreiben mit der dringenden Bitte, etwas zu tun. „In unserem Ort mit etwa 460 Einwohnern arbeiten mehr als 30 Gewerbetreibende, die eine schnelle Internetverbindung benötigen, auch um wettbewerbsfähig zu bleiben“, heißt es in dem Papier. Auch die schulpflichtigen Kinder seien auf schnelles Internet angewiesen. Über Nerchaus Ortsvorsteher Thomas Glaser (SPD) ließ die Stadt wissen, dass schnelles Internet auch per Funk möglich sei. Das koste aber monatlich zwischen 50 und 100 Euro, so Winkler. Seine Aufträge wickelt er telefonisch, per Fax oder schriftlich ab, weil es per Internet nicht geht.

Der Breitbandausbau würde nach Winklers Kenntnis 1,8 Millionen Euro für Fremdiswalde kosten. Bei einer Förderung hätte die Stadt Grimma zehn Prozent zu zahlen. Doch das Dorf befindet sich nicht in den im Januar vom Stadtrat beschlossenen drei Fördergebieten. Denn für Fremdiswlade liegen Eigenausbauerklärungen der Telekom (für den westlichen Teil) und der Drahtlos DSL GmbH (für das gesamte Gebiet) vor. Die Förderung ist deshalb dort ausgeschlossen. Mit der Erklärung werde mitgeteilt, dass die Unternehmen im Zeitraum von drei Jahren, also bis Ende 2019, die erforderliche Anschlussbreite erbringen wollen, gibt Ortschaftsrätin Ute Kniesche (Freie Wählervereinigung) eine Information der Stadtverwaltung weiter. Die Hoffnung, dass der Ausbau in dieser Zeit auch erfolgt, sei aber gering, meint Kniesche.

Kritikpunkt Gewässer

Gerth Winkler weiß noch von seinem Vater, dass der Dorfbach, die Launzige, um 1960 das letzte Mal richtig geräumt wurde. Längst ist er inzwischen eine Gefahr für die Dorfbewohner. „Bei extremem Niederschlag saufen uns die Keller ab“, schimpft der 59-Jährige. 40 bis 50 Grundstücke seien betroffen. Ihn selbst hat es seit der Wende sechsmal getroffen, schaut Winkler zurück. Er hat sich in den Keller ein 200-Liter-Fass mit Tauchpumpe gestellt, um im Ernstfall dem Wasser Herr zu werden. „Der Bach müsste von Nitzschka bis nach Fremdiswalde beräumt werden“, mahnt er an. Auch der Mühlteich müsste entschlämmt werden, so Winkler. „Seit 25 Jahren wurde hier nachweislich nichts gemacht.“ Das Gewässer sei ein Fachteich für das Oberdorf, doch es sei so voll Schlamm, dass selbst die Feuerwehr kein Wasser entnehmen könne.

Sich selbst überlassen

Sich selbst überlassen: der Zulauf der Launzige in den Großteich von Fremdiswalde. Es wirkt alles sehr verkrautet und ungepflegt.

Quelle: Thomas Kube

„Das Vorhaben am Mühlteich wird von uns ernsthaft betrieben“, erläutert Stadtsprecherin Marlen Sandmann. Der Mühlteich sei als Gewässerentwicklungsprojekt wesentlich für den Hochwasserschutz und derzeit in der Genehmigungsphase. „Zum Ausgleich des Gefälles, das derzeit über ein kleines Wehr funktioniert, ist geplant, ein Nebengerinne anzulegen, damit die Launzige ungehindert fließen kann“, so Sandmann. Zudem solle der Schlamm im Mühlteich ausgebaggert werden, damit erhöhe sich das Fassungsvermögen. Mit genauen Terminen konnte die Sprecherin noch nicht aufwarten.

Kritikpunkt Radweg

Gerth Winkler hat zudem einen Vorschlag, um den Radtourismus anzukurbeln und eine attraktive Verbindung zum Wermsdorfer Wald zu schaffen. Die Straßen von Sachsendorf und Denkwitz nach Fremdiswalde seien öffentliche Straßen, aber nur als Feldweg erkennbar. „Mit geringen Mitteln könnte man sie zu Radwegen ausbauen“, hofft der 59-Jährige Gehör zu finden.

„Der Feldweg Richtung Wermsdorfer Forst ist nicht als touristischer Radweg ausgewiesen oder geplant“, zieht Stadtsprecherin Sandmann jedoch den Zahn. In den nächsten Jahren stünden neben dem Radweg an der Staatsstraße von Großbardau nach Grimma (Verantwortung beim Freistaat) die touristischen Radrouten Grimma–Borna, Mulde–Elbe sowie die Obstlandradroute im Fokus. Diese seien Bestandteil des Radverkehrskonzeptes des Landkreises.

Von Frank Prenzel

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