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Grimma Fremdiswalder Geschichte neu präsentiert
Region Grimma Fremdiswalder Geschichte neu präsentiert
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16:30 20.07.2016
Als wäre der Schuster gerade aufgestanden. Sein Bänkchen wird jetzt in der Heimatstube gezeigt. Quelle: Foto: Ines Alekowa
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Grimma/Fremdiswalde

Mal gründlich aufräumen, das ist nicht nur in den eigenen vier Wänden ab und zu angesagt. Sondern auch in einer Heimatstube. Thilo Busch vom Heimatverein Fremdiswalde hat die Ärmel hochgekrempelt und die Heimatstube in der ersten Etage der Alten Schule umgestaltet. Jetzt präsentiert sie sich dem Betrachter als heller Raum, in dem eine kluge Auswahl an Exponaten Fremdiswalder Geschichte erzählt.

Als im Jahr 2000 die letzten Schüler die 1877 erbaute Schule verließen und das Objekt zum Dorfgemeinschaftshaus wurde, richteten Vereinsmitglieder um Werner Pierags und Günter Böttger eine Heimatstube ein. „Seitdem hatte sich immer mehr angesammelt. Sogar in der Mitte waren mehrere Tische zusammengestellt – und voll. Wir hatten eine Uhrenausstellung, gefühlte 15 Schreibmaschinen, alte Telefone, Radios... – das war nicht nur unübersichtlich, sondern hatte auch keinen Bezug mehr zu Fremdiswalde“, erklärt Busch. Und er muss es wissen, denn er arbeitet an der derzeit entstehenden Chronik mit. Dabei ist der 41-Jährige gar kein Fremdiswalder Urgestein, sondern vor 15 Jahren aus Leipzig zugezogen. „Hier ist ein toller Zusammenhalt, jeder hilft jedem“, erzählt er, was ihm in dem Grimmaer Ortsteil so gefällt. Da Busch hobbymäßig Familienforschung betreibt, war es bis zur Mitarbeit an der Chronik nicht weit.

Und auch was die Umgestaltung der Heimatstube anbelangt, musste ihn Vereinsvorsitzende Jana Mundus nicht lange bitten. „Natürlich haben die Vereinsmitglieder mitgeholfen, allein schafft man so etwas nicht“, sagt Busch. Der Raum bekam neuen Bodenbelag, neue Lampen, die Wände wurden geweißt. „Das sind Sachen, die nicht viel kosten, aber große Wirkung haben“, meint er. Vor allem aber finden sich jetzt auf der einen Seite des Raumes ausschließlich Zeugnisse typischer Fremdiswalder Gewerbe. Allen voran die Landwirtschaft, die den Ort noch immer prägt. „Zu LPG-Zeiten wurden 1000 Hektar Fläche bearbeitet“, erzählt Busch. Von der Zeit davor erzählen Dreschflegel, Sense, auch eine Flachspresse. „In alten Akten findet sich der Hinweis, dass hier schon vor drei-, vierhundert Jahren Flachs angebaut wurde“, so der Hobbychronist. Die meisten Exponate allerdings sind Überbleibsel nicht mehr existierender Handwerksbetriebe: der Werkzeugkasten eines Sattlers, die Utensilien eines Schuhmachers, Zangen, mit denen einst ein Schmied das glühende Eisen ins Feuer hielt, und das von einem Pferdner benutzte Geschirr.... Eine alte Bügelverschlussflasche und eine Rechnung von 1911 künden davon, dass die Fremdiswalder einst vor Ort, von der Brauerei Wilhelm Güttner, mit Gerstensaft versorgt wurden. „Auch dass in der Grube Hermannsglück mal Kaolin abgebaut wurde, ist kaum noch bekannt“, sagt Busch. Zumal an manches, wie an das Gasthaus mit Poststation, nur noch vergilbte Fotos erinnern. Das des Gaststubenbesitzers von 1889 ist im Übrigen wahrscheinlich das älteste Ausstellungsstück, schätzt Busch. Darunter steht sein Lieblingsstück – ein kleiner Ofen aus Gusseisen. „Der passt wirklich überall rein, und obendrauf kann man sogar Tee warmhalten“, kommt die praktische Seite des Vorarbeiters bei BMW zum Vorschein.

Natürlich haben auch Vereine einen Platz in der Heimatstube. Zum Beispiel der Männergesangsverein Concordia. Dessen königsblaue Vereinsfahne, gleich neben einer Originalabschrift des von Gustav Pfütze geschriebenen Heimatliedes, fällt sofort ins Auge. 2005, zur 675-Jahr-Feier von Fremdiswalde, hatte Dieter Seydel dem Verein die Fahne übergeben. Busch schätzt, dass sie über 100 Jahre alt ist, denn der Verein wurde um 1890 gegründet, und die Anschläge am Schaft künden von Gesangswettstreiten in den 1920er-Jahren. „Da der Verein selbst über keine Räumlichkeiten verfügt, hat sie in der Heimatstube jetzt einen würdigen Platz erhalten“, freut sich Busch.

Überhaupt sind so manche Dinge Leihgaben von Einwohnern, wie das Schaukelpferd von 1911 oder der „tief gelegte“ Kinderwagen aus Urgroßmutters Zeiten. Kein Wunder, dass die Stücke, als der Heimatverein im Mai sein 15-jähriges Bestehen feierte, zu Buschs Freude den Besuchern viel Anlass boten, in Erinnerungen zu kramen und Geschichte plötzlich wieder lebendig wurde. Feste Öffnungszeiten hat die kleine Heimatstube freilich nicht. Aber sie könnte besucht werden, wenn im schmucken Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss Familienfeiern oder Klassentreffen stattfinden. Und um die Weihnachtszeit herum seien auch Sonderausstellungen aus dem jetzt erst einmal im Lager Verwahrten denkbar, fügt Busch hinzu. „Ideen habe ich schon, zum Beispiel eine Schau zur Schule.“

Vieles, was hier ausgestellt ist, findet sich auch in Wort und Bild in der Chronik wieder, an der der Heimatverein gerade arbeitet. „Wir sind kurz davor, die Recherchen abzuschließen“, verrät Busch. „Es ist ein Wahnsinnsaufwand, wenn man nichts vergessen will.“

Von Ines Alekowa

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