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Grimma Fremdiswalder in der Fremde
Region Grimma Fremdiswalder in der Fremde
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05:00 12.08.2010
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. Der 43-jährige Tischlermeister Timo arbeitet wochenweise nahe Dijon in Frankreich. Während Timo eine Frau und fünf Kinder hat, hatte einer seiner Kollegen im Burgund fünf Frauen bei nur einem Kind. Andere Länder, andere Sitten.

 

Großvater Erhard, 1931 der Firmengründer, aber auch Vater Ewald, der den Betrieb bis über die Wende brachte, hätten sich nie träumen lassen, dass ihre Tischlerei mal die halbe Welt beliefern würde. Nicht mit Fenstern, nicht mit Türen. Sondern Brotkörben! Inzwischen verlassen jede Woche 500 Stück die hofeigene Werkstatt – über Zwischenhändler geht die Ware bis England, Österreich, in die Schweiz, sogar bis nach Amerika und Dubai. Die beiden Angestellten Gerd Ackermann und Thomas Krebs helfen tatkräftig. Allein wäre die Familie wohl auch überfordert. Denn nicht nur die Brotkörbe sehen die Welt, auch die Pfützes selber.

Tischlermeister Timo suchte eine neue Herausforderung. Und fand sie. Seitdem pendelt er zwischen Fremdiswalde und Frankreich. Dort zaubert der Mann mit den goldenen Händen aus alten Lastkähnen kultige Wohnschiffe. „Die Franzosen leben gern auf dem Boot. Klar, in der Nähe fließen die Rhone und die Saone. Außerdem legte bereits Napoleon ein weitverzweigtes Kanalsystem an. Echt gigantisch."

Um seine Lieben in die Arme zu schließen, braucht das Familienoberhaupt nicht jedes Mal bis Fremdiswalde zu kutschen. Manchmal trifft er seinen 17-jährigen Sohn Robert bereits auf halber Strecke und übernachtet in dessen Schiff. Wie bitte? Ja, auch Robert hat immer eine handbreit Wasser unterm Kiel. Als angehender Binnenschiffer ist der Lehrling zusammen mit Bootsmann und Schiffsführer auf Rhein, Main und Donau unterwegs: Budapest, Bratislawa, Antwerpen, Basel, Wien. Nachdem er tagsüber Reparaturen ausführte, den Motor klarmachte sowie beim Schleusen und Beladen half, darf er abends an Land gehen. An Land? Den bootsverrückten Robert trieb es sogar während der Freizeit in Amsterdam an Bord: „Im Hafen lag ein Museumsschiff aus Kolumbus‘ Zeiten. Das musste ich mir einfach angucken." Dabei ist auch sein 105 Meter langes Schiff voller Schüttgut ein Erlebnis. Vor allem wegen der eigenen Wohnung, die Robert hat und in der er auch kocht. Zwischen den Touren ist der Junge am liebsten in Fremdiswalde, bei Mama Ute, die die Familie zusammenhält. Da sind die beiden Töchter, die in Nerchau noch zur Schule gehen, der älteste Sohn Konrad (22), der vor Beginn seiner Lehre zum Industriekaufmann die Sprachschule in England besuchte. Und da ist der 18-jährige Sohnemann Simon. Ein wahrer Teufelskerl. Beim Steinelesen wurde er vom Traktor überrollt, ist aber wieder wohlauf und mitten in der Ausbildung zur Fachkraft für Agrarservice. Ein Jahr war er zur Lehre in Niedersachsen. „Das ist für uns auch schon Ausland", lacht der stolze Papa Timo. Trotz Weltoffenheit bleibt der Tischlermeister bodenständig. So arbeitet er auch als Bestatter.

Haig Latchinian

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