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Fremdiswalder tragen ihr Unikum zu Grabe

Fremdiswalder tragen ihr Unikum zu Grabe


Grimma/Fremdiswalde. Er konnte Brennnesseln genauso anfassen wie Weidezäune. Im nächsten Augenblick fiel er um und stellte sich zum Spaß tot, verdrehte noch möglichst schaurig die Augen: Siegfried Eisermann stand immer wieder auf, galt als unverwüstlich.

. Doch gegen eine schwere Krankheit war jetzt kein Kraut mehr gewachsen. Das allseits beliebte Fremdiswalder Unikum starb kürzlich im Alter von 73 Jahren.

Beim Fremdiswalder Filmabend vor ein paar Jahren war Siggi, wie ihn alle liebevoll nannten, der Held. Wenn er durchs Bild sauste, tobte der Saal. Siggi war anders als die anderen. Mal saß er auf dem Fahrrad und brummte dabei, als brause er auf einer Harley davon. Das andere Mal spielte er Pferd und scharrte mit Hufen. Oder er drehte in fescher Badehose das Karussell. Er lebte zwar allein, aber niemals als Einsiedler. Am wohlsten fühlte er sich inmitten von Kindern. Vor ihnen machte er Faxen.

Inge Mundus: „Er war sehr hilfsbereit. Wenn im Konsum die Limo kam oder bei den Leuten die Kohle, packte er unaufgefordert mit an. Danach schruppten wir ihn wieder sauber und revanchierten uns mit einem Picknick im Hof." Bäcker Gunter Schaaf: „Viele Jahre arbeitete Siggi bei meinem Vater im Geschäft. Deshalb gehörte er mit zur Familie. Mancher dachte gar, Siggi sei mein Bruder, was mir gar nicht so recht war." Gastwirt Jens Scheibe erinnert an Siggis Leidenschaft: die Rollschuhe. „Von irgend jemandem bekam er die geschenkt. Obwohl er gar nicht richtig fahren konnte, erschien er zum Dorftanz immer mit Rollschuhen. Er war kinderlieb, oft schob er seine Barbie-Puppen im Kinderwagen spazieren. Die ihm anvertrauten Mädchen und Jungen hütete er wie seinen Augapfel." Wer Pferde nicht ordnungsgemäß hielt, bekam es mit Siggi zu tun. Der Tierfreund kümmerte sich bis zuletzt um seine Kaninchen.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Siggi im Hohburger Heim. Zwar ging es ihm dort sehr gut und kümmerte sich seine Schwester Thea liebevoll, doch die Sehnsucht nach seinem Heimatdorf war so groß, dass die netten Pfleger ihn zum Geburtstag traditionell nach Fremdiswalde chauffierten. Hier klapperte er all seine Freunde ab: Die treu sorgende Familie Wetzig, Inge Mundus, Gunter Schaaf, Gerhard Schicketanz, Jens Scheibe. Alle begrüßte er mit seiner Standardfrage: „Haste mal ne Kippe?" Am liebsten steckte er sich gleich mehrere Zigaretten in den Mund, um zu qualmen wie einst die Farbenbude. Die Fremdiswalder, selbst die Nichtraucher, hatten extra für ihren Siggi stets Kippen parat. Damit nicht genug: Sie steckten ihm auch Kuchen- und Wurstpakete zu.

Zur Beerdigung in Hohburg erschienen auch viele Fremdiswalder  

. Würdig trugen sie ihr Original zu Grabe – im weißen Sarg.

Haig Latchinian

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