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Grimma Frische Ideen sollen Abwärtstrend in Colditz stoppen
Region Grimma Frische Ideen sollen Abwärtstrend in Colditz stoppen
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17:19 16.02.2016
Mit den Schul-Skills an der Sophienschule werden Jugendlichen Berufe nähergebracht. Ein Ausbau über Projekte wäre denkbar.  Quelle: Thomas Kube
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Colditz

 Erste Projektideen existieren für das integrierte Handlungskonzept von Colditz. Im Stadtrat gab Marie-Luise Rieger, geschäftsführende Gesellschafterin der Leipziger Zarof GmbH, einen Überblick über den Arbeitsstand. Demnach wird das Konzept bis Ende März stehen.

Mit Förderung durch den Europäischen Sozialfonds sollen, wie berichtet, niederschwellige Angebote in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung geschaffen werden. Außerdem gilt es Netzwerke von Klein- und Kleinstunternehmen zu schaffen und Menschen in Beschäftigung zu integrieren. Colditz mit all seinen Ortsteilen wurde als eine von 40 Kommunen ausgewählt, weil dort der Anteil von Langzeitarbeitslosen über dem Landesdurchschnitt liegt.

Grundlage für Projekte, so Rieger, bildet die Darstellung der aktuellen Entwicklung in der Stadt. Ein wichtiger Faktor sei der Bevölkerungsrückgang, der in Colditz von 2000 bis 2014 mit 20,23 Prozent wesentlich höher als im Freistaat (8,37 Prozent) liege. Diese Tendenz setze sich in den kommenden Jahren fort. Das Durchschnittsalter der Einwohnerschaft von 49 Jahren sei um 2,3 Jahre höher als der sächsische Schnitt. Ein negativer Saldo Geburten-Sterbefälle mache die Stadt als Wohnort für Familien unattraktiver. Ausschlaggebend für diese Entwicklung könnte die fehlende Nähe zu attraktiven Wirtschaftsräumen sein.

Mit Projekten soll auf diese Entwicklung reagiert werden. Die Zarof GmbH wollte aber keine fertigen Rezepte dafür auf den Tisch legen, sondern suchte die Beteiligung der Bevölkerung im Rahmen von Veranstaltungen und über Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem in der LVZ und mittels Flyern. So entstanden aus der Mitte der Stadt heraus erste Ideen.

Im Bereich der Kinder- und Jugendbildung sollen Schaufenster mit Schülerarbeiten dekoriert werden, wie das schon zur 750-Jahrfeier geschehen war. „Die Schul-Skills lassen sich ausbauen“, so Rieger. Als weitere Stichpunkte nannte sie eine Stärkung von Kinder- und Jugendfeuerwehren sowie des Nachwuchssports, die Steigerung der Attraktivität der Stadtbibliothek und eine in Vereine integrierte Nachhilfe für Schüler mit schlechten Noten.

Auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung wären eine Senioren- und eine Ehrenamtsakademie sowie eine Geschichtswerkstatt denkbar. Mit Projekten ließen sich Vereine unterstützen. Besonderes Augenmerk solle auf die Themen Musik, Kunst, Theater, Spiritualität, Gesundheit und Ernährung gelegt werden.

In Sachen Wirtschaftsförderung gilt es laut Rieger, übergeordnete Netzwerke zu installieren, um kleine Unternehmen und Kultur zusammenzuführen. Und im vierten Bereich, der Integration, ergibt sich ein weites Spektrum, das von einem Projekt für eine Märchenweihnacht über die Betreuung von trauernden Angehörigen bis zur Betreuung von Flüchtlingen erstreckt.

Die aus diesen Ideen resultierenden Projekte sollen im Stadtrat vorgestellt werden. Bis dahin gilt es einige Defizite zu beseitigen, wie zum Beispiel die noch nicht ausreichende Kommunikation zwischen den Akteuren sowie zwischen Akteuren und Stadtverwaltung. Bestätigt das Parlament das gesamte integrierte Handlungskonzept, wird es bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) und im Innenministerium des Freistaats eingereicht, was bis Juli 2016 erfolgen soll. Erst wenn von dort das Okay kommt, können die Projektträger ihre Fördermittelanträge bei der SAB stellen. Für die Umsetzung bleibt Zeit bis 2022. Insgesamt stehen 36 Millionen Euro für alle 40 Kommunen in Sachsen zur Verfügung.

In Ergänzung zu dieser Förderung beschloss der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig die Aufnahme der Stadt in ein zweites Programm, das den Namen Soziale Stadt trägt. „Um was sich die Zarof GmbH kümmert, ist die Software, und dieses andere Programm die Hardware“, sagte Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos).

Ziel ist es, Stadt- und Ortsteile mit einem besonderen sozialen Entwicklungsbedarf baulich aufzuwerten. Dafür, so Bauamtsleiterin Angela Rößner, würden Fördersätze von zwei Dritteln der Gesamtsummen zur Verfügung stehen, den Rest müsse die Kommune jeweils aufbringen. Es gehe darum, einen Beitrag zur Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität, Verbesserung der Generationengerechtigkeit und Integration aller Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten. Beispielsweise könne ein Wohnblock barrierefrei ausgebaut werden.

Von Frank Pfeifer

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