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Grimma Vor jedem Stadttor ein Galgen: Kriminalkommissar führt durch „dunkles Grimma“
Region Grimma Vor jedem Stadttor ein Galgen: Kriminalkommissar führt durch „dunkles Grimma“
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12:01 28.10.2018
Dunkles Grimma: Kriminalhauptkommissar Holger Heydrich führte die Teilnehmer der ersten Kriminal-Führung unter anderem ins Rathaus-Verlies. Quelle: Roger Dietze
Grimma

An Abschreckung hat es im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Grimma wahrlich nicht gemangelt. „Praktisch vor jedem Stadttor stand ein Galgen, zeitweise gab es sogar einen an der Nordseite des Rathauses, um die Todesstrafe für Soldaten schnell vollziehen zu können“, erzählt Holger Heydrich. Und der Mann weiß, wovon er spricht. Intensiv hat sich der Kriminalpolizist in den vergangenen Jahren mit der Grimmaer Kriminalgeschichte beschäftigt. Berufliche Horizonterweiterung – Themenbereich: Posträuber, Henker und Brandstifter.

Im Rathaus-Kerker liegt ein Skelett

Nach einer internen Generalprobe unter seinen Kollegen des Grimmaer Kriminalkommissariats und einer offiziellen mit dem Grimmaer Fremdenführer Frank Ziegra ließ der Mittfünfziger im Dienstrang eines Kriminalhauptkommissars am frühen Freitagabend erstmals die Öffentlichkeit im Rahmen der Premierenführung an seinem Wissen teilhaben. Immerhin gibt es in der Muldestadt noch einige Zeugnisse der Strafgerichtsbarkeit, die über die Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben sind. So der tief unter dem Rathaus gelegene, einen skelettierten (Kunststoff-)Gefangenen beherbergende Kerker sowie der oberhalb dieser schaurig dunklen Örtlichkeit befindliche sogenannte „Bürgergehorsam“ – eine heute als Lager genutzte Räumlichkeit, in der den leichteren Straffälligen Gelegenheit gegeben wurde, ihr Fehlverhalten zu reflektieren.

Pranger an der Klosterkirche verschwindet in der Erde

Dass von letzterem auch die Männer der Kirche nicht ausgenommen waren, davon kündet ein gerade noch erkennbarer Pranger an der Klosterkirche. „Im Laufe der mit den Jahrhunderten einhergehenden Aufschüttungen in der Stadt ist dieses Relikt der Strafgerichtsbarkeit mehr und mehr in der Erde verschwunden“, erklärt Holger Heydrich.

Nix für schwache Nerven aber ab 12

Gepostet von Holger Heydrich am Montag, 15. Oktober 2018

Strafen für Bäcker, die zu kleine Brote backen

Apropos verschwinden: Dieses Schicksal widerfuhr im Jahr 1801 auch 1200 Taler an Bord einer Postkutsche, die auf dem Weg in die Messestadt in Grimma Station machte. „Am Ankunftsort musste man feststellen, dass eine der Kisten anstelle des Geldes nur Sand enthielt“, weiß der Grimmaer Kriminalhistoriker, der mit den Gästen seiner Premierenführung auch einen kurzen Ausflug in die verschiedenen Sanktionsmöglichkeiten des Mittelalters und der frühen Neuzeit unternahm. „Bäcker etwa, die zu kleine Brote buken, wurden in eine Art Käfig gesetzt und in bestimmten Abständen unter Wasser getaucht.

Separater Friedhof für ungetaufte Kinder

Beliebt war zudem bei verschiedenen kleineren Vergehen der Einsatz des sogenannten ‚Spanischen Kragens’, einer Art Fass, in das eingezwängt sich der Verurteilte in der Öffentlichkeit bewegen musste.“ Demgegenüber von der Öffentlichkeit ferngehalten wurden in der Vergangenheit auch in Grimma Kinder, die noch vor der Taufe gestorben waren und auf einem separaten Friedhof am Baderplan ihre letzte Ruhe fanden.

Führungen mit Holger Heydrich sind begehrt

Keine Ruhe dürfte die wissbegierige Grimmaer Einwohnerschaft dem neuen Fremdenführer lassen. „Die neue Führung war ganz schnell ausgebucht und auch die Folgeführung im Dezember ist es bereits“, berichtet Michaela Wächter von der Stadtverwaltung. Entsprechend werde das neue stadtgeschichtliche Angebot im nächsten Jahr ein bis zwei Mal im Monat in Ergänzung zu den bestehenden Führungen fortgeführt. Darüber hinaus sei eine Buchung auch individuell etwa für ein Klassentreffen oder einen Betriebsausflug möglich.

Von Roger Dietze

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