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Grimma Fünf Skatbrüder und ihr Trumpf-Ass
Region Grimma Fünf Skatbrüder und ihr Trumpf-Ass
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00:47 23.04.2018
Schauspieler Thorsten Wolf (53, von Mitte) sponsert die Grimmaer Skatspieler Udo Spalteholz (53, vordere Reihe links), Kay Dittrich (45, vorn rechts), Carsten Collini (39), Falk Sieler (40) und Steffen Hübner (52, hintere Reihe, von links) die bei der Skat-WM im August in Berlin an den Start gehen. Quelle: Privat
Grimma

Go Trabi Go, In aller Freundschaft, Ein Stück vom Glück – Schauspieler Thorsten Wolf ist ein viel gefragter Mann. Bekannt aus Film und Fernsehen mimte er seit 1991 in fast 40 Rollen. Er gilt als Gründer des 1. Privattheaters in Ostdeutschland – 1992 eröffnete er im Beisein von Landesvater Kurt Biedenkopf sein Lebenswerk: das Leipziger Kabarett Funzel, dessen Intendant er noch immer ist. In seiner Paraderolle als Cheftierpfleger Conny Weidner steht der gebürtige Connewitzer derzeit einmal mehr vor der Kamera. Die Dreharbeiten zur sechsten Staffel von „Tierärztin Dr. Mertens“ laufen. Gut möglich, dass der sonst textsichere Conny dabei schon mal den Text vergisst und im Moment ein paar „Klappen“ mehr braucht. Denn in Gedanken dürfte Thorsten Wolf weniger im Zoo sein als vielmehr in Grimma – bei seinen „Muldenperlen“. So nennt sich der dortige Skatsportverein. Der möchte nicht nur reizen, sondern richtig was reißen: „Wir fahren im August zur Skat-WM nach Berlin und wollen um die Krone mitmischen“, triumphiert Wolf.

Skatfreunde Torsten Wolf (l.) und Carsten Collini freuen sich auf die WM. Quelle: Frank Schmidt

Der 53-Jährige ist Ehrenvorsitzender und Sponsor der Grimmaer Muldenperlen. 2013 traf er bei einem offenen Turnier in der Tauchaer Rathausschenke auf den damaligen Vorsitzenden der Perlen, Ulrich Frenzel: „Der hatte mich angesprochen, fragte, ob ich die Grimmaer nicht unterstützen könne – in meiner Sektlaune hab’ ich ja gesagt.“ Aus der Laune ist längst Leidenschaft geworden. Zwischen Tatort, Polizeiruf und „Freude schöner Spötterfunken“ (Funzel-Premiere am 4. Mai) düst er so oft es geht von der Pleiße an die Mulde. Immer donnerstags, ab 18.45 Uhr, drischt er mit seinen Jungs in Fränkis Kastanienpub einen ordentlichen Skat. Zwar seien „die Kerle“ in ihrer Vereinsmeisterschaft unter sich, doch gelte die Wirtin des Gartenlokals, Mandy Franke, als passionierte Spielerin. Sie serviere lecker Schnitzel und kloppe zumindest nach den Turnieren noch manches Blatt mit – und halte so die Frauenquote hoch.

Muldenperlen in der Skat-Sachsenoberliga

Carsten Collini ist einer der Aktivisten der (fast) ersten Stunde. Seit 2005 hört er an den Tischen die einschlägigen Weisheiten der Spieler: Hast du 21 gesehen, lass’ die Farbe stehen. Oder: Ein König zu dritt, macht immer einen Ritt. Der 39-Jährige ist stolz auf die Erfolge seines 15-köpfigen Vereins mit weiteren passiven Mitgliedern und Gästen. Die 1. Mannschaft spielt in der Sachsenoberliga, die 2. Mannschaft in der Sachsenliga. Der Jüngste ist Anfang 30, der Älteste Mitte 70. Berufsmäßig ist fast alles mit am Start – vom Außendienstler über den Handwerker bis zum Rentner. Beim zweieinhalbstündigen Turnierskat könne donnerstags jeder vorbeikommen, man sei offen für alle. Besonders über junge Spieler würde man sich freuen. Zwar sei der Skat einst in Deutschland geboren worden, doch interessiere sich der Nachwuchs kaum noch fürs Kartenspiel.

„Skaten und Singen kann man nicht erzwingen“, sagt Sponsor Thorsten Wolf. Umso wichtiger sei es, dass sich die Spieler auf ihre Wettkampfreisen freuen. Das gehe schon bei der Unterkunft los: „Daher kümmere ich mich um ordentliche Hotelzimmer, es sollte eben keine Absteige sein, wo der eine pupst und der andere schnarcht.“ Das Umfeld müsse stimmen. Skat sei halt kein Glücksspiel wie das Würfeln, sondern richtiger Leistungssport, fordere extreme Konzentration, so das Trumpf-Ass der Skatbrüder: „Du kannst aus vielen Blättern was machen, musst die Gegner beobachten. Du musst mit zählen, musst wissen, wie viel Trumpf raus ist, solltest auf deinen Partner eingehen, mit dem du spielst. Wenn du Alleinspieler bist, darfst du nicht lesbar sein...“

Grimmaer Oberbürgermeister Berger ist begeistert

Für Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger ist der Skatsportverein der nach den Husaren wohl „militärisch exakteste“. Er sei mal da gewesen und habe gedacht, er befinde sich im Wehrerziehungslager. „Nee, Spaß beiseite, das ist eine absolut witzige Truppe. Die Männer unternehmen Kremserfahrten, grillen gemeinsam oder gehen ins Kabarett. Hoffentlich stechen sie bei der WM! Ich wünsche ihnen jedenfalls viele Grand Ouverts und viele Alte!“ Immerhin, der langjährige Chef der Muldenperlen war früher tatsächlich Spieß bei der Armee. Zackig auch manche Faustregel im Skat: „Dem Freunde kurz, dem Feinde lang.“ Und: „Die Augen sterben auf dem Tisch.“

Schauspieler Thorsten Wolf (53, von Mitte) sponsert die Grimmaer Skatspieler Udo Spalteholz (53, vordere Reihe links), Kay Dittrich (45, vorn rechts), Carsten Collini (39), Falk Sieler (40) und Steffen Hübner (52, hintere Reihe, von links) die bei der Skat WM im August in Berlin an den Start gehen. Quelle: privat

Auch Kabarettist Thorsten Wolf fährt vor der WM große Geschütze auf: „Wir wollen nicht als Kanonenfutter dienen, sondern möglichst weit vorn mitspielen.“ Und das nicht von ungefähr: „Wir werden uns mit dem Oberbürgermeister in Verbindung setzen und ihm versprechen, die Grimmaer Farben würdig zu vertreten. 20 Prozent unseres in Berlin erspielten Gewinnes wollen wir einem gemeinnützigen Verein in Grimma spenden“, kündigt Wolf an. Seine fünf Schützlinge hätten jederzeit das Zeug dazu, in Berlin für Furore zu sorgen: Kay Dittrich, ein schneller, waghalsiger Spieler, der im richtigen Moment weiß, wann es genug ist und auf die Bremse geht. Udo Spalteholz, liebenswert, risikofreudig und mit Vorsicht zu genießen. Carsten Collini, die perfektionierte Vernunft des Skatspiels. Steffen Hübner, stiller Typ, der sich nicht so schnell aus der Reserve locken lässt und trotzdem als kreuzgefährlich gilt. Falk Sieler, aktueller Vorsitzender und gute Seele des Clubs, am Tisch stets wachsam, weiß, seine Chance zu nutzen.

Sponsor Wolf zahlt für sein Team auch in der WM-Woche das Hotel. Vom 17. bis 25. August nehmen sich die Jungs extra Urlaub, sind täglich sechs Stunden am Spieltisch. Da sei für sie nur das Beste gut genug, findet der Spaßvogel: „In der Zeit drehe ich im Zoo. Aber sollte ich es ermeckern können, schaue ich vorbei – und wenn es nur für zwei Stunden ist. Unsere Grimmaer bei einer Weltmeisterschaft, das ist nicht Pillepalle, das ist was Außergewöhnliches!“

Von Haig Latchinian

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