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Grimma Fürs Schloss Mutzschen muss Bebauungsplan her
Region Grimma Fürs Schloss Mutzschen muss Bebauungsplan her
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00:21 09.07.2018
Biker Lady Deborah Hey, im Bild bei einer Führung, will das Schloss Mutzschen wachküssen. Quelle: Frank Schmidt
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Grimma/Mutzschen

Time is money – Zeit ist Geld. Die amerikanische Unternehmerin Deborah Hey würde auf ihrem Schloss in Mutzschen lieber heute als morgen in die Hände spucken. Doch sie muss sich weiter gedulden. Zunächst ist für das 6,2 Hektar umfassende Areal ein Bebauungsplan aufzustellen. Dafür hat der Grimmaer Stadtrat jetzt per einstimmigem Beschluss den Weg frei gemacht. Die Kosten für den B-Plan trägt die Schloss Mutzschen Properties KG von Deborah Hey.

„Schloss und Park befinden sich bauplanungsrechtlich im Außenbereich“, erläuterte Stadtentwicklungsamt-Mitarbeiterin Simone Kluge den Stadträten. Deshalb sei die Aufstellung eines Bebaungsplanes erforderlich und dieses Vorgehen mit Landratsamt und weiteren Behörden abgestimmt.

Bürokratie lässt Frust steigen

Wohl oder übel muss Investorin Hey in den sauren Apfel beißen. Wegen der Bürokratie steige aber langsam der Frustrationsspiegel, gab Dorothea von Below zu verstehen. Die Döbenerin ist nicht nur Mitgesellschafterin, sondern auch Heys Beraterin und Freundin. Im Stadtrat stellte sie die Grundzüge des Projektes vor, mit dem sich die Motorrad liebende Amerikanerin in Mutzschen einen Traum erfüllen möchte.

Zulauf im Café

Für einen symbolischen Euro hatte Hey im März 2016 das Schloss erworben. Ein erster Schritt hin zur anspruchsvollen Biker-Herberge ist bereits getan. Im Sommer vorigen Jahres öffnete im einstigen Torwächterhaus das Soul-Kitchen-Café, in das Hey etwa 330 000 Euro gesteckt hat. „Wir haben enormen Zulauf und auf Facebook jede Menge Feedback“, so von Below. Der Erfolg hängt ihren Worten zufolge mit der „coolen Location“ und dem amerikanischen Flair zusammen. Zwei Vollzeit- und acht Teilzeitkräfte kümmern sich um die Gäste des Lokals.

Konzept fürs Schloss

Das Moto-Soul-Konzept beinhaltet zwei große Eckpunkte. Im Schloss selbst sollen 26 Hotelzimmer entstehen. Camping und Glamping hingegen sind die Stichworte für den weitläufigen Schlosspark. Glamping steht dabei für eine Art Edel-Camping in gut ausgestatteten Großzelten oder umgebauten Bauwagen, wie von Below erläuterte. Ein Restaurant ist ebenso geplant wie Konferenzräume. Hey möchte Veranstaltungen auf die Beine stellen und von Mutzschen aus Biker-Touren ins noch wenig bekannte Osteuropa organisieren. „Es ist eben mehr als ein Schloss. Es ist ein Projekt, in dem die ganze Stadt eingebunden sein soll“, betonte von Below. Camping und Glamping im Park seien nötig, da 26 Hotelzimmer allein nicht wirtschaftlich zu betreiben seien. Die Bauwagen sollen von Frühjahr bis zum Spätsommer im Park stehen.

Mühsamer Prozess

Von Below spricht von einem „mühsamen Prozess“, der bislang zu bewältigen war. Leider komme man um den B-Plan nicht umhin, um die touristische Nutzung zu gewährleisten und Parkplätze zu schaffen. Das werde ein bis eineinhalb Jahre Zeit kosten. Die Denkmalpflege, „mit der wir recht gut zusammen arbeiten“, habe für den Park Konfliktbereiche aufgezeigt. So seien die Sichtachsen und alten Strukturen zu erhalten, ebenso der historische Baumbestand.

Gutachten für Denkmalpflege und Naturschutz

Die barocke Terrasse solle möglichst wieder hergestellt werden. „Wir mussten auch jede Menge Machbarkeitsstudien in Auftrag geben“, erläuterte von Below. Dafür seien allein 136 000 Euro ausgegeben worden. Für weitere Gutachten, etwa der Denkmalpflege und des Naturschutzes, seien jetzt weitere 175 000 Euro fällig. „Eigentlich wäre es besser, mit dem Geld Arbeitsplätze zu schaffen“, sprach von Below eine Intension der Amerikanerin offen aus. Hey spreche von einer Burn-Rate, einer Zeit, in der kein Geld zurück fließe und demnach verbrannt werde. „Bis das ganze Projekt fertig ist, vergehen bestimmt fünf Jahre.“ Die Planung fürs Schloss werde jetzt parallel zum B-Plan in Angriff genommen.

Das nach einem Stadtbrand ab 1703 im Barockstil wieder aufgebaute Schloss steht seit 1939 unter Denkmalschutz. Zuletzt diente es von 1963 bis 2003 als Jugendherberge. Deborah Hey hat das Kleinod 2014 für sich entdeckt und will es nun wieder wachküssen.

Von Frank Prenzel

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