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Grimma Furtwegrücke wartet weiter auf Sanierung
Region Grimma Furtwegrücke wartet weiter auf Sanierung
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14:39 27.07.2018
Die Furtwegbrücke über die Zwickauer Mulde. Aus Richtung Hohnbach und Möseln gelangt der Autofahrer über sie am schnellsten ins Stadtzentruzm. Doch sie bleibt gesperrt, und die Sanierung steht weiter in den Sternen. Quelle: Thomas Kube
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Colditz

Auch der neueste Versuch, die Furtwegbrücke zu sanieren, ist gescheitert. Zwar meldeten sich diesmal zwei Unternehmen, die den Auftrag annehmen wollten, doch sie gaben laut Bauamt viel zu teuere Angebote ab. Nun soll ein neuer Anlauf unternommen werden – unter wachsendem Zeitdruck.

Angebote für Sanierung zu teuer

Bis 30. Juni kommenden Jahres muss die innerstädtische Brücke über die Zwickauer Mulde in Schuss gebracht sein, ansonsten verfällt aus heutiger Sicht die 100-prozentige Förderung vom Freistaat. Dieser will rund 980 000 Euro zahlen. Wie Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos) am Donnerstagabend zur Stadtratssitzung im Freizeitzentrum Fema sagte, machten die zwei Firmen Rechnungen auf, die jeweils um die 2,2 Millionen Euro lagen. „Das ist mehr als das Doppelte“, erklärte er. Auf den unangemessen hohen Preis dürfe kein Zuschlag erteilt werden, schließlich handle es sich um Steuergeld.

Seit Januar ist die Brücke gesperrt. Freigegeben werden kann sie erst nach der Sanierung. Quelle: Thomas Kube

Zwei Wege gangbar

Mit dieser Hiobsbotschaft konfrontiert, ermächtigte der Stadtrat die Verwaltung, einen neuen Vorstoß zu unternehmen. Zwei verschiedene Wege sind jetzt denkbar, stets in der Hoffnung, doch noch ans Ziel zu kommen.

Freihändige Vergabe angestrebt

Zum einen darf sich das Bauamt um eine sogenannte Freihändige Vergabe bemühen. „Das heißt, wir geben die Unterlagen an die Firmen raus, erhalten deren Angebote und dürfen dann mit ihnen verhandeln unter Beachtung des Diskriminierungsverbots und Wettbewerbsgrundsatzes“, erläuterte Bauamtsleiterin Angela Rößner. „Bei Freihändigen Vergaben ist vieles möglich, es wird gesprochen.“ Auf den Einwand von Manfred Heinz (FDP), dass damit der Stadtrat außen vor sei, entgegnete sie, das Parlament würde auf alle Fälle nach der eventuell erreichten Einigung mit einer Firma über die Auftragsvergabe entscheiden.

Neue Ausschreibung als Alternative

Die zweite gangbare Variante besteht darin, noch einmal eine beschränkte Ausschreibung anzuschieben, dann mit der Maßgabe, eventuelle Gründe für den bisherigen Misserfolg zu beseitigen. Zillmann denkt hier zum Beispiel an eine Verschiebung der Bauzeit. Deshalb stellte die Stadt einen Antrag beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das über die Fördermittel entscheidet, deren Bewilligungszeitraum zu verlängern. Die Behörde hat darauf allerdings noch keine abschließende Antwort gegeben.

Furtwegbrücke seit langem ein Dilemma

Die Furtwegbrücke ist ein Dauerbrenner. Nach langen Bemühungen wurden 2005 erstmals Beihilfen für Reparaturen gewährt. Das Hochwasser vom Juni 2013 beschädigte sie stark, schon 2015 sollte sie saniert werden. Daraus wurde jedoch nichts, weil während der Arbeiten, die nur unter Vollsperrung der Brücke laufen können, das Werk Magmalor der Ferro-Gruppe von der Außenwelt abgeschnitten worden wäre. Es existierte zwar ein zweiter Zugang zum Gewerbegebiet, doch der führte durch eine kleine Eisenbahnbrücke, die kein Lastwagen passieren kann.

Neue Einfahrt hatte Vorrang

Also musste zunächst eine neue, 675 Meter lange Einfahrt geschaffen werden. Sie wurde dieses Jahr fertiggestellt und verläuft von der Bundesstraße 107 zum Briefverteilzentrum der Post zur ehemaligen Getreidewirtschaft, kreuzt dann die Bahnlinie und endet im Gewerbegebiet. Damit ist gesichert, dass täglich bis zu 40 Lastwagen Magmalor als einen der größten Arbeitgeber von Colditz erreichen. Sie liefern Rohstoffe wie Metalloxide und Silikate und holen Endprodukte wie Glasuren für die Dachziegelindustrie, anorganische Buntpigmente und Dekorfarben ab.

Zwei Versuche der Sanierung

Als sich abzeichnete, wann die Ausweichstrecke steht, schob die Stadt eine Ausschreibung für die Sanierung der Furtwegbrücke an. Bis zum Stichtag 8. Mai meldete sich jedoch kein interessiertes Unternehmen. „Ihre Auftragsbücher sind voll, weil die Konjunktur boomt“, sagte Rößner damals. Die Idee, das Vorhaben in mehrere Lose aufzuteilen, um auch kleineren Firmen eine Chance zu geben, musste aus rechtlichen Gründen fallengelassen werden. So versuchte es das Bauamt mit einer beschränkten Ausschreibung an vier Firmen, von denen bis zum Stichtag 10. Juli die beiden Angebote mit den teuren Preisen eingegangen sind, die Colditz nicht annehmen kann. Der Stadtrat hob deshalb jetzt formell diese Ausschreibung auf.

Ersatzneubau nicht machbar

Das ewige Hin und Her brachte Michael Völkl (Linke) auf die Idee: „Kommen wir mit einem Ersatzneubau nicht besser?“ Doch dafür floss längst viel zu viel Wasser die Mulde hinunter. „Das ist im Rahmen der Hochwasserschadensbeseitigung nicht beantragt worden und wird deshalb jetzt nicht bewilligt“, erläuterte Rößner.

Plan der Sanierung

Vorgesehen ist, den Beton der Brücken-Widerlager zu sanieren. Die Fahrbahn soll abgefräst und neu aufgebaut werden. Alle Stahlbauteile erhalten einen Korrosionsschutz. Ampel und Straßenbeleuchtung werden auf Vordermann gebracht.

Furtwegbrücke bleibt gesperrt

Wie lange es sich auch noch hinziehen mag, bis die Brücke in Schuss gebracht ist, eins gilt als sicher. Sie bleibt bis dahin für den Verkehr dicht. „Ich weiß, es erhitzt die Gemüter, aber wir können sie zwischendurch nicht freigeben“, sagte Bürgermeister Zillmann. Im Januar war sie gesperrt worden, weil sie laut einer Prüfung die Verkehrsbelastung nicht mehr aushielt.

Von Frank Pfeifer

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