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Grimma Fußball zwischen Ausgrenzung und Integration: Aktionstag am Freitag in Naunhof
Region Grimma Fußball zwischen Ausgrenzung und Integration: Aktionstag am Freitag in Naunhof
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13:42 21.02.2018
Am Kickertisch der Oase: Jugendclubleiter Daniel Pesti, Ralf Kirsten, Anthony Wolf, René Schober vom Kreissportbund und Jason Kirsten (v.l.). Im Hintergrund sind einige der Schautafeln zu sehen, die zur Ausstellung „Strafraum Sachsen 2.0“ gehören. Quelle: Foto: Haig Latchinian
Naunhof

Wer kennt es nicht, das Trainer-Gebrüll: „Mensch, stellt euch nicht so an, wir sind hier nicht beim Frauenfußball!“ Fußball als reine Männersache, nichts für Weicheier. Entsprechend schockiert werden die Machos von der Seitenlinie gewesen sein, als ausgerechnet der Champions-League-Kracher Madrid gegen Paris im ZDF von einer – Frau(!) kommentiert wurde. Strafraum Sachsen 2.0 ist der Titel der Ausstellung, die am Freitag letztmalig in Naunhofs Jugendclub Oase 26 zu sehen ist. Auf 21 Schautafeln widmet sich die „Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball“ (IVF) sowohl Verbindendem als auch Ausgrenzendem.

Schon Frank Schöbel wusste: Ja, ja der Fußball ist rund wie die Welt. Und doch hat er auch Ecken. Einer, der das hautnah erlebte, ist BVB-Fan Nico Förster. Er steht mit Anthony Wolf sowie Ralf und Jason Kirsten am Kickertisch des Naunhofer Clubs und berichtet über die Randale beim Dortmunder Skandalspiel gegen RB Leipzig.

Nur die Spitze des Eisbergs. Obwohl in jedem Fußballteam statistisch mindestens ein Homosexueller kickt, sind Schmährufe wie „Schwule Sau“ an der Tagesordnung. Eine von Fans des FSV Zwickau am Rande des Regionalligaspiels gegen den SV Babelsberg mitgeführte aufblasbare Banane mit dem Zusatz „Schwuchtel“ spricht Bände. Die Schautafeln offenbaren: In den Augen einiger Ewiggestriger hätten auch Frauen nichts auf dem Fußballplatz verloren: „Dabei sind in Sachsen rund 6000 Frauen und Mädchen im offiziellen Spielbetrieb dabei“, betont Christian Kohn von den Machern der Wanderausstellung. Affenlaute richteten sich gegen Spieler anderer Hautfarbe, mit dem sogenannten U-Bahn-Lied drohe man gegnerischen Fans die Deportation nach Auschwitz an, der Dresdener SC werde als „Juden-DSC“ verspottet, da Ignatz Bubis, ehemaliger Vorsitzender des Zentralrats der Juden, einst für den Verein spendete.

René Schober, Jugendkoordinator beim Kreissportbund (KSB), freut sich, die Ausstellung in Naunhof zeigen zu können. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit Jugendclubleiter Daniel Pesti und Lehrer Sebastian Karthäuser: „Denn bevor die Tafeln in der Oase zu sehen waren, hatten wir sie in der Oberschule gezeigt, wo es auch Workshops gab.“

Gefördert wird das mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnete Projekt durch die Lokale Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Leipzig. Sprecher Ronny Kriz: „Sport ist ein wesentlicher Teil der Gesellschaft, deshalb lohnt es, genau hier anzusetzen.“ Die Naunhofer laden am Freitag nicht nur zum letzten Ausstellungstag, sondern ab 15 Uhr auch zum Kickerturnier ein. Danach wird gemeinschaftlich gekocht und gespeist, gegen 19 Uhr zeigt der Landesfilmdienst Sachsen die viel beachtete Dokumentation „Szene Deutschland – Unter Hooligans“. Der Eintritt ist frei.

Fußball hat in den Augen von KSB-Jugendkoordinator René Schober vor allem die Chance, Menschen zusammen zu bringen. Er spielt dabei auch auf die Integration von Flüchtlingen an, die zum Beispiel beim FC Grimma gut gelinge. Er würdigt auch die internationalen Jugendfußballturniere vom ATSV Frisch Auf Wurzen. Beantragten für die Saison 2014/15 noch 927 nichtdeutsche Spieler einen Pass, so waren es ein Jahr später schon doppelt so viele. Die Ausstellung macht mit Aktivisten vertraut, die gegen Vorurteile ankämpfen: „Fußballfans gegen Homophobie“ ist eine bundesweit aktive und weltweit vernetzte Initiative gegen Schwulenfeindlichkeit und Sexismus. Bandito Azzuro sind Ultras im erzgebirgischen Jöhstadt, die den antirassistischen Nordkurven-Cup ausrichten. Leipzig United FC sind junge Straßenfußballer, die in Grünau von sechs teils lizenzierten Trainern angeleitet werden, darunter ein ehemaliger syrischer Erstligaspieler. „Discover Football“ heißt ein weltweites Netzwerk, das Mädchen zum Fußballspielen ermutigen möchte.

Von Haig Latchinian

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