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GDL-Chef Weselsky stärkt Naunhofer Streikenden den Rücken

Protest-Demo GDL-Chef Weselsky stärkt Naunhofer Streikenden den Rücken

Mit Claus Weselsky kam am Montag ein prominenter Gewerkschaftsvertreter nach Naunhof, um die Belegschaft der kommunalen Kindertagesstätten in ihrem Kampf für die Einführung eines Tarifvertrags zu unterstützen. Die Erzieherinnen traten in einen zweitägigen Warnstreik.

Deutschlands bekanntester Gewerkschaftsboss Claus Weselsky Von der Lokführergewerkschaft GDL unterstützt die Naunhofer Stadtbediensteten beim Streik.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Mit Claus Weselsky kam am Montag ein prominenter Gewerkschaftsvertreter nach Naunhof, um die Belegschaft der kommunalen Kindertagesstätten in ihrem Kampf für die Einführung eines Tarifvertrags zu unterstützen. Die Erzieherinnen traten in einen zweitägigen Warnstreik. Da es keine Notbetreuung gab, organisierte die evangelische Kirchgemeinde eine solche.

Weselsky ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbunds und noch besser bekannt als Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). „Wir leben nicht in einer Bananenrepublik, sondern mitten im reichsten Land Europas“, rief er den Streikenden auf dem Marktplatz zu. Die Stadtratsmehrheit, die dem Bürgermeister bislang Verhandlungen mit den Gewerkschaften für eine Einführung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) untersagt, müsse begreifen, dass die Forderung der Belegschaft zur normalsten Sache der Welt gehört. „Alle ehrenwerten Berufe haben ihren Preis“, sagte er.

 Weil die Kindergärtnerinnen auf dem Marktplatz streikten, wurden vereinzelte Kinder vorübergehend im Pfarrhaus Naunhof betreut

Weil die Kindergärtnerinnen auf dem Marktplatz streikten, wurden vereinzelte Kinder vorübergehend im Pfarrhaus Naunhof betreut. Hier Mama Sandra Lischke mit Sohn Ole und Jannes Glinka (li.)

Quelle: Thomas Kube

Zur Protestdemo rief Weselsky auf, notfalls in einen unbefristeten Streik zu treten. Aus eigener Erfahrung mit der Bahn wisse er, dass Arbeitgeber dann einknicken. „Wenn es sein muss, macht die GDL sogar einen kleinen Solidaritätsstreik für Naunhof“, kündigte er an.

Enttäuscht zeigte sich Weselsky, dass kaum jemand aus der Einwohnerschaft zur Kundgebung gekommen war – vor allem Personal der Kitas und der Rathausverwaltung hatte sich eingefunden. „Offensichtlich ist die Bevölkerung nicht so bewegt“, sagte er und rief die Erzieherinnen auf: „Gewinnen sie die Eltern! Wer nicht zur Arbeit gehen kann, weil seine Kinder durch den Streik nicht betreut werden, kann mit ihnen hierher kommen.“

Fehlender Notbetreuung der Kinder durch die Stadt

Gerade die fehlende Notbetreuung durch die Stadt stieß aber nicht bei allen Eltern auf Verständnis. Steffen Matysek, Vater von zwei Kindern, äußerte zur jüngsten Stadtratssitzung seinen Unmut. Wer wie er in der freien Wirtschaft arbeite, habe es schwer, die Betreuung zu organisieren. „Das Personal der Kindertagesstätten sollte nicht auf dem Rücken der Eltern streiken, sondern die Einführung des Sozial- und Erzieherdienstes annehmen, die ihnen der Stadtrat angeboten hat“, forderte er. Parlament und Bürgermeister sollten gemeinsam eine Lösung finden.

Für die kommunalen Beschäftigen, dazu gehören die Angestellten in den fünf kommunalen Kitas, im Rathaus und im Bauhof, kommt aber nur die Einführung des TVöD für alle in Frage. Zur Kundgebung auf dem Markt sagte der Abgeordnete Michael Eichhorn (Linke): „Mein Kompliment, dass sie sich nicht auseinanderdividieren ließen!“ Der Streik habe schon erste Erfolge gebracht. So sei ein Bürgerbegehren gegen die Überführung städtischer Kitas in kommunale Trägerschaft, die die Stadtratsmehrheit per Interessenbekundungsverfahren habe durchsetzen wollen, angeschoben worden. „Wir haben hier schon fast die Beteiligung zur letzten Kommunalwahl erreicht“, erklärte Eichhorn.

Kirche übernahm die Betreuung der Kinder

„Dass durch diese Diskussionen die Arbeit der freien Träger in ein schlechtes Licht geraten ist, empfinde ich als ungerechtfertigt“, meinte Pfarrer Norbert George, auf dessen Initiative hin eine Notbetreuung von Kindern im Pfarrhaus der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde organisiert wurde. „Ich hoffe, dass die Entscheidungsträger miteinander reden. Meine Aktion war im Sinne des Zusammenhalts in Naunhof gedacht. Sofort waren Leute da, die bei der Betreuung mitmachten oder Essen spendeten.“

Gerichtet war das Angebot an jene Eltern, die während des Streiks partout niemanden fanden, der auf ihre Sprösslinge aufpasste. Die Resonanz bleib verhalten, nur fünf Kinder wurden gebracht. „Wahrscheinlich auch deshalb, weil wir keine Betreuung für den ganzen Tag, sondern nur bis Mittag leisten können“, mutmaßte Gemeindepädagogin Uta Glinka. Ihrer Meinung nach sollten die Streiks langfristiger angekündigt werden. „Aus meiner Sicht steht die Stadt in der Pflicht, eine Notbetreuung in ihren Kitas oder in denen der freien Träger zu organisieren“, betonte sie.

Von Frank Pfeifer

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