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Grimma Gas fürs Heizen und Kochen aus Papierfabrik
Region Grimma Gas fürs Heizen und Kochen aus Papierfabrik
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00:20 07.07.2018
Die Papierfabrik Trebsen mit den weißen Blockheizkraftwerken links hinten. Sie hätten ausgedient, wenn die neue Gasverarbeitungskette in Betrieb geht. Quelle: Frank Schmidt
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Trebsen

Heizen und Kochen sollen künftig die Menschen der Region auch mit Gas, das aus der Trebsener Papierfabrik Julius Schulte stammt. Im Betrieb wird zurzeit eine Kette aufgebaut, mit der sich aus Produktionsabwässern ein Gas herstellen lässt, das ins öffentliche Leitungsnetz eingespeist werden kann. Letzter Baustein ist eine Verdichter- und Übergabestation, für die der Technische Ausschuss am Montagabend seine Einwilligung gab.

Seit 1996 existiert im Werk eine biologische Kläranlage zur Reinigung der Abwässer aus der Papierproduktion, in der methanreiches Gas entsteht. Später kamen zwei Blockheizkraftwerke hinzu, mit denen daraus Strom und Wärme erzeugt wird. Läuft alles wie geplant, werden sie bald abgestellt, denn sie sind angesichts der gestiegenen Produktion zu klein geworden, so dass ein Teil des Gases abgefackelt werden muss. Alles in allem wenig effizient und nicht im Sinne der Umwelt.

Einspeisestation beantragt

„Unser Partnerunternehmen Revis Bioenergy baut gerade eine Anlage zur Aufbereitung unseres Biogases zur Erdgasqualität“, erläutert Elmar Fischer, Leiter Umwelttechnik bei Schulte. „Um dieses aber ins öffentliche Netz zu bringen, ist der lokale Gasnetzbetreiber verpflichtet, einen Einspeisepunkt herzustellen.“

So wie diese Biogasaufbereitungsanlage soll jene aussehen, die in Trebsen als Bindeglied zwischen Kläranlage und Übergabestation gebaut wird. Sie steht in Zülpich zwischen Bonn und Aachen. Quelle: Revis Bioenergy GmbH

Um dieses Gebäude geht es im jetzigen Genehmigungsverfahren. Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Gas mbH, kurz Mitgas, hat beantragt, an der Ecke Pauschwitzer Straße/Industriegebietsstraße eine Biogaseinspeiseanlage auf dem Schulte-Gelände zu errichten. Bauamtsleiterin Marika Haupt brachte das Anliegen als Tischvorlage mit in den Technischen Ausschuss, der die Sache, um schnell in die Gänge zu kommen, durchwinkte.

Somit erteilte die Stadt auf die Schnelle eine Teilgenehmigung, die es zunächst nur erlaubt, die Streifenfundamente anzulegen. „Sollte die endgültige Genehmigung ausbleiben, muss die Mitgas die Fundamente auf eigene Kosten abreißen“, informierte Haupt. „Davon gehen wir aber nicht aus.“

Explosionsgefahr besteht

Das Biogas aus der Aufbereitungsanlage soll in der Übergabestation verdichtet werden. In diesem Prozess wird ihm Flüssiggas zur Optimierung der Brennqualität beigemischt, das in einem 6400 Liter fassenden Tank gelagert werden muss, der mittels Straßentankwagen gefüllt wird. So steht es zumindest im Antrag. „Es kann aber auch sein, dass das Flüssiggas gar nicht nötig ist“, erläuterte Haupt. „Dann würde es sich erübrigen, einen Tank aufzustellen.“

Vorgesehen ist, von der Pauschwitzer Straße aus eine separate Zufahrt zur Verdichter- und Übergabestation zu schaffen. Damit könnte nicht nur Mitgas rund um die Uhr die Anlage erreichen, sondern auch die Feuerwehr, denn, so Haupt, das Vorhandensein von Biogas und Flüssiggas birgt eine gewisse Explosionsgefahr. Löschwasser stehe aber in der Umgebung genügend bereit. Und mit der Installation tragbarer Feuerlöscher sowie der Verwendung nichtbrennbarer Baumaterialien würden alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten.

Schallschutz gegeben

Das betreffe auch den Schallschutz. Die beim Betrieb der Verdichter- und Übergabestation entstehenden Geräusche würden nachts um mindestens elf Dezibel unter dem zulässigen Grenzwert liegen, tags wenigstens zehn Prozent darunter. Im Wohngebiet am Tannenweg sowie in Pauschwitz sei also nicht mit Belästigungen zu rechnen.

Für Schulte wäre die neue Kette der Gasproduktion ein Fortschritt. „Es handelt sich nicht nur um zuverlässigere Anlagen, sondern sie weisen auch einen höheren Wirkungsgrad und eine größere Leistungsfähigkeit auf“, erklärte Fischer. „Ende dieses, Anfang nächsten Jahres sollen sie möglichst in Betrieb gehen. Dann kann das Blockheizkraftwerk abgestellt werden.“

Von Frank Pfeifer

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