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Geburtstagslesung im Steinbruch

Geburtstagslesung im Steinbruch

"Wir wollen den Universitätsprofessor, Maler und Farbtheoretiker einmal ganz von seiner privaten Seite zeigen", sagte die Museologin Aline Pfannenschmidt (40). Drei Bände umfasst die Autobiographie Ostwalds.

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Historisch Wertvolles: Aus dem Archiv holt die Museologin Aline Pfannenschmidt eine von den Kindern von Wilhelm Ostwald gestaltete Tafel, die er zu seinem 60. Geburtstag von ihnen bekam. Wilhelm-Ostwald-Park zieren, wenn der 160. Geburtstag des Nobelpreisträgers gefeiert wird. Fotos: Andreas Röse

Quelle: Andreas Röse

"Das Publikum wird erstaunt sein, wie lebendig und bildhaft der Nobelpreisträger schreiben konnte", ergänzte die Museumsmitarbeiterin Simone Eichler, die die Geburtstagsfeier organisiert. "Wir haben für den Vortrag der Autobiographie einen Schauspieler engagiert, damit dieser Abend am Steinbruch ein Erlebnis wird", sagte sie. Der Schauspieler Olaf Burmeister ist Ensemble-Mitglied im Leipziger Central-Theater. "Der Schauspieler war begeistert von dem Schreibstil Wilhelm Ostwalds", so Pfannenschmidt.

Doch bis die Geburtstagsfeier starten kann, ist noch viel im Wilhelm-Ostwald-Park zu tun. Erst vor drei Monaten wurde begonnen, den Steinbruch im Park für die Veranstaltung herzurichten. "Dort sah es aus, wie im Urwald", schilderte Eichler den damaligen Zustand. Es mussten die lockeren Gesteinsteile entfernt und die Wege wieder begehbar hergerichtet werden", erklärte sie. Dabei wurde auch die Grabstätte von Wilhelm Ostwald, seiner Frau und den Kindern wieder sichtbar.

Der denkmalgeschützte Park diente dem Nobelpreisträger von 1906 bis zu seinem Lebensende 1932 als Wohnsitz. Das Ehepaar Ostwald hatte drei Söhne und zwei Töchter. Der jüngste Sohn, Carl Otto, bezog 1923 das Haus "Glückauf". Das 1912 errichtete Gebäude "Waldhaus" wurde für Sohn Wolfgang gebaut.

"Die Forstarbeiter und Gärtner hatten eine Menge Arbeit, um den Steinbruch zu gestalten", wußte Pfannenschmidt. Derzeit werden die Wege begradigt. Wir wollen auch das Göpelwerk zur Wasserbeförderung und die Stallungen sanieren. Doch die Arbeiten mussten aufgrund der Flut verlegt werden. "Die Handwerker sind jetzt in Grimma im Einsatz", sagte sie. Bis zum 2. September sollen noch Kopien von Tafeln angefertigt werden, die auf dem Weg zum Steinbruch angebracht werden sollen. "Insgesamt elf Tafeln fertigten die Kinder des Chemikers anlässlich seines 60. Geburtstages an. Auf diesen werden Lebensstationen dargestellt", sagte die 40-Jährige. Eine Tafel befasst sich mit der Feuerwerkerei. "Ostwald hat in seiner Jugend einst Feuerwerkskörper selbst hergestellt", erzählte die Museologin. Auf einer anderen Tafel ist zu lesen, wie er seine Frau Helene kennenlernte. Weitere Tafeln widmen sich seinem Wirken als Philosoph und Maler. Zu seinem letzteren Hobby gibt es seit diesem Jahr eine Ausstellung zu besichtigen. "Über 1000 Bilder und Zeichnungen Ostwalds liegen im Archiv", sagte die Museologin.

"Wir freuen uns, dass wir das Jubiläum nach einer umfangreichen Sanierung der Wirkungsstätte von Ostwald begehen können", sagte die Museologin. Dafür sorgte die Gerda und Klaus Tschira Stiftung, die 2009 die Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte vom Freistaat Sachsen übernahm. Die Häuser "Glückauf", "Werk" und "Waldhaus" öffneten 2009 mit ihrem neuen Zweck als wissenschaftliche Tageszentren mit Gästezimmern. Das Museum im Haus "Energie" präsentiert sich seit der grundlegenden Sanierung 2012 wieder. Zu sehen ist unter anderem eine umfangreiche Bibliothek, die 24 000 Medien enthält. "Sie zeugt von Ostwalds Leidenschaft für Bücher", erzählte Pfannenschmidt. Seit der Sanierung haben sich zahlreiche internationale Gäste angesagt. "Wir hatten schon Japaner, Holländer und Belgier hier", so die Museologin. In dieser Woche war ein sibirischer Professor zu Gast. "Er wollte unbedingt die Wirkungsstätte von Ostwald einmal kennenlernen", erzählte Simone Eichler. Seit ein paar Wochen sind auch Kinder verstärkt im Wilhelm-Ostwald-Park anzutreffen. "Wir bieten Experimente für Vorschulgruppen und Schulklassen an", warb Pfannenschmidt. So hat sich im August der Hort des Evangelischen Schulzentrums Muldental aus Großbardau angemeldet. "Wir werden uns mit dem Thema Kältemischung beschäftigen. Das Ergebnis kann verzehrt werden. Dabei handelt es sich schließlich um Eis", erklärt sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.07.2013

Cornelia Braun

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