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Grimma Gedenkminute vor Colditzer Weihnachtssingen
Region Grimma Gedenkminute vor Colditzer Weihnachtssingen
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17:17 23.12.2016
Quelle: robin seidler
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Colditz

Sie stehen auf dem Rathausbalkon hinter güldenem Geländer und bilden das pure Kontrastprogramm zu den in der historischen Uhr mit Hörnern aufeinander losgehenden Ziegenböcken: Gerd Hinkelmann und seine „Möselner Blechquäler“ gehören auch Heiligabend 16 Uhr wieder zu den Akteuren des traditionellen Weihnachtssingens auf dem Colditzer Markt.

Ein

„Macht hoch die Tür“, „Stille Nacht“, „O du fröhliche“ – in guten wie in schlechten Zeiten versammeln sich am heiligen Abend bis zu 1000 Colditzer zum gemeinsamen 45-minütigen Singen. Im Archiv des Männerchores „Liedertafel Colditz“ findet sich dazu 1871 ein erster Eintrag, wobei sehr wahrscheinlich sei, dass die Tradition noch weiter zurück reiche, sagt der Colditzer Albert Peter Bräuer, Leiter eines der ältesten Männerchöre Sachsens.

Im nächsten Jahr feiert die „Liedertafel“ mit einem Festkonzert im Oktober 170. Geburtstag. 33 Mitglieder („eine Schnapszahl!“) zählt der Verein. Ob für Notenmeister Wolfgang Hanschmann, Schatzmeister Joachim Gutschale oder Chorsprecher Jörg Schülert – das Weihnachtssingen ist der jährliche Höhepunkt der Sangesbrüder. Die Altgedienten wie Gerhard Brachvogel, Reinhard Richter und Dieter Tänzer wissen: „Die Werbetrommel muss hierfür niemand rühren, die Leute strömen von ganz alleine.“

Der damalige Bundespräsident Roman Herzog zeichnete den Chor 1997 mit der Carl-Friedrich-Zelter-Plakette aus. Zelter (1758-1832), Komponist und Chordirigent, gilt als Begründer der Singebewegung, auf ihn gehen zahlreiche Liedertafeln und Liederkränze zurück. Gerade in der Weihnachtszeit erfreute sich schon damals das Singen besonderer Beliebtheit. Es gab weder Radio noch Plattenspieler, die Leute trafen sich zu Auftritten in Gasthäusern oder – wie in Colditz – auf dem Markt. Und dies an allen Ecken und Enden: Anfangs sang der Männerchor hinter dem alten Brunnen, später am unteren Markt sowie vorm heutigen Herrenausstatter. Inzwischen versammelt sich der Chor wieder an seinem Ursprung, auf den Granitstufen vor der Sparkasse, wo früher der Brunnen war.

Bürgermeister wie Johannes Müller, Curt Liebers, Eberhard Schmidt, Werner Hahmann, Manfred Heinz und aktuell Matthias Schmiedel förderten und fördern die Tradition. Selbst zu Weltkriegszeiten erklangen Weihnachtslieder auf dem Markt, wenngleich damals gemischte Chöre den jeweils fast komplett eingezogenen Männerchor vertraten. Weil sich die Kommune seit 1990 aus der Finanzierung des Weihnachtssingens zurück gezogen hat, müssen Jürgen Lehmann, Hubert Kunze, Danilo Köppen, Klaus Schnell, Dietmar Jakob und Dieter König andere Wege finden, um Bläser, Technik und Gema zu bezahlen. Drei Glühweinstände sorgen fürs leibliche Wohl, wobei der Michael-Schumacher-Fanclub den Sangesbrüdern 50 Prozent der Einnahmen spendiert und dafür von der „Liedertafel“ unlängst mit der Ehrenplakette des Männerchores gewürdigt wurde.

Die bockigen Ziegen von der Rathausuhr, die zu jeder vollen Stunde mit fliegenden Hörnern aufeinander losgehen, stehen als Symbol für mehr Nachsichtigkeit der Stadtoberen. Böse Zungen behaupten, dass die Räte nicht umsonst in die Fema abgewandert seien. Immerhin: Zumindest zu Weihnachten finden sich einige von ihnen auf dem Markt ein.

Von Haig Latchinian

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