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Grimma Gedenktafel für Kapitän der „Landshut“ – Colditzer ehren Sohn der Stadt
Region Grimma Gedenktafel für Kapitän der „Landshut“ – Colditzer ehren Sohn der Stadt
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09:56 17.10.2017
Bauhof-Mitarbeiter Roland Benkus befestigt die Gedenktafel an der Fassade der Colditzer Brauerei. Sie erinnert an Jürgen Schumann. Quelle: Foto: Haig Latchinian
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Colditz

„Es lockte in blauende Ferne“ – Nicht von ungefähr intonierte der Colditzer Männerchor jetzt das 1926 von Lehrerin Maria Quentin getextete und von Stadtmusikdirektor Paul Stadler komponierte Colditz-Lied. Schließlich wird es auch der in Colditz geborene Jürgen Schumann geliebt haben. Auf den Tag genau 40 Jahre nachdem der Kapitän der „Landshut“ von Terroristen erschossen wurde, brachten die Colditzer ihm zu Ehren eine Gedenktafel am Markt an.

Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) nannte es in seiner Ansprache höchste Zeit, diesen stillen Helden endlich auch sichtbar zu würdigen: „Er hatte sich für seine Passagiere und Crewmitglieder aufgeopfert. Dieser Mut ist längst nicht selbstverständlich.“ Der Stadtchef enthüllte die Tafel, die die Bauhofmitarbeiter Roland Benkus und Sebastian Ludwig bereits am Morgen angebracht hatten. Seit der 750-Jahrfeier von Colditz wird an der Fassade des alten Brauereigebäudes mit großformatigen Bildern an die größten Söhne der Stadt erinnert – nun also auch an Jürgen Schumann. Petra und Heiner Smigaj, Herbert Müller sowie Christine Schneider können das nur begrüßen: „Jürgen Schumann hat Leben gerettet, daran muss erinnert werden.“

Eine inzwischen betagte Colditzerin glaubt ganz fest, dass die Mutter von Jürgen Schumann damals Kundin in ihrem Geschäft war: „Ich kannte sie persönlich, sie war Lehrerin an der Sonderschule. Das Schreckliche: Auch ihr zweiter Sohn kam ums Leben, als Forstarbeiter bei einem Arbeitsunfall.“ Ein in Colditz oft kolportiertes Missverständnis, stellt Cornelia Schumann in der Bahnhofstraße klar. Sie ist die Frau des 1993 im Grimmaer Stadtwald verunglückten Waldarbeiters Ulrich Schumann. „Der Bruder meines Mannes, Peter Schumann, war Testflieger bei der Nationalen Volksarmee. Ende der 1960er-Jahre stürzte er mit seiner MiG bei Cottbus ab. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder. In Colditz wurde er mit militärischen Ehren zu Grabe getragen. Mit dem Kapitän der ,Landshut’ waren beide Schumanns aber nicht verwandt.“

Jürgen Schumann war bereits 1949 mit seiner Mutter und der jüngeren Schwester von Sachsen nach Hessen übergesiedelt. Der Zeitsoldat in der Bundeswehr galt zu DDR-Zeiten als Klassenfeind, weswegen in Colditz meist nur hinter vorgehaltener Hand über ihn gesprochen wurde.

Unter den Gästen der Gedenkfeier auch Stefan Lange. Der heute 76-Jährige war als Nachbarsjunge eng mit Jürgen Schumann befreundet: „Ich war acht Jahre, als Jürgen rüber ging. Später kam er noch mal für einen Tag nach Colditz. Da machte er im Westen gerade sein Abi. Ich weiß es noch ganz genau. Er stand plötzlich in der Colditzer Kfz-Werkstatt, in der ich gelernt hatte und sagte: Da bin ich. Zusammen gingen wir ein Bierchen trinken. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass ich ihn lebend sah.“

Ex-Bürgermeister Manfred Heinz weilt derzeit im Ausland und konnte an der Ehrung nicht teilnehmen. Dennoch begrüßt er die Initiative. Per Telefon erinnerte er an seine Begegnung mit Monika Schumann. „Die Witwe des Flugkapitäns war vor zehn Jahren bei mir im Colditzer Rathaus. Sie wollte den Geburtsort ihres Mannes sehen. Ich hatte das Gefühl, dass sie über die dramatische Erschießung ihres Mannes nicht sprechen wollte. Das respektierte ich natürlich.“ Dennoch habe er seit 1995 mehrere Anläufe unternommen, um etwa eine Straße nach Jürgen Schumann zu benennen, so Heinz: „Doch es fand sich keine Mehrheit, weil ich den Antrag für die FDP eingebracht hatte ...“

Von Haig Latchinian

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