Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Geht in Grimma ein Katzenmörder um?
Region Grimma Geht in Grimma ein Katzenmörder um?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:32 11.05.2018
Die Katze Vicky der Grimmaer Familie Schubert aus der Beiersdorfer Straße lebt nicht mehr. Die Familie vermutet, dass das Tier vergiftet wurde. Quelle: Familie Schubert
Anzeige
Grimma

„Sie war unser Sonnenschein.“ Andreas Schubert schnürt es die Kehle zu, als er diesen Satz sagt. Noch immer hat der 67-jährige Grimmaer die Bilder seiner lebensfrohen Katze Vicky vor Augen. Seiner Frau Liane und der 40-jährigen Tochter Peggy geht es nicht anders. Doch Vicky existiert nur noch auf Fotos. Das Tier mit den großen, treublickenden Augen und dem hübschen grau-gescheckten Fell erlebte seinen ersten Geburtstag nicht. Es ging laut Schubert jämmerlich zugrunde. Die dreiköpfige Familie ist sich sicher, dass Vicky vergiftet wurde.

Zwei weitere Fälle

Es ist nicht die erste Katze, die Schuberts, die seit den 1970er-Jahren in der Beiersdorfer Straße wohnen, ungewollt unter die Erde bringen mussten. Vom Winter 2004 an waren sie zur Ersatzfamilie zwei junger Katzendamen aus der Nachbarschaft geworden – Morli und Susi. Freigänger Morli starb im März 2012.

Glassplitter im Fressen

Jemand habe ihr mit Glassplitter versetzte Leberwurst zum Fressen gegeben, weiß Peggy Schubert zu berichten. „Wir haben die Splitter im Maul gesehen“, ist die 40-Jährige noch immer entsetzt. Nach Morlis Tod wurde Susi Schuberts Liebling. „Zuletzt war sie fast nur auf unserem Grundstück, fing Mäuse und war sehr genügsam“, erinnert sich die Tochter.

Stichwunden im Hals

Es begann im vorigen Jahr nach Ostern. „Susi fraß schlecht.“ Am Tag vor Himmelfahrt suchten Schuberts die Tierärztin auf, die eine fortgeschrittene Nierenkrankheit festgestellte. Doch die Behandlung schlug nicht an. „Der Muskel- und Knochenschwund nahm zu“, so die 40-Jährige. „Im Juni 2017 baute Susi rapide ab“, was auch der Tierärztin unerklärlich gewesen sei. Ende Juni starb die Katze. Beim Eintreten der Totenstarre sei Flüssigkeit aus drei Stichwunden im Hals ausgetreten, erläutert Andreas Schubert. „Wir vermuten, dass jemand mit Spritzen nachgeholfen hat.“ Wegen der hohen Kosten verzichteten Schuberts auf die Obduktion der Katze und damit auf den Nachweis eines eventuellen Giftes.

Neuer Versuch mit Vicky

Die Sehnsucht nach einer neuen Samtpfote siegte über den schmerzlichen Verlust. Im September vorigen Jahres legten sich die Grimmaer eine eigene Mieze zu. Vicky, beim Kauf gerade mal vier Monate alt, „hatte ein hübsches, langes Fell, große Pfoten und kletterte wie verrückt auf Bäume“, beschreibt Peggy Schubert das temperamentvolle Tier. Sie habe Käfer, Hummeln und Schmetterlinge gehascht und sich rasch Lieblingsplätze im Haus und Garten ausgesucht. Da sie auch nicht wasserscheu war, kam die Vermutung auf, es mit einer Kreuzung aus Europäischer Kurzhaar- und Norwegischer Waldkatze zu tun zu haben.

Verdacht einer Vergiftung

„Aus dem Nichts ging es los“, fröstelt es Andreas Schubert noch jetzt. Ab Donnerstag, dem 12. April, habe Vicky beim Wasserlassen gejammert. Tags darauf habe die Tierärztin eine Blasenentzündung diagnostiziert und ein entzündungshemmendes Mittel gespritzt. Schmerzmittel und Antibiotika wurden Vicky am Sonnabend verabreicht. Doch sie erholte sich nicht. „Sie war kraft- und lustlos, übergab sich mehrfach, litt unter starken Schmerzen“, veranschaulicht Peggy Schubert das Wochenende. Am Montag wurde Vicky in die Obhut der Tierärztin gegeben, doch trotz akuter Behandlungen überlebte sie diesen 17. April nicht. Sie sei aus nicht nachvollziehbaren Gründen aufgrund einer hochgradigen Bauchspeicheldrüsenentzündung an mehrfachem Organversagen gestorben, berichtet die Familie. Einen eventuellen Virus habe das große Blutbild nicht nachweisen können. „Am 11. Mai wäre Vicky ein Jahr geworden“, trauert Peggy Schubert um ihren Wildfang auf vier Pfoten. „Sie war wie ein Familienmitglied.“

Er habe über mögliche Ursachen mit Ärzten und Tierärzten gesprochen, erläutert ihr Vater. Vermutlich sei die Katze gezielt und professionell mit menschlichen Medikamenten vergiftet worden. „Es muss ein Hammer-Medikament gewesen sein.“

Familie will andere warnen

Anzeige bei der Polizei hat die Familie nicht erstattet. Andreas Schubert, der als Freiberufler im Arbeitschutz tätig ist, begründet das mit schlechten Erfahrungen. Seit 2005 sei ein Dutzend Mal in sein Haus eingebrochen worden. Doch die Ermittlungen „liefen alle ins Leere“. Von der Anzeige einer möglichen Straftat verspricht er sich insofern nichts.

Aber die Familie will die Grimmaer, besonders im Westen der Stadt, wach rütteln. Denn sie will beobachtet haben, dass in der Beiersdorfer Straße in letzter Zeit weitere Miezen verschwunden sind. „Drei Katzen, die jüngst immer mal unser Grundstück tangierten, tauchen nicht mehr auf“, so der Senior. An einem Telegrafenmast in der Nähe hänge ein Zettel „Suche meine Katze“. Und bei Tasso und Ebay fänden sich auch Kleinanzeigen vermisster Katzen aus Grimma. Möglicherweise treibe sich ein Katzenhasser um, betont Andreas Schubert: „Wir hoffen, ihm mit Hilfe anderer Bewohner das Handwerk zu legen.“

Wegen Tötung oder Verletzung von Katzen liegen unter dem Parameter Verstoß nach dem Tierschutzgesetz der Polizeidirektion Leipzig keine aktuellen Anzeigen aus Grimma vor, informiert Pressesprecher Uwe Voigt auf Anfrage. Es habe im Jahr 2014 zwei Fälle gegeben und einen im Jahr 2016 im Ortsteil Draschwitz.

Von Frank Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Neues Gesicht im Kulturraum Leipziger Raum: Der 34-jährige Nerchauer Sebastian Miklitsch hat seine Tätigkeit als neuer Kultursekretär aufgenommen.

11.05.2018

Drittklässlerin Alexa Keller ist die Schnellste in Grimma. Beim Kindersprint-Wettkampf am Wochenende legte sie den Parcours in 5,47 Sekunden zurück. Schnellster Junge wurde mit 5,64 Sekunden Viertklässler Julian Weiden.

07.05.2018

Schwanendame Ronja lebt seit Montagvormittag wieder auf dem Autobahnsee von Naunhof und Brandis. Ihre Retter entließen sie mit einer Beinprothese in die Freiheit.

07.05.2018
Anzeige