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Geld und Nachwuchs: Grimmas Feuerwehren haben Handlungsbedarf

Brandschutz Geld und Nachwuchs: Grimmas Feuerwehren haben Handlungsbedarf

Die Stadt Grimma hat den Brandschutzbedarfsplan fortgeschrieben. In der Bestandaufnahme musste festgestellt werden, dass von den 15 Wehren in der Flächenkommune nur zehn auch einsatzbereit sind. Überalterung schwächt die Truppe.

Blaulicht signalisiert Einsatz.

Quelle: Archiv

Grimma. Die Stadt Grimma hat nach drei Jahren ihren Brandschutzbedarfsplan überarbeitet. Der Stadtrat nickte das Dokument jetzt einmütig ab. Der fortgeschriebene Plan bildet den Ist-Zustand ab, deckt Schwachpunkte auf und führt den Handlungsbedarf bei den Feuerwehren vor Augen. Ordnungsamtsleiterin Katrin Werner erläuterte, dass er mit der Gemeindewehrleitung und den Ortswehrleitern besprochen wurde, „wir haben hier mehrere Runden gedreht“.

15 Standorte der Feuerwehr würden als zwingend erforderlich erachtet, führte Werner aus, „um bestimmte Einsatzszenarien bedienen zu können“. In der großen Flächengemeinde sind das Grimma, Großbardau, Kleinbardau, Großbothen, Kössern, Zschoppach, Döben, Hohnstädt, Cannewitz, Fremdiswalde, Nerchau, Mutzschen und Ragewitz/Pöhsig sowie die aus ehemals eigenständig Ortsfeuerwehren verschmolzenen Wehren Höfgen und Thümmlitzwalde.

Allerdings kämpfen fast alle Wehren mit einer Überalterung, und im Ernstfall können sie auch nicht immer ausrücken. Derzeit zählen die 15 Ortsfeuerwehren insgesamt 540 Einsatzkräfte, die einen Altersschnitt von 41 Jahren aufweisen. Die Wehren seien bemüht, junge Kameraden nachzuziehen, die weitere Alterung sei aber nicht aufzuhalten, so Werner. Einzig die Wehren Grimma, Großbardau, Nerchau, Mutzschen, Zschoppach und Fremdiswalde könnten ihr derzeit gutes Niveau halten, heißt es im Brandschutzbedarfsplan. Kritisch sei die Situation vor allem in Thümmlitzwalde und Ragewitz/Pöhsig.

Die Tageseinsatzbereitschaft sei lange diskutiert worden, erläuterte Werner. Lediglich zehn der 15 Wehren im Stadtgebiet sind wochentags von 6 bis 18 Uhr mit entsprechender Einsatzstärke zum Ausrücken fähig – mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 80 Prozent. Immerhin bleiben ihnen bei Alarm nur acht Minuten, um am Einsatzort einzutreffen – inklusive der Anfahrt zum Gerätehaus und dem Umkleiden. Hans-Jörg Dossin (Bürger für Grimma) wollte dann auch wissen, ob die acht Minuten realistisch seien. Das wurde aus den Reihen der Feuerwehr bestätigt. Sie würden „größtenteils eingehalten“, hieß es. Nicht einsatzbereit sind tagsüber die Wehren Großbothen, Thümmlitzwalde, Ragewitz/Pöhsig, Döben und Höfgen. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) sagte, dass das Ausrücken im Ernstfall immer mehr zu einem Glücksspiel werde. Grimma ist in vier Einsatzgebiete aufgeteilt.

Ein springender Punkt ist auch der Zustand der Gerätehäuser. „Wir sind froh, Großbardau hinter uns gebracht zu haben, es gibt aber weiteren Bedarf“, erläuterte die Chefin des Ordnungsamtes. Ein Ranking listet die dringendsten Standorte auf, wo Arbeits- und Unfallverhütungsvorschriften nicht eingehalten werden. Für einen Neubau sind Zschoppach, Kössern, Leipnitz, Döben und Cannewitz ins Auge gefasst, für eine Sanierung Nerchau und Ragewitz. Zeitlich sind ab 2019 lediglich Zschoppach, Kössern und Nerchau untersetzt, die zu investierenden Summen sind erheblich. „Das Ganze ist eine Wunschliste, keine Bestellliste“, gab der Rathauschef zu verstehen. Fördermittel zu bekommen, sei immer schwieriger.

Indes hatte Steffen Kretzschmar (Bürger für Grimma) eine Anregung. Der Neubau für Zschoppach und Kössern sei unbestritten, bei den anderen sollte die Reihenfolge auch das Engagement vor Ort mit entscheiden. Zudem bat er, für die Gerätehäuser, die zum Teil im schlimmen Zustand seien, Geld für Instandsetzungen locker zu machen – „um Signale zu senden“. Das verleitete Berger zu der Aussage, Grimma habe im Verhältnis zu anderen Kommunen einen guten Ausrüstungsstand.

Im Plan ist auch der Ausbildungsstand verankert. Laut Werner seien einige Ortswehren gut aufgestellt, „in anderen müssen wir nachziehen“.

Von Frank Prenzel

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