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Gemeinderat kritisiert "Goldfischbecken mit Staumauern"

Gemeinderat kritisiert "Goldfischbecken mit Staumauern"

Parthenstein/Pomßen. "Ich finde keine Worte, wo all das Wasser herkommen soll, das hier befürchtet wird", sagt Wolfgang Kretzschmar, Gemeinderat der Wählervereinigung Parthenstein und Pomßener Feuerwehrchef.

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Pomßens Feuerwehrchef Wolfgang Kretzschmar zweifelt an der Notwendigkeit der gigantischen Regenrückhaltebecken entlang der S 38 zwischen Pomßen und Grethen.

Quelle: Kube

. Er kritisiert die Dimensionierung der drei Regenrückhaltebecken, die zurzeit an der Staatsstraße 38 von Pomßen nach Grethen gebaut werden. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) hält die Größe dagegen für gerechtfertigt.

"Wieso diese gigantischen Goldfischbecken mit riesigen Staumauern?", fragt Kretzschmar mit einem Augenzwinkern und schiebt nach: "Dasjenige auf Grethener Seite ist geradezu Jacobs Krönung, da fehlen nur noch die Sitzbänke wie in einem Stadion."

Gerade was Überschwemmungen angeht, verweist Kretzschmar als Floriansjünger auf seine Erfahrungen. "In meinen 60 Jahren habe ich erst ein Hochwasser in Grethen erlebt", sagt er. "Vor einigen Jahren war ein Straßendurchlauf zugesetzt, deshalb konnte das Wasser nicht hinüber zur Parthe gelangen, sondern floss in Richtung Gaststätte Zur Treve. Es war Gefahr in Verzug, weshalb wir die Feuerwehr Grethen unterstützten. Wir pumpten das Wasser über die Fahrbahn, danach wurde der Durchlass bereinigt, so dass seitdem Ruhe ist."

In Pomßen, so Kretzschmar weiter, gibt es eine Senke im Feld am Ortsausgang nach Grethen, in der mitunter Tauwasser zusammenläuft, ohne jedoch Schaden anzurichten. "Das hat noch nie den Verkehr behindert", sagt er. "Nicht einmal beim Starkregen am 20. Juni 2013 gab es an diesem Straßenabschnitt Probleme."

Deshalb ist der Bau der Regenrückhaltebecken nach Ansicht des Abgeordneten eine Verschwendung von Steuergeld. "Diese Mittel hätten besser eingesetzt werden können, wenn Radwege angelegt worden wären. Sie fehlen an der gesamten Staatsstraße von Threna bis Grimma."

Für unsinnig hält Kretzschmar auch den Abfluss des Pomßener Beckens zur Parthe. "Die Rohre wurden in einem weiten Bogen verlegt. Der kürzeste Weg wäre nur ein Drittel so lang gewesen", meint er. Um nicht nur zu kritisieren, hebt er zwei Dinge hervor, die aus seiner Sicht zu begrüßen sind: "Die Ersatzpflanzungen an der Straße halte ich für gut. Und auf der Baustelle herrscht immer Betrieb, sogar sonnabends."

Auf Anfrage erklärt Isabel Siebert vom Lasuv zunächst grundsätzlich: "Dem Vorhaben liegen bundesweit einheitliche Straßenplanungsrichtlinien und insbesondere die umweltrechtlichen Rahmenbedingungen zu Grunde, die die Anforderungen - auch an Entwässerungsanlagen - klar definieren und festlegen. Diese gesetzlichen Vorgaben haben wir zu berücksichtigen gehabt." Der Ausbau der S 38 erfolge auf der Grundlage des Planfeststellungsbeschlusses der Landesdirektion von 2013. Die Gemeinde Parthenstein sei am Anhörungsverfahren beteiligt worden. Siebert: "Sie hat nach der Erstauslegung der Unterlagen auf die Abgabe einer Stellungnahme verzichtet und auch bei der späteren Tekturplanung keine Einwendungen gegen das Vorhaben erhoben."

Die Baustrecke befinde sich vollständig im Wasserschutzgebiet, und dafür würden gesonderte Richtlinien gelten. Die zuständige Wasserbehörde habe der Planung zugestimmt. Die Rückhaltebecken würden in Abhängigkeit vom Oberflächenwasserzufluss aus der neuen Straße, der zulässigen Einleitmenge in die Parthe und dem erforderlichen Sicherheitsniveau gegen eine Überstauung der Anlage berechnet.

Das Anlegen eines straßenbegleitenden Radweges zwischen Threna und Grimma ist laut Siebert nur abschnittsweise Bestandteil der Radverkehrskonzeption des Freistaates. Dieses Papier bestätige keinen Bedarf zwischen Pomßen und Grethen, weshalb auch kein Radweg gebaut werde. "Forderungen von Bürgern, der Gemeinde oder anderen Trägern öffentlicher Belange nach einem Radweg im Rahmen des Planfeststellungsverfahren gab es auch nicht", konstatiert Isabel Siebert. Unabhängig davon wären solche Forderungen wegen des fehlenden Bedarfs nicht zu begründen gewesen.

Zum Baugeschehen an der S 38 ließ die Lasuv-Sprecherin wissen, dass voraussichtlich Ende Juli begonnen wird, die Fahrbahn zu asphaltieren. Die Verkehrsfreigabe sei weiterhin im vierten Quartal dieses Jahres vorgesehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.07.2015
Frank Pfeifer

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