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Gericht prüft Ansprüche von Gläubigern der Colditzer Wohnungsgenossenschaft

Insolvenzverfahren Gericht prüft Ansprüche von Gläubigern der Colditzer Wohnungsgenossenschaft

Das letzte Kapitel der Wohnungsgenossenschaft Colditz beginnt in wenigen Tagen. Dann prüft das Amtsgericht Leipzig, wem Geld aus der Insolvenzmasse zusteht. Die große Frage ist, ob auch die Mitglieder etwas abbekommen.

Nach der Wiedervereinigung saniert. Dieser Block gehörte der Wohnungsgenossenschaft Colditz.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Das letzte Kapitel der Wohnungsgenossenschaft Colditz beginnt in wenigen Tagen. Dann prüft das Amtsgericht Leipzig, ob ihren Mitgliedern Geld aus der Insolvenzmasse zusteht. Sie hatten nicht nur Anteile gekauft, sondern auch Arbeitsstunden geleistet.

Zu ihnen gehört Werner Winkler (68) aus Lobstädt, der in einem der Blöcke am Wettiner Ring aufgewachsen war, wo seine Mutter nach wie vor wohnt. „In den 1960er-Jahren mussten wir für unsere zweieinhalb Zimmer 2400 Mark der DDR bezahlen. Außerdem hatten wir Aufbaustunden zu leisten. Manche schachteten, andere bauten Fußwege. Ich half übrigens in den Sommerferien bei einer Elektrofirma mit“, blickt er zurück. Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft, kurz AWG, nannte sich das Ganze seinerzeit.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Wohnungsgenossenschaft Colditz daraus, die sich den neuen Entwicklungen auf dem freien Markt ausgesetzt sah und daraus zum Teil falsche Schlüsse zog. „Da ist einiges zusammengelaufen“, rekapituliert Bertram H. Pausch, damals Aufsichtsratsvorsitzender. „Colditz entindustrialisierte sich. Bei uns wohnten vor allem Beschäftigte des Porzellanwerks, das wegbrach. Wir hatten meistens Rentner, Junge kamen leider nicht hinzu.“ Der große Fehler sei aber gewesen, das ehemalige Sozialgebäude der Fema zu kaufen.

„Es war abzusehen, dass sich das nicht rentiert“, urteilt Pausch. Dem Kulturhaus als Konkurrenzunternehmen seien schon damals die Gäste weggeblieben. Trotzdem habe die Genossenschaft Kredite aufgenommen und die Fema zum Freizeitzentrum mit Gaststätte und Bowlingbahn gemacht. Damit liefen hohe Schulden auf, obendrein hätte es sogar die irrwitzige, aber nie umgesetzte Idee gegeben, ein Hallenbad anzubauen. „Schon 2002“, so Pausch“, „sagte mir ein Wirtschaftsprüfer, das, was wir tun, sei nur noch ein Hinauszögern des Todes.“

Der kam 2007, über 220 aufgebrachte Mitglieder beschlossen die Auflösung der Genossenschaft. Sie entschieden sich gegen eine sofortige Insolvenz, weil dann ihre Anteile flöten gegangen wären. Stattdessen stimmten sie für den Verkauf. Reichlich neun Millionen Euro waren die 521 Wohnungen und die Fema wert. Zwar beliefen sich die Außenstände auf rund sieben Millionen Euro, aber der Rest hätte gereicht, die Mitglieder auszuzahlen.

Hätte. Aber es sollte anders kommen. „Angebliche Kaufinteressenten gaben sich die Klinke in die Hand, brachten aber die Summe nicht auf“, erinnert sich Pausch. Erst nach einiger Zeit gelang die Veräußerung der Wohnungen. Und dann trat ein, was manche vorausgesagt hatten: Den neuen Eigentümern ging es vor allem ums Geldverdienen. Eine Firma veräußerte die Wohnungen an die nächste. Arg trieb es die Saks GmbH, die von den Mietern Nebenkosten kassierte, sie aber eben nicht an alle Dienstleister weiterreichte. Wegen der anwachsenden Ausstände drohte der Versorgungsverband Grimma-Geithain mehrfach, den Trinkwasserhahn abzudrehen. Derzeit gehören die Häuser der Berliner I.R.E. Immobiliengesellschaft mbH. Die Wohnungen waren privatisiert. Laut Gesetz müssen aber für Liquidationen alle geschäftlichen Vorgänge abgeschlossen sein. So konnte die Genossenschaft nicht aufgelöst werden, weil lange Zeit niemand die Fema wollte. Das hat sich jedoch mittlerweile geändert. Steffen Marticke erwarb das Gebäude 2015, damit ist der Weg für die Abwicklung der Genossenschaft frei.

Das Freizeitzentrum Fema

Das Freizeitzentrum Fema. Lange durfte die Wohnungsgenossenschaft nicht liquidiert werden, wiel sie dieses Gebäude nicht verkaufen konnte. Jetzt gehört es Steffen Marticke.

Quelle: Thomas Kube

„Das Insolvenzverfahren wurde am 11. August dieses Jahres eröffnet“, sagt Rechtsanwalt Stefan Kahnt von der Leipziger Kanzlei Pluta. Als Insolvenzverwalter hat er alle potenziellen Gläubiger angeschrieben, also die Anteilseigner und jene, die in Geschäftsbeziehungen mit der Genossenschaft stehen. „Wir wissen derzeit noch nicht genau, wem wirklich etwas zusteht“, betont er. Geprüft werden die Forderungen erst am 17. Oktober zur Gläubigerversammlung im Amtsgericht Leipzig.

Werner Winkler will dort seine Mutter vertreten. „Sie ist 90 und zieht jetzt ins betreute Wohnen um“, bemerkt er. Zumeist gehe es in den Gebäuden um ältere Leute, denen es schwer fiel und fällt, bei jedem Besitzerwechsel und jetzt beim Insolvenzverfahren die Formulare auszufüllen. Große Hoffnungen, auch nur einen müden Cent zu erhalten, macht sich Winkler keine. „Wo soll denn da noch etwas herzuholen sein?!“

Von Frank Pfeifer

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