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Geschäftsführer sollen Landpfarrer entlasten

Geschäftsführer sollen Landpfarrer entlasten

Die evangelische Kirche muss ihre Strukturen ändern. Und zwar vor allem auf dem flachen sächsischen Land, sagt Superintendent Matthias Weismann. Der Leiter des Kirchenbezirks Leipziger Land hat dabei den demografischen Wandel und die zunehmende Zahl von Kirchen und Gemeinden auf den Dörfern zwischen Neukieritzsch und Nischwitz im Blick, wo es immer weniger Einwohner gibt und die Zuständigkeitsbereiche von Pfarrern immer größer werden.

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Matthias Weismann

Quelle: Privat

Borna/Grimma/Wurzen. Weismanns Vorschlag: "Die Gemeinden brauchen so etwas wie einen Geschäftsführer." Für die Kirchen auf dem Land müsse es ein neues Konzept geben. Der Trend im Leipziger Land sei grundverschieden von den Großstädten Leipzig und Dresden. Dort sei bisweilen ein Pfarrer für 2000 Gemeindeglieder zuständig, "während der Schlüssel, den die sächsische Landeskirche vorgibt, bei eins zu 1300 liegt". Dass ein Pfarrer etwa in Steinbach "nur" für 900 Menschen verantwortlich sei, bedeute keineswegs weniger Arbeit. Im Gegenteil, so Weismann. "Daran hängen dann eben auch sieben Kirchen." Und sieben Friedhöfe, um die sich der Geistliche auf dem Lande ebenso zu kümmern habe wie um die Menschen. Und der nächste Pfarrer, im konkreten Fall von Steinbach in Mölbis, trage wiederum für sieben Kirchen Verantwortung. Das gehe an die Grenzen und erfordere ganz klar neue Lösungsansätze. Schließlich, so der 62-jährige Pfarrer aus Borna, sei es der Kirche über die Jahrhunderte immer wieder gelungen, sich neuen Gegebenheiten anzupassen.

 

 

Etwa mit neuen Berufsbildern, wenn der Kantor zugleich der Schulmeister im Ort war. Oder zu DDR-Zeiten, als es an den staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht mehr geben durfte. In der Konsequenz entstand der Beruf des Gemeindehelfers, "weil der Pfarrer ja auch nicht alles machen konnte". Aus den Gemeindehelfern sind heutzutage Gemeindepädagogen geworden.

 

 

Auch die Verwaltungstätigkeit in einer Kirchgemeinde ist sehr viel anspruchsvoller geworden. Reichte es in den 50er-Jahren, das Geld in der Kollekte korrekt zu zählen, seien mittlerweile auch juristische und kaufmännische Qualifikationen gefragt, sagt der Superintendent. Etwa, wenn es um die ordentliche Beendigung eines Arbeitsverhältnisses geht. Mit den vorhandenen Strukturen sei das jedenfalls nicht zu lösen. Weismanns Idee: die Leiter der Gemeindevorstände dafür zu nutzen. Bei denen handle es sich zwar von alters her um die Pfarrer, aber das müsse keineswegs zwingend so bleiben, "denn wir brauchen Leitungskompetenz aus dem säkularen Bereich". Warum also nicht einen aktiven und beschlagenen Vorruheständler einbinden, der für die Verwaltung etc. in der Kirchgemeinde zuständig ist - für eine gewisse Aufwandsentschädigung von vielleicht 100 Euro im Monat. Weismann: "Ein Pfarrer muss sich schließlich nicht um jede Wetterfahne kümmern."

 

 

Allerdings liege hier eben auch ein großes Problem. Denn Weismann kennt seine Pfarrerkollegen und weiß, dass es für viele schwierig ist, von bestimmten Dingen loszulassen. "Viele wollen das gar nicht." Und ob es am Ende auch die Gemeinde gut findet, wenn es eine Art Geschäftsführer gibt, der dann besser Kirchenvorstandsvorsitzender heißen sollte, das sei ebenfalls durchaus fraglich. Das weiß auch der Superintendent. Die Lösung des Problems gleiche deshalb durchaus der Quadratur des Kreises.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2015
Nikos Natsidis

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