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Geschichts- und Altertumsverein lädt in Grimma zur Kirmes ein

Geschichts- und Altertumsverein lädt in Grimma zur Kirmes ein

Mitten in der Altstadt von Grimma, nämlich im Stadtgut, nahm der dort beheimatete Geschichts- und Altertumsvereins zu Grimma die Besucher mit auf eine landwirtschaftliche Zeitreise.

Grimma. Die etwa 20 Vereinsmitglieder nannten es Kirmes.

Kirmes? Das ließ dann doch manch einen aufhorchen. „Das ist doch auch nur wieder ein Abklatsch einer Tradition, die es hier eigentlich gar nicht gab. Aber nur, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen“, urteilte eine junge Frau vor dem Eingang stehend über das einladende Schild mit der Aufschrift „Kirmes“. Und so ging sie weiter, ohne aber die Chance zu nutzen, sich über die Kirmes hierzulande zu informieren. Dabei hatte Vereinschef Rudolf Priemer eine Erklärung dafür, dass das Kirmesfest auch in einer Stadt wie Grimma gefeiert werden durfte.

In der Neuzeit gar zum fünften Mal mit dem „natürlichen Verbündeten“, wie Priemer die ebenfalls im Stadtgut ansässige Urania nannte. Freilich liegt dem Verein viel an Tradition, er toleriert aber auch Kompromisse. Vom dekorativen Herbstlaub auf den Tischen und an den Wänden abgesehen, schmückte eine Erntekrone den Vereinsraum und kein Erntekranz. Obwohl Letzterer eigentlich hierzulande typisch wäre, räumte Priemer ein. Zwar habe man die Erntekrone in „Braunen Zeiten“ eingeführt. „Aber sie ist attraktiver als ein Erntekranz.“ Nein, ein Traditionsbruch sei es nicht. Eher ein Wandel, weil sich der Kranz im Gegensatz zur Krone nicht behaupten konnte.

Zu einer echt guten Tradition wurde das indirekte Mitwirken von Hohnstädter Grundschülern, wie Imker Henry Seifert erzählte. Er leitet die Bienen-AG im Nachmittagsunterricht, wo die Knirpse auch die Etiketten für Honiggläser kreierten, die man zur Kirmes feilbot. Das Interesse an der Bienen-AG sei immens, es gab dafür mehr Bewerber wie für den Fußball, freute sich Seifert über so viel Naturverbundenheit. Nahe der Schule aufgestellte und bevölkerte Bienenkästen hätten das aber auch begünstigt. Bloß gut, denn ohne Bienen gäbe es keine Äpfel. Und sind manche Sorten noch so alt, „sie haben ihre Daseinsberechtigung“, mahnte eindringlich Wolfram Kunze vom Umweltverband BUND. Und zwar besonders auf Streuobstwiesen.

„Deren Besitzer wollen wir zur Erhaltung und Pflege animieren sowie zum Nachpflanzen alter Sorten, die es im Plantagenanbau nicht mehr gibt.“ Beispielsweise den „Ontarioapfel“ oder auch „Idared“. Genau diese zwei Sorten brachten Karl-Heinz und Adelheid Siegel aus Trebsen mit, um sich beim Fachmann Gewissheit zu verschaffen. Andere, wie der „Kaiser-Wilhelm-Apfel“ oder der „Edelborsdorfer“ gehörten zu den etwa 50 ausgestellten alten Sorten. Während sich draußen Christian Köhler an einer aus DDR-Zeiten stammenden Apfelpresse zu schaffen machte, erklärte Reinhold Seifert, wie wichtig noch heute sein Beruf, der Schmied, sei. Und warum findet man kaum noch einen echten Schmied? „Die gibt es noch, nur nennen sie sich heute anders - Metallbauer und Schlosser.

Frank Schmidt

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