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Gestörtes Vertrauen zum Rathaus: Colditzer Stadtwehrleitung will nicht weiter machen

Feuerwehr Gestörtes Vertrauen zum Rathaus: Colditzer Stadtwehrleitung will nicht weiter machen

Im Verhältnis zwischen Stadtwehrleitung und Stadtverwaltung knistert es. Ob es „nur“ ein Schwelbrand ist oder die Flammen doch höher schlagen – darüber lässt sich derzeit nur mutmaßen. Auf jeden Fall ließ die komplette Stadtwehrleitung beizeiten wissen, dass sie für eine neue Amtszeit nicht zur Verfügung steht.

Die Kameraden der Stadtwehrleitung von Colditz schmeißen hin.

Quelle: dpa

Colditz. Im Verhältnis zwischen Stadtwehrleitung und Stadtverwaltung knistert es. Ob es „nur“ ein Schwelbrand ist oder die Flammen doch höher schlagen – darüber lässt sich derzeit nur mutmaßen. Auf jeden Fall ließ die komplette Stadtwehrleitung beizeiten wissen, dass sie für eine neue Amtszeit nicht zur Verfügung steht. Da sich für die nötige Neuwahl am 8. April aber kein einziger Kandidat gefunden hatte, steht Ordnungsamtsleiter Silvio Gleffe seitdem auf dem Schlauch.

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Einsatzbereitschaft der acht Ortsfeuerwehren Colditz, Hausdorf, Erlbach, Hohnbach, Zschadraß, Tanndorf, Schönbach und Leisenau ist gesichert. Die Stadtwehrleitung, deren fünfjährige Amtszeit exakt am 25. Mai ausgelaufen war, hat sich trotz allem bereit erklärt, vorerst noch einen Monat dran zu hängen. Sollten sich jedoch auch in dieser Zeit keine Freiwilligen gemeldet haben, müsste Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) drei Personen verpflichten und sich dazu noch einen Beschluss des Stadtrates einholen. Hauptamtsleiter Hans-Peter Kiesel gestern gegenüber der LVZ: „Wir streben eine Neuwahl im September an.“

Stadtwehrleiter Robert Zillmann (32) macht seinen rund 200 Kameraden ein Riesenkompliment: „Die fünf Jahre waren eine sehr erfolgreiche, gute Zeit. Ob beim Hochwasser, beim Waldbrand oder bei den Feldbränden – überall haben wir unseren Job gemacht.“ Was er und seine beiden Stellvertreter, Steffen Schmidt und Karsten Hellmig, jedoch kritisieren, sei die in ihren Augen mangelhafte Kommunikation mit der Stadtverwaltung. „Nehmen wir nur das Strukturkonzept. Dabei ging es unter anderem um eine langfristige, ich betone, langfristige Reduzierung von jetzt neun auf dann vier bis fünf Standorte. Wir haben das Papier ausgearbeitet. Der Bürgermeister stand auch dahinter. In der entscheidenden Ratssitzung ist er jedoch umgekippt und hat dagegen gestimmt. Darunter leidet natürlich das Vertrauen.“

Jens Böhme, Feuerwehrchef in Zschadraß, stellt seiner Stadtwehrleitung ein gutes Zeugnis aus: „Es ist bewundernswert, was sich die Drei neben ihrer eigentlichen Arbeit noch für zusätzliche Verantwortung aufgebürdet haben. Vor allem: Es wird ja immer mehr! Der ganze Bürokram, die Umstellung von Analog- auf Digitalfunk, die vielen Schulungen – wenn sie sich noch einmal der Wahl stellen, unsere Stimme hätten sie auf jeden Fall.“

Ob andere Kameraden das Mehr an Arbeit scheuen und deshalb nicht für das Amt kandidieren oder ob ihre Zurückhaltung als Solidarisierung mit ihrer bisherigen Leitung zu verstehen ist – man kann nur spekulieren.

Hauptamtsleiter Kiesel räumt atmosphärische Störungen zwischen Stadtwehrleitung und Stadtverwaltung ein: „Ja es stimmt, allerdings sind es meiner Meinung nach nur Kleinigkeiten, um die es hier geht.“ Man habe die Feuerwehr gebeten, die Kritikpunkte zusammenzufassen. Die Aufstellung sei auch prompt gekommen. „Ausgehend davon gab es ein Treffen, auf dem die Richtlinien für die mögliche weitere Zusammenarbeit festgelegt wurden“, so Kiesel.

Er halte das Strukturkonzept der Wehrleitung auch heute noch für durchdacht, sagte gestern Bürgermeister Schmiedel der LVZ: „Allerdings gibt es einige Knackpunkte, wie sich erst kurz vor der Abstimmung im Stadtrat zeigte. Deshalb entschied ich mich dafür, nichts übers Knie zu brechen.“ Er bitte die Stadtwehrleitung, die eine gute Arbeit geleistet habe, dies nicht persönlich zu nehmen.

Ja, zwischen Stadtwehrleitung und Stadtverwaltung knistert es. Ob Schwelbrand oder offene Flamme – das werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Sollte das Feuer in letzter Sekunde doch noch zu löschen sein, gehen Beobachter davon aus, dass die alte Stadtwehrleitung auch die neue sein könnte.

Von Haig Latchinian

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