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Geteilter Himmel über Altenhain

Geteilter Himmel über Altenhain

Trebsen. Der 80-jährige Helmut Thieme ist Erbauer der Altenhainer Kirche. Doch im Falle seines Ablebens dürfte die Trauerfeier für ihn selbst nicht im Gotteshaus abgehalten werden.

. Seine Angehörigen müssten mit der Trauerhalle vorlieb nehmen. Grund: Er ist Nicht-Christ. Der Kirchenvorstand fasste 2008 den Beschluss, in der Regel nur noch kirchliche Trauerfeiern in den heiligen Räumen zu gestatten.

Zwar baute der einstige Stellmacher und passionierte Modellbauer Thieme die Kirche nur im Maßstab 1:25. Aber er werkelte bisher ausnahmslos an Gemäuern, die ihm wirklich am Herzen liegen. Die Altenhainer Kirche gehört dazu. Umso trauriger ist er über die Entscheidung des Kirchenvorstandes. „Wie viele unserer Dorfbewohner bin ich getauft und konfirmiert, habe in der Kirche auch meine Klara geheiratet. Wie das in den 50-er, 60-er Jahren eben so war, traten wir aus. Das hatte auch berufliche Gründe." Seine Frau ergänzt: „Unsere drei Kinder sind zwar allesamt getauft, gingen aber auch zur Jugendweihe. Heutzutage sind sie nicht kirchlich. Aber unsere Enkelin, die ist ganz groß in der Kirche. Die ist sogar verheiratet mit einem Pastorensohn." Theo Haferkorn, 75-jähriger DJ im Dorf, legte bei der Trauerfeier für Elfriede Schneiderheinze deren Lieblingslied auf: „Irgendetwas mit Meer. Das kam gut an." – „Ja", sagt Klara Thieme, da blieb kein Auge trocken." DJ Theo bezeichnet die Trauerhalle eher als größeren Schuppen: „Dort gibt es nur 25 Sitzplätze. Es ist viel zu eng und zu klein. Gerade wenn es regnet und die Leute draußen vor der Tür stehen müssen, finde ich das niveaulos. Wo bleibt die Nächstenliebe? Die große Mehrheit unseres Dorfes ist doch konfessionslos." Gerd Misselwitz, 68, getauft, konfirmiert und überzeugter Atheist, versteht die Welt nicht mehr. Man solle doch die Kirche im Dorf lassen: „Vor allem, weil auch Nicht-Christen regelmäßig für den Erhalt der Kirche spenden. Entweihen wir unsere Kirche, wenn wir sie in würdiger Form und gegen Gebühr als Atheisten nutzen?" Weil Misselwitz um das gute Verhältnis zwischen den Altenhainern und der Kirche fürchtet, wandte er sich an die obersten Kirchenvertreter.

Antwort erhielt Misselwitz auch von der ebenfalls angeschriebenen Trebsener Pfarrerin Yvette Schwarze: „Der Beschluss des Altenhainer Kirchenvorstandes beruht auf der Grundlage einer Empfehlung des Landeskirchenamtes unserer Sächsischen Landeskirche. Die Altenhainer Trauerhalle wurde 2001 umfassend von der Kommune saniert, um auch weltlichen Bestattungen einen würdigen Rahmen zu bieten. Die Größe wurde den ortsüblichen Verhältnissen angepasst. Auch bei kirchlichen Beerdigungen verbringen die Trauergäste den größten Teil der Zeit unter freiem Himmel – am Grab, am offenen Sarg, auf den Zuwegen, beim Kondolieren." Kirchenvorstand Steffen Slowik: „Alles was in der Kirche geschieht, geschieht zur Ehre Gottes. Gottesdienste, Konzerte, Lesungen, Christenlehre, Frauendienste ... Wer wieder in unsere Kirche eintreten möchte, kann dies jederzeit tun. Egal, was in der Zwischenzeit gewesen ist. Auch wer alt ist oder sich scheut, wir freuen uns über eine große lebendige und wachsende Gemeinschaft." Doch auch sonst seien er und die Pfarrerin zum Gespräch bereit.

Die 74-jährige Ursula Paschke, Mitglied der „Fröhlichen Sängerinnen" fragt sich, warum plötzlich nicht mehr funktionieren soll, was in Altenhain einige Jahre gut ging: „Auch Nicht-Christen sollen in der Kirche gegen Entgelt wieder Trauerfeiern ausrichten dürfen. Ich singe zu Weihnachten in der Kirche, bin Mitglied des Frauenkreises, war auch beim Großreinemachen dabei – und doch: Ich bin aus der Kirche ausgetreten, damals, als sich meine sehr gläubige Mutter das Leben genommen hatte. Mit 49 Jahren. Ich war zu jener Zeit gerade mal 25. Als ich sie doch so sehr brauchte. Ja, ich hatte das Gott sehr übel genommen. Unserem damaligen Pfarrer Horst Fichtner schilderte ich alles. Er verstand mich. Seitdem habe ich meinen ganz eigenen Gott."

Haig Latchinian

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