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Gey macht den Stuhl frei

Gey macht den Stuhl frei

Abschied nach einem Vierteljahrhundert: In Pegau hat Landrat Gerhard Gey gestern Abend beim Neujahrsempfang des Landkreises angekündigt, dass er bei der Landratswahl am 7. Juni nicht wieder antritt.

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Portraet Dr. Gerhard Gey im Landratsamt (Aussenstelle) Grimma.

Quelle: Andreas Döring (Doering)

. Im Vorfeld der Veranstaltung war mit einer entsprechenden Erklärung gerechnet worden.

Gey sagte, er habe die Zeit des Jahreswechsels genutzt, um für sich eine Entscheidung zu fällen und dabei das Gespräch mit seiner Familie und Freunden gesucht. Er habe darüber bereits seit längerer Zeit nachgedacht. Gey wird in diesem Jahr 65. Er erklärte, er sei vor einem Vierteljahrhundert nicht in die Politik gegangen, um Landrat zu werden. Es habe vielmehr seinen Beitrag im Sinne der deutschen Einheit leisten wollen. Seither sei viel erreicht worden. Mit seinem Delitzsch-Torgauer Amtskollegen Michael Czupalla (CDU) ist Gey der dienstälteste Landrat in Sachsen. Wie Czupalla kam Gey eher zufällig zu seinem Posten. Er hatte zunächst für den Stadtrat in Grimma kandidiert, bevor plötzlich jemand für den bis dato nicht existierenden Posten eines Landrats gesucht wurde.

Beitritt zum Neuen Forum 1990 folgt Wechsel zu Christdemokraten

Gey, promovierter Diplomingenieur für Tierproduktion, der später im VEB Broiler- und Gänseproduktion Wermsdorf arbeitete, war während der Wende zunächst dem Neuen Forum beigetreten, bevor er zur CDU wechselte. Er war Landrat in Grimma (1990 bis 1994), des Muldentalkreises (1994 bis 2008) und ist seit 2008 Landrat des Landkreises Leipzig. Beim Neujahrempfang in Pegau ließ er keinen Zweifel daran, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit Ende Juli aktiv auf seinem Posten bleiben wird.

Der scheidende Landrat verwies auf die Aufgaben, vor denen der Landkreis im neuen Jahr steht. Dazu gehöre der Abschluss der Diskussion der Charta Leipziger Neuseenland, bei der es auch eine Entscheidung über den Einsatz von Motorbooten und die Finanzierung der wasserrechtlichen Nutzung der Seen geben soll. Der Öffentliche Personennahverkehr im Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) und im Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) müsse auf den Prüfstand gestellt werden. Die Zusammenarbeit in der neuen Tourismusstruktur in der Region Leipzig gewinne zunehmend an Fahrt.

Asylbewerberproblematik beherrscht derzeit die Kommunalpolitik

Durch die Anerkennung des Nationalen Geoparkprojekts komme der Landkreis in den Genuss beachtlicher EU-Fördermittel, wodurch sich zahlreiche kleinere Tourismusprojekte realisieren lassen könnten. Gey zeigte sich zudem optimistisch, dass nunmehr endlich mit dem Ausbau des Radweges von Borna nach Grimma begonnen werden kann. Dafür erhalte der Landkreis eine großzügige Förderung.

Gey widmete sich auch dem Thema Asylbewerber. Derzeit lebten etwa 1000 Flüchtlinge im Landkreis, von denen 45 Prozent in Heimen untergebracht sind. Die Nutzung leerstehender Wohnungen sei auch deshalb sinnvoll, weil damit auf ohnehin vorhandene Kapazitäten zurückgegriffen werde. Andernorts müsse in Sammelunterkünfte investiert werden. In diesem Jahr, so der Landrat weiter, müssten etwa 1600 Asylbewerber untergebracht werden, weshalb zwei, drei weitere zentrale Unterkünfte benötigt würden. Ziel der Kreisverwaltung sei, die Asylberwerber auf alle Gemeinden zu verteilen. Für deren Betreuung seien zusätzliche Mitarbeiter nötig; zudem sollen Ausländerangelegenheiten in einem neuen Amt konzentriert werden.

Der Landrat betonte, er unterstütze es grundsätzlich, wenn heutzutage Solidarität und Toleranz eingefordert würden. Wenn das aber von den Menschen erwartet werde, dann müsse ihnen auch erklärt werden, was unter den Begriffen Asyl, Zuwanderung, Einwanderung und Integration in Deutschland zu verstehen sei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.01.2015
Nikos Natsidis

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