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Grimma Gipfelzaun von Heiligendamm steht jetzt in Borsdorf
Region Grimma Gipfelzaun von Heiligendamm steht jetzt in Borsdorf
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05:00 23.11.2012
Berühmte Absperrung: Mit einem Teil der G8-Barrikade, die in Heiligendamm Merkel, Bush und Co schützte, umzäunt Erhardt Lauer sein Firmenareal in Borsdorf. Quelle: Simone Prenzel
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Borsdorf

An ihm entzündete sich 2007 der Zorn der damaligen Gipfelgegner, er trennte die Mächtigen dieser Welt von Tausenden Demonstranten. In Borsdorf schützt ein Teil der berühmten Absperrung jetzt ein Firmengelände an der ehemaligen B 6.

Die Bilder gingen vor fünf Jahren um die Welt: Eine stählerne Barrikade, für zwölf Millionen Euro errichtet, schottete für zweieinhalb Tage die acht mächtigsten Politiker des Erdballs von der Außenwelt ab. Stacheldrahtbewehrt zog sich die Blockade durch die Hügel rund um das noble Seebad. Der Zaun war Teil der massiven Sicherheitsvorkehrungen. In Borsdorf dient die Umfriedung profaneren Zwecken. „Wir zäunen damit unser Firmengelände ein", erklärt Erhardt Lauer, Chef eines Industrierecyclingbetriebes. Vor zwei Jahren kaufte der ehemalige Münchner die Fläche der einstigen Gärtnerei. „Die Rosenzucht hat sich nicht mehr gerechnet", weiß er von ehemaligen Mitarbeitern. Der Vorbesitzer der Blumen-Plantage hatte 2007 ein Stück des berühmten Zaunes von Heiligendamm ergattert. 80 000 zarte Rosenpflanzen sollten vor Wildverbiss geschützt werden. Doch es kam anders: Die Sächsische Rosenwelt ging pleite. Jahrelang lagerten die Gitter unbeachtet im Gras. Dabei hat das 10-Hektar-Areal eine Absperrung bitter nötig: „Sie ahnen gar nicht, wie vermüllt das Gelände war, als ich es übernahm", berichtet Erhardt Lauer. Jahrelang ermunterte die fehlende Umzäunung offenbar ungebetene Gäste, sich zwischen Baracken und abgebrochenen Gewächshäusern ihres Unrates zu entledigen. „Acht Container voll haben wir beräumt", berichtet der Unternehmer. In einer Halle habe zwei Meter hoch die Mineralwolle gelegen. Sechs Schrottautos mussten entsorgt werden. Aber nicht nur wild abgelagert, auch geklaut wurde einiges. Nur aufmerksamen Nachbarn sei es zu verdanken, dass nicht auch der G8-Zaun Beine bekam. „Langfinger waren schon mit einem Hänger vorgefahren und hatten die Segmente so gut wie aufgeladen", hat sich Lauer erzählen lassen. Dass es nun ausgerechnet der berühmte G8-Zaun ist, der sein Areal schützt, ist dem Geschäftsführer der Lauer Ecotec, der für Chemie-Riesen wie BASF oder Bayer Industrieanlagen demontiert, eigentlich egal. „Die ganze Aufregung um diesen Gipfelzaun kann ich nicht verstehen", erklärt der Chef eines 100-Mann-Betriebes. Ihm komme es nur darauf an, dass der Zaun etwas aushält. „Und das tut er ja offensichtlich". Allerdings musste der Gipfel-Zipfel einen Kopf kürzer gemacht werden. „Er war ursprünglich 2,50 Meter hoch, ein halber Meter musste weg, da wir für die Errichtung sonst eine extra Genehmigung gebraucht hätten." Wo die anderen Zaunteile stecken? Das blieb weitgehend Geheimnis der Firma, die den stählernen Koloss rund um Heiligendamm erbaute und später demontierte. Viele Segmente, hieß es, hätten sofort verschrottet werden müssen, da sie in der Ostsee standen. Über weitere Abnehmer wurde nicht viel bekannt. Wie in Zeitungen zu lesen war, interessierte sich sogar ein arabischer Scheich für das Bollwerk – allerdings ohne Erfolg. Insgesamt sind vier von zwölf Kilometern Zaun verkauft worden. 1,2 davon stehen nun in Borsdorf. Weitere 500 Meter ziehen sich um ein Piraten-Open-Air in Grevesmühlen. Der Borsdorfer Käufer bekam wie alle anderen Abnehmer übrigens die Light-Version der Heiligendammer Barrikade geliefert. Während der Zaun Merkel, Bush und Co einst mit Stacheldraht, Kameras, Bewegungsmeldern, Scheinwerfern, Übersteig- und Unterkriechschutz abschottete, darf‘s für die Ex-Gärtnerei etwas weniger sein. „Auf den martialisch anmutenden Stacheldraht können wir gut verzichten." Aber sonst dürfe der Zaun ungebetenen Gästen ruhig Respekt einflößen, findet sein neuer Eigentümer.

Simone Prenzel

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