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Gleitschirme heben seit 25 Jahren am Colditzer Heimatturm ab

Jubiläum Gleitschirme heben seit 25 Jahren am Colditzer Heimatturm ab

Nicht nur über, sondern auch knapp unter den Wolken kann sich die Freiheit grenzenlos anfühlen. Wer wüsste das besser als die Mitglieder des Gleitschirmclubs Colditz? Seit 25 Jahren starten sie von ihrem Haushang in der Nähe des Heimatturms. Zu diesem Jubiläum laden sie alle ein, die sich für den Sport interessieren.

Volker Lindner am Haushang des Colditzer Vereins. Hier hoben er und andere Gleitschirmbegeisterte vor 25 Jahren zum ersten Mal ab.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Nicht nur über, sondern auch knapp unter den Wolken kann sich die Freiheit grenzenlos anfühlen. Wer wüsste das besser als die Mitglieder des Gleitschirmclubs Colditz? Seit 25 Jahren starten sie von ihrem Haushang in der Nähe des Heimatturms. Zu diesem Jubiläum laden sie alle ein, die sich für den Sport interessieren.

„Wer möchte, kann sich per Tandem mit der Winde auf eine Höhe von 250 Metern hoch ziehen lassen und hinunter in die Lastauer Aue fliegen“, kündigt der Vereinsvorsitzende Volker Lindner an. Am 30. April, 10 bis 16 Uhr, seien alle Neugierigen am Hang willkommen. Es gebe Speisen und Getränke, und die Sportler würden Auskunft über ihr Hobby geben.

Neun Mitglieder zählt der Verein. Die meisten wohnen in der näheren Umgebung oder sind zumindest dort aufgewachsen und dem Hang treu geblieben, obwohl es sie nach Weißwasser und Lengries in Bayern zog. Die Flüge und die monatlichen Mitgliederversammlungen bringen sie zusammen.

Außerdem haben sie sich ein festes Jahresprogramm gegeben. Es beginnt im Februar, wenn im Beisein eines lizenzierten Fluglehrers die Ersatzfallschirme gepackt werden, die das Leben retten sollen, wenn sich der große Schirm nicht öffnet. Ebenfalls der Sicherheit dient eine Aktion im März, wenn Geröll und Geäst vom Hang beseitigt und Dornbüsche herausgerissen werden. „Beim Osterfeuer verbrennen wir sie“, sagt Lindner.

Der Flugbetrieb beginnt im April, soweit es das Wetter zulässt. Nach Feierabend und an Wochenenden tun sich mindestens zwei Sportler zusammen, um entweder am Haushang zu starten oder sich am Harthaer Kreuz mit einer Winde auf 500 Meter Höhe katapultieren zu lassen. „Diese Flächen haben wir über den Deutschen Hängegleiterverband bei den Luftverkehrsbehörden angemeldet. Sie sind in den Karten eingezeichnet, deshalb müssen wir die einzelnen Flüge nicht beantragen“, erläutert der 72-jährige Clubchef. Jeweils bis Sonnenuntergang darf der Sport betrieben werden. Die maximale Höhe beträgt 1700 Meter, denn darüber liegt die Zone für die Tiefflüge der Bundeswehr.

Beim Luftverkehrsamt anmelden müssen sich die Sportler nur, wenn sie zu Festen der Region geladen werden. Über die Telefonnummer der Geschäftsstelle (034381/4 25 97) können Vereine und andere Veranstalter die Gleitschirmflieger buchen, die dann ihre Künste vorführen.

Ihren Höhepunkt erleben sie im September beim knapp einwöchigen Ausflug nach Meduno in Norditalien. „Seit zwölf Jahren fahren wir dorthin, am Fuße der Alpen finden wir ideale Bedingungen vor“, schwärmt Lindner. Nach dem Start von einem 1100 Meter hohen Berg ergebe sich bei klarer Luft eine Sicht bis nach Venedig.

Im Herbst, wenn die Felder abgeerntet sind, beschließt ein Zielfliegen die Saison, bei dem zur Landung eine Scheibe mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern anzusteuern ist. Mitte Oktober säubern die Sportler nochmals den Hang.

Die Initiative zur Gründung des Clubs hatte seinerzeit Volker Lindner übernommen, der in Leipzig Fallschirmsprunglehrer war. „Gleitschirme gab es zu DDR-Zeiten noch nicht“, blickt er zurück. Dietmar Schulz aus Grimma, ebenfalls Fallschirmsprunglehrer, brachte 1991 einen mit nach Colditz. „Wir waren fünf Leute, die damit fliegen wollten. Bei der Agro GmbH holten wir uns die Erlaubnis, den Hang benutzen zu dürfen. Am 5. Mai hoben wir erstmals ab, und alle waren begeistert“, schildert der Enthusiast.

Im November 1991 gründeten 14 Männer den Verein, der die Flächen des Hangs von den Grundeigentümern kaufte. Im Laufe der Zeit gingen einige Mitglieder, andere kamen hinzu. „Über Jugendliche würden wir uns freuen, die bei uns mitmachen wollen“, sagt Lindner. Zum Jubiläum biete sich eine gute Chance reinzuschnuppern. Wer sich für das Hobby entscheidet, müsse eine Ausbildung in Ostthüringen absolvieren, die vier Wochenenden in Anspruch nimmt.

Von Frank Pfeifer

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