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Grimma Göschenhaus hält sich mit Einkäufen zurück
Region Grimma Göschenhaus hält sich mit Einkäufen zurück
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00:22 10.02.2018
Thorsten Bolte, Leiter des Göschenhaus-Museums im Grimmaer Ortsteil Hohnstädt, hält stolz eine Schenkung in die Kamera. Ein von Göschen verlegtes Buch – das Noth- und Hülfsbüchlein in einer Auflage von 1789. Quelle: Thomas Kube
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Grimma

Mit Neuerwerbungen hält sich Thorsten Bolte im Moment zurück. Seit er vor zwei Jahren die Leitung des Göschenhaus-Museums in Grimma-Hohnstädt übernommen hat, beschäftigt er sich intensiv mit der Sammlung, von der nur ein Bruchteil im Haus des einstigen Verlegers Georg Joachim Göschen (1752-1828) ausgestellt ist. Sie müsse erst mal aufgearbeitet werden, nennt der 48-Jährige den Schwerpunkt. In den letzten zwei Jahrzehnten sei viel hinzugekommen, nun sei zu sichten, ob das alles für die Sammlung taugt. Bolte glaubt, dass er vielleicht in einem Jahr Licht am Ende des Tunnels sieht und will sich dann verstärkt dem Thema Online-Datenbank widmen. Denn zu der Mammutaufgabe, den Bestand zu ordnen, gehört die Digitalisierung der Objekte. Bolte möchte eines Tages die museale Sammlung online zur Verfügung stellen und damit Forschern den Zugriff ermöglichen.

Dennoch kommt das ein oder andere Stück hinzu. So freut sich der Museumschef über eine Schenkung der Grimmaer Familie Rollin, einem Senioren-Paar, das gern ins Göschenhaus kommt. Es handelt sich um ein Werk von Rudolph Zacharias Becker, das Göschen im Jahr 1789 verlegt hat und wegen der seinerzeitigen Beliebtheit sogar in einer Auflage von einer Million gedruckt wurde: das „Noth- und Hülfsbüchlein“. Laut Bolte war es ein Erbauungsbuch, das gern zur Taufe, Hochzeit oder anderen Anlässen verschenkt wurde. Trotz der damals sehr hohen Auflage seien heute nur noch wenige Exemplare erhalten. „Für uns ist es als subjektives Objekt wertvoll, wir hatten davon noch keine Originalausgabe“, erzählt Bolte, der allein mit seiner Kollegin Bärbel Jahn den Museumsbetrieb mit der wissenschaftlichen Arbeit, den Führungen und den Veranstaltungen meistert.

Göschen gab zu Lebzeiten etwa 700 Bücher und Werkverbände heraus. Bolte hätte sie am liebsten alle unterm Museumsdach. Eine Illusion? Zuletzt erwarb der 48-Jährige ein Buch aus Goethes Gesamtausgabe, die bei Göschen von 1787 bis 1790 erschienen ist. Er sei stolz auf das Buch, betont Bolte, denn der Grimmaer Verleger habe es urheberrechtlich geschützt in Wien veröffentlich können. Unter anderem sind die „Leiden des jungen Werther“ darin enthalten. Fast 100 Euro musste Bolte einem Leipziger Antiquariat für den Erwerb auf den Tisch legen. „Das ist sogar preiswert“, weiß der Kenner der Materie. Für das Museum mit seinem schmalen Budget müssten die Werke erschwinglich sein. „Das Antiquariat gibt uns Tipps, wenn es etwas Interessantes hat“, erklärt Bolte den Fund. Er forsche aber auch im Internet.

Im vorigen Jahr zählte das Göschenhaus reichlich 10 000 Besucher. Damit sei er zufrieden, sagt der Leiter des von der Stadt Grimma getragenen Museums. „Wir sind gut aufgestellt.“ Wichtig sei aber, das Göschenhaus stärker als Literaturmuseum zu profilieren und so über die Grenzen der Region hinaus schmackhaft zu machen. „Wir wollen den Bekanntheitsgrad steigern, da sind wir auf einem guten Weg.“ Werbung in Sachsen und anderen Bundesländern gehöre dazu.

Nach der Winterpause hat das Museum seit wenigen Tagen wieder geöffnet – wie gehabt von Mittwoch bis Sonntag jeweils 11 bis 16 Uhr. Allerdings müssen sich Besucher einer Führung anschließen, die immer zur vollen Stunde angeboten wird. Auch die Eintrittspreise bleiben im neuen Jahr unverändert. Zudem haben Bolte und Jahn wieder ein facettenreiches Veranstaltungspaket zusammengestellt. Wichtig ist dem kleinen Team, Kinder anzusprechen. „Sie sind die Besucher von morgen“, betont Bolte. Und auch mit dem Kinderprogramm suche man die Verbindung zum Literaturmuseum. So heißt es in den Winterferien „Seume-Spuren im Göschenhaus“ und in den Sommerferien „Von der Gänsefeder bis zum Buch“. Und im Herbst beschäftigen sich die Mädchen und Jungen mit der Kartoffel. Denn Göschen hat nicht nur Bücher gedruckt, sondern sich auch mit dem Anbau der schmackhaften Knolle beschäftigt.

Von Frank Prenzel

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