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Gospel Changes proben für Abschlusskonzert in Ammelshain

Auftritt bei Classic Open Gospel Changes proben für Abschlusskonzert in Ammelshain

Wenn sie singen, erzittern nicht nur Kirchenwände, sondern auch weltliche Säle. Längst sind die Gospel Changes ein Qualitätsbegriff quer durch den Landkreis. Momentan bereiten sie sich in ihren Proben auf das Abschlusskonzert der laufenden Saison vor. Die Sommerpause währt jedoch nur kurz, denn schon im August stehen sie auf großer Bühne in Leipzig.

Auch Sologesang will geübt sein. Therese Galetzka (rechts) lässt ihre Stimme erklingen.

Quelle: Andreas Döring

Naunhof/Belgershain. Wenn sie singen, erzittern nicht nur Kirchenwände, sondern auch weltliche Säle. Längst sind die Gospel Changes ein Qualitätsbegriff quer durch den Landkreis. Momentan bereiten sie sich in ihren Proben auf das Abschlusskonzert der laufenden Saison vor. Die Sommerpause währt jedoch nur kurz, denn schon im August stehen sie auf großer Bühne in Leipzig.

Die 35 Kehlen bringt Maik Gosdzinski aus dem Belgershainer Ortsteil Threna in Takt. Den Chor rief er im September 2013 ins Leben, seitdem häufen sich die Anfragen nach Auftritten. 34 Konzerte liegen hinter den Sängern – das letzte dieser Saison ist am Sonntag, ab 16 Uhr, in der Ammelshainer Kirche zu hören.

Ein Heimspiel sozusagen, denn vor allem in Naunhof mit seinen Ortsteilen stehen die Bühnen für den Chor, ob nun in Kirchen oder im Bürgersaal. Unterwegs ist er auch in Neichen, Panitzsch, Otterwisch, Kitzscher, Wyhratal, Rötha, Groitzsch, Markkleeberg und Großpösna. Sogar in Magdeburg, Braunschweig und Buxtehude war Gospel Changes in den vergangenen Monaten gebucht. Im Grunde schon fast zu viel. „Ich kann schlecht Nein sagen, wenn ich gefragt werde. Aber wir wollen in Zukunft unsere Auftritte auf 30 begrenzen“, kündigt Gosdzinski an.

Mitglieder des Chores bei den Proben fürs Saison-Abschlusskonzert

Mitglieder des Chores bei den Proben fürs Saison-Abschlusskonzert.

Quelle: Andreas Döring

Schließlich, so Co-Leiterin Therese Galetzka, handle es sich um einen Hobbychor. „Wir arbeiten alle, die meisten haben Familie“, verdeutlicht sie. Da sind allein schon die zwei Stunden Probe – ohne Pause – an jedem Montagabend in der Alten Messe Leipzig oder im Gemeindesaal der katholischen Probsteikirche „St. Trinitatis“ aus der Draufsicht eine Herausforderung.

Aber eine offenbar angenehme. Wer den Proberaum betritt, wird mit Umarmungen empfangen. Der Chor, dessen Mitglieder über die ganze Region verstreut wohnen und verschiedenen Generationen angehören, wirkt wie eine große Familie. „Ich bin seit 2015 dabei. Seitdem vergingen kein einziges Mal zwei Wochen, ohne andere Mitglieder zu treffen. Wir sehen uns auch außerhalb der Proben in Cafés beziehungsweise in dem einen oder anderen Garten“, so die 26-jährige Galetzka.

Familie im Wandel

Die Musik-Familie befindet sich jedoch in einem ständigen Wandel. „Von der Urbesetzung bin nur noch ich übrig“, gesteht Gosdzinski. „In einer Studentenstadt wie Leipzig ziehen nun einmal permanent viele Menschen zu oder weg.“ So ist und bleibt der 36-jährige Popkantor Dreh- und Angelpunkt des Ensembles.

Popkantor? „Das ist ein bundesweit anerkannter Begriff. Nur die sächsische Landeskirche mag die Spezialisierung nicht. Sie will rundherum ausgebildete Kirchenmusiker. Diese Haltung – alles ein bisschen, aber nichts wirklich gut – finde ich schlecht“, erklärt der im ostwestfälischen Espelkamp aufgewachsene Gosdzinski, den es durch sein Theologiestudium zuerst nach Bielefeld und dann nach Leipzig verschlug.

2008 fing er in der evangelischen Kirchgemeinde Fuchshain, Großpösna, Kleinpösna und Seifertshain als – fast – ganz normaler Kantor an. Denn im Gegensatz zu seinen Kollegen war er kein glühender Verehrer von Johann Sebastian Bach. „Damals verstand ich den Komponisten noch nicht, für mich war er mit Ordnung verbunden. Seine Werke hörte ich, wenn ich aufräumte – entweder die Wohnung oder mit einem Problem.“

Zusatzausbildung in Dresden

Als er während eines Konvents des Kirchenbezirks auf einen Flyer stieß, der für ein in Dresden angebotenes zweijähriges Aufbaustudium für Popularmusik in der Kirche warb, schlug er nach langem Überlegen zu. Die Bandbreite reichte von Jazz über Gospel bis zur Ausbildung am DJ-Pult. „Klavier, afrikanische Trommeln, Gesang, Chorleitung, Tontechnik, Raumakustik – das Spektrum war riesig“, sagt er. Mit diesem Wissen übernahm er die Leitung des Gospelchors der katholischen Gemeinde von Reudnitz.

Doch schon 2013 trennte er sich von ihm. „Den Mitgliedern ging es mehr um die Gemeinschaft, aber ich wollte einen Konzertchor“, begründet Gosdzinski seine Entscheidung. Deshalb gründete er seinen eigenen mit dem Ziel öffentlicher Auftritte. Wobei auch bei den Gospel Changes der Zusammenhalt ein hohes Gut darstellt. „Wir wollen aber in der Gemeinschaft besser werden“, beschreibt der Leiter sein Ziel. Und seine Stellvertreterin urteilt über ihn: „Er ist einer, der fordert, wenngleich auch der Chor Ansprüche an sich selbst stellt.“

„Auch für mich ist das Schwerarbeit“, gesteht Gosdzinski. „Ich spiele Piano, singe, leite und moderiere bei Konzerten. Der Chor ist trainiert auf das Klavier. Ich wette, wenn ich jedem die Augen verbinde, würde trotzdem alles passen.“ Indem der Chor nicht direkt auf den Leiter schauen muss, eröffnen sich für ihn mehr Möglichkeiten der Kommunikation mit dem Publikum. „Wir leben hauptsächlich davon, unsere Emotionen auf den Zuhörer zu übertragen. Dafür braucht es den Blickkontakt mit ihm“, beschreibt Galetzka.

Funken springen über

Und wie der Funke dann mitunter überspringt! Thomas Uhlenbrock hatte vor zweieinhalb Jahren die Gospel Changes in der Naunhofer Stadtkirche erlebt, wo sie ein Konzert mit Deborah Woodson gaben. Und er war fasziniert. Vom Kirchenchor wechselte er zu Gosdzinskis Ensemble. „Hier fand ich etwas fürs Herz, die Musik ist sehr emotional“, meint der 56-jährige Naunhofer, den zu den Konzerten stets seine Partnerin Carola Schilling begleitete. „Bald war auch ich infiziert“, bekennt die 49-Jährige, die jetzt an seiner Seite die Kehle erklingen lässt.

Offen sind die Gospel Changes für alle, egal welchen Alters, welcher Hautfarbe, welcher Sprache. „Außer zwei Prozent der Menschen, bei denen es anatomisch bedingt ist, kann jeder singen“, erklärt Maik Gosdzinski. „Es kann allenfalls sein, dass ich jemanden ein halbes Jahr zum Unterricht schicke, bevor er bei uns mitmacht. Ansonsten würde er nicht glücklich werden.“

Papier oder Tablet

Papier oder Tablet? Egal, die Noten sind die gleichen.

Quelle: Andreas Döring

Im Chor wendet er die sogenannte Komplette Gesangstechnik an. „Mit ihr lässt sich jeder Klang gesund produzieren, während speziell auf jedes Individuum eingegangen wird und trotzdem das Ensemble wie eine Einheit klingt“, umreißt der Leiter. Beweisen will er das auch in der kommenden Saison, die nach einer relativ kurzen Pause schon am 11. August mit voller Wucht beginnt.

„Bei den Classic Open stehen wir 19  Uhr, also zur Primetime, auf dem Leipziger Markt“, kündigt Gosdzinski an. „Dort haben wir sogar eine Band dabei. Ich bat meine Lehrer von der Ausbildung in Dresden, uns zu begleiten.“

Gospel auch im Kirchenchor

Das große Geld kann der Gospelchor-Chef mit Proben und Konzerten jedoch nicht verdienen. „Ich erhalte lediglich eine Übungsleiterpauschale“, sagt er. Sie sei Teil der freiberuflichen Arbeit als Popkantor, mit der er insgesamt 70 Prozent seines Lebensunterhalts verdient. Über Auftritte als Duo mit Therese Galetzka auf Familienfeiern, Seminare, Workshops, Gesangs- und Klavierunterricht verdient er besser. Am 16. September kann er zum Beispiel noch fünf freie Plätze für ein Gospel-Tages-Seminar in Großpösna bieten.

Nur zu 30 Prozent ist Gosdzinski, dessen Frau als Lehrerin in Bayern arbeitet, in seiner Kirchgemeinde angestellt. Dort spielt er ganz normal die Orgel im Gottesdienst – auch Bach. „Die Kirche müsste sich jedoch noch deutlicher für die musikalischen Bedürfnisse der Menschen öffnen. Viele wollen singen, aber der Kirchenchor ist nicht mehr deren Anlaufstelle“, denkt er. Entgegenwirken will er, indem er mit seinem Kirchenchor ebenfalls Gospel- und lateinamerikanische Lieder einstudiert. Da schließt sich der Kreis, auch im Tagesgeschäft kommt der Popkantor durch.

Von Frank Pfeifer

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