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Grimma Granatstiele statt Gehstöcke
Region Grimma Granatstiele statt Gehstöcke
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14:27 19.05.2015
Spezialthema in der Sonderschau: Peter Fricke referiert über "Handwerks- und Industriebetriebe der Stadt Grimma". Quelle: Roger Dietze

Den Rahmen für den Vortrag des studierten Kunsthistorikers bot die aktuelle Sonderausstellung "Zwischen Heimatfront und Schützengraben - Der 1. Weltkrieg im Muldental", die noch bis Mitte März in der musealen Einrichtung in der Paul-Gerhardt-Straße ihre Türen geöffnet hält.

Fricke, der selbst am Entstehen der Ausstellung mit der Schwerpunktlegung auf dem für sein Referat gewählten Thema mitgewirkt hat, skizzierte an der Maschinenbauanstalt, kurz MAG, wie aus einem schwächelnden Vorkriegsunternehmen ein Kriegsgewinner wurde. Vor dem Krieg, hätte die weltpolitische Gesamtsituation mit einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen wie dem italienisch-türkischen Krieg sowie den Balkankriegen zu einem Abbruch der Absatzmärkte mit dem Ergebnis geführt, dass die vom Export lebende Firma ihr Golzerner Stammwerk am Vorabend des Krieges mangels Aufträgen hatte schließen müssen und unmittelbar vor dem Bankrott stand. "Ende 1914 jedoch waren bereits alle Schulden abbezahlt, konnte die Firma eine 20-prozentige Rendite zahlen", so Fricke. Was war geschehen? Dem Deutschen Reich war nach Kriegsausbruch schnell das Pulver ausgegangen, weshalb allerorten Munitionsfabriken wie Pilze aus dem Boden schossen, für die die MAG die entsprechenden Gerätschaften im Angebot hatte. Doch auch andere Grimmaer Betriebe zeigten sich laut Fricke "erfinderisch" und passten ihre Produktion an. "So wurden in der Korbwarenfabrik Tretbar statt Einkaufs- nun Granatkörbe gefertigt, und in der Stockfabrik stellte man die Produktion auf Granatstiele um." Mit dem Ergebnis, dass die Grimmaer Wirtschaft im Allgemeinen gut und mit maximal kleinen Verlusten durch den Krieg gekommen sei. Wenngleich Rohstoffmangel, zunehmender Diebstahl sowie die sich im Kriegsverlauf häufenden Stromsperren auch um die Betriebe der Muldestadt keinen Bogen gemacht hätten. "Und nicht zuletzt stellten auch der Arbeiter- und Fachkräftemangel ein Problem dar, das mit Zwangsarbeitern und den notwendigerweise herangezogenen jugendlichen Arbeitskräften nur unzureichend gelöst werden konnte", so Fricke.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.01.2015
Roger Dietze

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