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Grimma Grethen trauert um Sarah
Region Grimma Grethen trauert um Sarah
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05:00 20.05.2011
Brennende Kerzen: Täglich pilgern Trauernde zur Brücke, wo mit Plüschtieren, Bildern und Briefen an Sarah erinnert wird. Quelle: Haig Latchinian
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Grethen

Ein Nachbar, der an jenem 8. April erste Hilfe leistete, pflanzte genau dort eine Rose. Inzwischen wandte sich der Heimatverein an die Eltern – mit der Bitte, ein Denkmal für Sarah gestalten zu dürfen.

Ines und Sven Medicke brechen immer wieder in Tränen aus. Und doch nehmen sie die letzte Kraft zusammen, um allen Bekannten und auch Unbekannten zu danken: „So viele Menschen drückten uns die Hand und zeigten damit, wie gern sie unsere Sarah hatten." Bei der Beerdigung der 17-Jährigen reichten die Plätze in der Dorfkirche nicht aus. Bis vor die Tür drängte sich die Trauergemeinde. „Wir hatten bis dahin nie etwas mit der Kirche zu tun. Trotzdem öffnete uns der Vorstand alle Türen. Wir sind so unendlich dankbar für diese menschliche Geste", sagt die 40-jährige Ines Medicke.

Obwohl die Schichtführerin bei Mc Donald‘s krank geschrieben ist, gehe sie schon wieder stundenweise arbeiten: „Es fällt alles so schwer. Sarah hatte sich hier an Wochenenden oft etwas dazu verdient. Ich sehe sie jeden Moment vor mir. Sie ist doch unser einziges Kind." Womit habe sie das nur verdient, rätselt die tapfere Mutter: „Vor 25 Jahren starb bereits mein Vater Horst bei einem Autounfall."

Die meisten der neun Geschwister von Horst leben mit ihren Kindern und Kindeskindern in Grethen, dazu die beiden Brüder von Ines jeweils mit Angehörigen. Auch Ehemann und Ortswehrleiter Sven Medicke ist Ur-Grethener, seine Eltern sowie der Bruder mit Anhang sind im Ort zu Hause. Grethen als große Familie. „Nein, wir verkriechen uns nicht", sagt der 38-Jährige. Und Ines ergänzt: „Das können wir auch gar nicht. Mailo, Sarahs Hund, will doch ausgeführt werden. Sarah hatte den ausgesetzten Hund angenommen, um ihm das Tierheim zu ersparen."

Mailo habe sofort gespürt, dass Sarah etwas Schlimmes zugestoßen sein musste. „Anfangs hatte er immer wieder gebrochen. Noch heute sitzt er vor ihrer Zimmertür. Aber es macht niemand mehr auf." Umso wichtiger ist den Hinterbliebenen die praktische Hilfe einer lieben Rechtsanwältin und eines uneigennützigen Versicherungsexperten. Auch der Bundesverband Verwaiste Eltern leistet seelischen Beistand.

„Warum?" Das fragen sich Eltern und Freunde, allen voran Kevin. Warum musste Sarah am 8. April auf dem Fußweg von der Bushaltestelle und nur wenige Schritte vom Elternhaus entfernt sterben? Warum wurde sie von der Abstützung des Ladekrans erfasst? Ines: „An dem Nachmittag kam Sarah gerade vom Praktikum in der Behindertenwerkstatt. Sie wollte so gern Erzieherin werden. Das war ihr großer Traum." Die Eltern schämen sich ihrer Tränen nicht: „Sarah war ein echter Wirbelwind und immer freundlich. Sie spielte Volleyball, kletterte, tanzte im Verein, surfte gern, fuhr Snowboard und war sogar eine Zeit lang Mitglied unserer Feuerwehr."

Wie jeden Abend gehen die Eltern auch heute wieder zur Brücke, um Kerzen anzuzünden und Hände zu drücken.

Haig Latchinian

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