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Grethens alter Gasthof verschwindet

Grethens alter Gasthof verschwindet

Einst war das Haus das kulturelle Zentrum des Dorfes – jetzt verschwindet es von der Bildfläche. Der Gasthof Grethen, der seit Jahren nur noch eine Ruine war, wird abgerissen.

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Der alte Gasthof: So sah er zuletzt aus.

Quelle: Andreas Läbe

Grethen. Der Grethener Michael Spingies, der das Haus und umliegendes Gelände 2004 erworben hatte, wollte das alte Gebäude schon vor rund fünf Jahren abreißen und damit Platz gewinnen für seine Straußenzucht. Damals aber, so Spingies, habe die Denkmalschutzbehörde keine Abrissgenehmigung erteilt. Jetzt endlich habe er sie. Eine Voraussetzung sei gewesen, dass das Bauwerk dokumentiert worden ist. Denn das Haus, so jedenfalls sehen es die Denkmalschützer, verkörpere dörfliche Tradition und sei mit Grethener Dorfgeschichte in vielfältiger Weise verbunden.

Das weiß auch der Grethener Roland Medicke, der in seiner Jugendzeit selbst im Gasthof zum Tanz ging. „Das Haus war früher so was wie das Dorfzentrum. Hier traf man sich nach Feierabend beim Bier und kam ins Schwatzen. In meiner Jugendzeit waren hier auch noch der herrliche Saal und das Vereinszimmer intakt“, erinnert sich Medicke. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts habe sich dann auch noch eine Konsum-Verkaufsstelle im Haus eingerichtet, so dass sich die Leute auch tagsüber hier beim Einkaufen trafen. Mit einer Portion Wehmut blickt Medicke zurück. „Jetzt werden wir wohl einen nackschen Platz im Dorf bekommen. Schade, dass Traditionsreiches für immer verschwindet.“

Auch Ortschronist Gerhard Krueger bestätigt, dass der alte Gasthof jahrzehntelang ein Mittelpunkt der Grethener Welt war. „Hier wurde eingekehrt, eingekauft, getanzt. Hier machten früher das Volksröntgen und das Landkino Station“, sagt er. Wie sehr das Haus im Dorf dominierte, sei auch daran abzulesen, dass es früher fast auf jeder Grethener Ansichtskarte zu sehen war.

Krueger ist deshalb froh, dass er gestern noch die alte Haustür des Gasthofes retten konnte. Michael Spingies hat sie ihm für das Grethener Feuerwehrmuseum überlassen. „Wir haben dort eine Szene zum Brandschutz aus den 50er Jahren nachgestellt. Da passt die Tür genau dazu“, sagt Krueger. Außerdem sei die Tür wirklich etwas ganz Besonderes. „Die Klinke dieser Tür hatten früher fast alle Grethener schon einmal in der Hand gehabt. Durch die Tür sind damals bestimmt 90 Prozent aller Einwohner gegangen“, meint er und verschmitzt fügt er hinzu: „Auch rausgekommen sind die meisten durch diese Tür, viele oft anders, als sie reingegangen sind.“

Michael Spingies hatte mit seinen Leuten schon am Montag begonnen, die Dachziegel abzutragen. Gestern früh stand er kurz nach acht oben unter den freigelegten Dachbalken, um altes Holz zu entrümpeln und den Baggereinsatz vorzubereiten. Spingies ist froh, dass seinem lange gestellten Abrissantrag endlich die Zustimmung gefolgt ist. Das Haus des alten Gasthofes, der früher den Namen „Zur Stadt Leipzig“ trug, sei lange genug ein Stein des Anstoßes im Dorfbild gewesen. Ganz dem Erdboden gleich machen will Spingies das Haus jedoch nicht. „Den Keller erhalte ich mir als Lagerraum“, sagt er.

Andreas Läbe

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Von Redakteur Andreas Läbe

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