Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Grimma: Abschiebung unter Protest
Region Grimma Grimma: Abschiebung unter Protest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:55 19.05.2015
Polizeieinsatz in der Morgenstunde: Die Polizei leistet Amtshilfe bei der Abschiebung einer tschetschenischen Familie aus Grimma. Die Beamten positionieren ihre Fahrzeuge rund um die Malzhausgasse, unter anderem in der Brückenstraße, und legen damit kurzzeitig den Verkehr lahm. Quelle: Frank Schmidt
Anzeige

Zufahrten in die Altstadt wie die Brückenstraße wurden kurzzeitig gesperrt. Augenzeugen berichteten, dass die Beamten Gepäckstücke aus dem Haus getragen hätten, in dem die Eltern mit ihren fünf Kindern seit einiger Zeit wohnten. Zwischendurch sei ein Notarzt eingetroffen und mit einer Tasche in das Gebäude unweit des Marktes geeilt. "Es gab von Seiten der Familie versuchten Widerstand", bestätigte Felber. Nachdem sich die Situation beruhigt habe, seien die Beamten mit den Erwachsenen und den Kindern Richtung polnische Grenze gefahren. "Wir haben rechtmäßige Verhältnisse hergestellt", so Felber weiter.

Das Schicksal der Asylbewerberfamilie Garzhiev ist seit Wochen Stadtgespräch in Grimma. Bereits Ende August hatte die Ausländerbehörde mit Hilfe der Polizei versucht, die Familie zur freiwilligen Rückkehr nach Polen zu bewegen. Dabei war jedoch der älteste Sohn, der 14-jährige Shadid, geflüchtet. Da der Junge tagelang nicht auffindbar war, musste die Abschiebung abgebrochen werden. "In diesem Fall kann man die Familie nicht trennen", hatte Felber gesagt. An dem rechtskräftigen Abschiebebeschluss des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge änderte sich aber nichts.

Die Behörde begründete ihre Entscheidung zur Abschiebung mit geltendem EU-Recht. Danach müssen Flüchtlinge in jenem EU-Land einen Antrag auf Schutz stellen, in das sie während ihrer Flucht zuerst einreisen. Das war im Fall der Garzhievs Polen. Dort hatte die Familie den Angaben der Ausländerbehörde zufolge auch einen Asylantrag gestellt. "Polen hat der Familie ein Aufenthaltsrecht bis 2014 zugesichert", sagte Felber.

Bereits anderthalb Stunden nach Eintreffen der Polizei war der Einsatz am gestrigen Morgen beendet. Auch wenn die Muldestadt durch die Aktion unsanft aus dem Schlaf gerissen worden ist, beherrschten danach Baufahrzeuge und Handwerker das Geschehen in der Altstadt, die mit der Bewältigung der Hochwasserschäden kämpft. Die Internet-Gemeinde diskutierte die Vorfälle noch Stunden später. So gab es Wortmeldungen, nach denen die Familie ein Bleiberecht in Grimma verdient hätte. Aber auch die Unterstützer der Abschiebung verschafften sich Gehör. "Eine Abschiebung geschieht nicht ohne Grund und man muss immer beide Seiten kennen", versuchte eine unter Blue Nedde postende Userin die Wogen im virtuellen Gesprächsforum zu glätten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2013

Schöppenthau, Birgit

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vorsichtig aufatmen können die Otterwischer, was die Sanierung der Hauptstraße in ihrem Ort betrifft. Wie es aussieht, soll das letzte Stück, das sich noch in einem desolaten Zustand befindet, in Angriff genommen werden.

19.05.2015

Auf verstärkte Verkehrsbehinderungen müssen sich die Bewohner der Innenstadt ab Montag einstellen. Grund ist die Instandsetzung des Ufers an der Haingasse. Schwere Kipper werden das Colditzer Zentrum passieren.

19.05.2015

"Wer hätte gedacht, dass unser Dorfplatz mal so schön wird", sagen selbst Alteingesessene des 40-Seelen-Dorfs Walzig. Doch nun ist es geschehen. Die Firma Hecht hat Anfang der Woche begonnen, sowohl den Dorfplatz rund um die legendäre Milchrampe, als auch die Grundstückszufahrten auf Vordermann zu bringen.

19.05.2015
Anzeige