Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Grimma: Ärger nach Gehölzrodung an der B 107 – Kahlschlag sorgt für Verstimmung
Region Grimma Grimma: Ärger nach Gehölzrodung an der B 107 – Kahlschlag sorgt für Verstimmung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 17.03.2018
Der Landschaftspflegeverband Muldenland hat an der B 107 nördlich von Grimma eine kleine Baumfläche gerodet. Nun gibt es freie Sicht, aber auch Ärger. Quelle: Frank Prenzel
Anzeige
Grimma

Es waren Mitglieder der Nabu-Fachgruppe Ornithologie und Herpetologie Falkenhain (FG), die den Stein ins Rollen brachten. Sie sahen am 10. Januar, wie Männer des Pflegeverbandes die Säge an die alten Obstgehölze ansetzen. Mit unbequemen Nachfragen wandte sich deshalb FG-Leiter Sven Möhring am 4. Februar an den Verband – und schickte die Mail auch weiteren Personen und Institutionen zu, denn „wir sind der Auffassung, dass ein derartiges Vorgehen nicht satzungskonform ist“. Auch den Landesverband der 13 sächsischen Landschaftspflegeverbände schaltete die Fachgruppe ein. Der wollte die Vernichtung der Gehölzfläche sogar in einer Vorstandssitzung zum Thema machen. Kenntnis von der Rodung durch die Hand des Verbandes hatte er nicht.

Nabu sieht Verstoß gegen Bundesnaturschutzgesetz

Die Landschaftspflege und die Pflege von Streuobstwiesen sei laut Satzung ein hauptsächliches Betätigungsfeld des LPV, so die Fachgruppe in ihrem ersten Schreiben. „Die Vernichtung von Strukturen in der eh schon ausgeräumten Agrarlandschaft stellt aus unserer Sicht einen eklatanten Verstoß gegen die LPV-Satzung und gegen das Bundesnaturschutzgesetz dar.“ Die Vernichtung der Gehölze sei bei jenen, die sich für den Erhalt der letzten Refugien einsetzen, auf großes Unverständnis gestoßen, betont FG-Leiter Möhring gegenüber der LVZ. Die Fläche sei landschaftsprägend gewesen, ärgert er sich ebenso wie seine Naturfreunde.

LPV-Vorsitzender wehrt sich gegen Vorwürfe

Der ehrenamtliche LPV-Vorsitzende Steffen Richter kann die ganze Aufregung nicht verstehen und teilt seinerseits aus. „Mit großer Verwunderung erfüllt uns die Vehemenz der durch Sie gestellten Fragen und Unterstellungen.“ Es dränge sich der Eindruck auf, der Nabu sei die Aufsichtsbehörde des LPV. „Dagegen verwehren wir uns“, so Richter, der Chef der Nerchau-Mutzschener Agrar und Service GmbH ist und für die Allianz Stadt+Land im Grimmaer Stadtrat sitzt. Der LPV habe aus einer privatrechtlichen Forderung heraus die „wild gewachsenen Bäume und Sträucher“ entfernt.

Nach Richters Worten gehörten an der B 107 etwa 2800 Quadratmeter dem Verband – einschließlich der Gehölzfläche. Der LPV habe das Land dem Unternehmen verkauft, das rechts und links der Straße das neue Industrie- und Gewerbegebiet im Norden Grimmas entwickelt und vermarktet. Bedingung sei gewesen, dass der Verband den Bestand noch rodet, „sonst wäre kein Geld geflossen“, erklärt Richter. Geld, dass der Verband zum Begleichen von Schulden aber dringend brauche. Denn für die Beseitigung der Flutschäden an der Alten Feuerwehr, die der 2002 gegründete LPV in Erbpacht hat, seien für das Eigenkapital Schulden gemacht worden. Und auch die sechs Festangestellten müssten pünktlich ihren Lohn bekommen.

Ersatzpflanzung mit Landratsamt vereinbart

Die Bäume wären wegen der Gewerbeansiedlung früher oder später eh beseitigt worden, erklärt Richter. Der Bestand sei nicht geschützt gewesen. Aus Sicht des LPV sei die Rodung nicht genehmigungspflichtig gewesen. Im Nachgang sei aber der Kontakt zur Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt gesucht worden. Man habe vereinbart, eine Ersatzpflanzung vorzunehmen, erklärt Richter.

Laufendes Verfahren zu möglicher Ordnungswidrigkeit

Das bestätigt Landratsamt-Sprecherin Brigitte Laux. Es solle ein Ausgleich geschaffen werden, „der die gleiche Fläche umfasst und ebenfalls eine Gehölzgruppe darstellt“. Die Abstimmung mit dem Verband sei noch nicht abgeschlossen. Die Frage, ob der LPV eine Ordnungswidrigkeit begangen hat, ist auch noch unbeantwortet. Es handele sich um ein laufendes Verfahren, die Entscheidung stehe noch aus, so Laux.

Die Fachgruppe Falkenhain gibt sich damit zufrieden und wird laut Möhring keine weiteren Schritte unternehmen. Allerdings stieß ihm auch auf, dass Verbandschef Richter erst auf Nachsetzen eine halbwegs plausible Antwort lieferte. Zwei Tage später hätte er den Vorfall an die große Glocke gehangen.

Von Frank Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Elefantenrennen nerven nicht nur die nachfolgenden Autofahrer, sie sind auch kreuzgefährlich. Um die A 14 sicherer zu machen, hat die Grimmaer SPD ihre Forderung nach einem Überholverbot für Lkw zwischen dem Dreieck Parthenaue und Nossen jetzt erneuert.

17.03.2018

Am 8. und 9. September verwandeln sich die Böhlschen Wiesen zum bereits achten Mal in eine Spiellandschaft für Jung und Alt. Beim diesjährigen Kinderreitfest stellen erneut Kinder und Jugendliche ihr Können in Wettbewerben wie Dressur, Springen, Führzügel, Longieren, Gelände und Voltigieren unter Beweis.

17.03.2018

Die Frist für Anmeldungen von Wahlvorschlägen ist abgelaufen. Somit steht das Starterfeld fest: Die CDU schickt Matthias Muschter ins Rennen, die Freie Wählervereinigung „Für unsere Heimat“ nominiert Sascha Schmiedel. Als Einzelbewerber kandidieren Uwe Quedenbaum, Dirk Jaworski und Robert Zillmann.

17.03.2018
Anzeige